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»Kräuter der Provinz«

Datashock

Das Kollektiv der Kohlrabi-Apostel ergeht sich in spukhaften Free-Folk-Sessions von ritueller Intensität. Keine Band Deutschlands führt das Erbe der Krautrock-Ära derzeit andächtiger fort.

Geschrieben am

Als soziales und sozialisierendes Erlebnis ist Musik im Spätkapitalismus schwer angesagt. Noch nie gab es so viele Festivals, Freiluft-Goas und privat organisierte Feten, die alle erdenklichen Genres und Mindsets abdecken und für jeden jedes Jahr das richtige Programm anbieten können. Doch in ihrem Schaffensprozess ist gerade die moderne Rockmusik immer öfter immer weiter von den improvisierten Ansätzen, den gemeinsam erlebten Happenings während der frühen Rock-Ära der 1960er und 1970er entfernt. Welche Band trifft sich heute noch zum spontanen Jammen und nimmt in abgelegenen Bunkeranlagen tagelange Sessions auf, so wie anno dazumal German Oak? Oder Can? Der Produktionsprozess ist in den Fokus gerückt, das Moment des Unkontrollierbaren zunehmend von zweitrangiger Bedeutung. Nicht so bei den weitgehend anonymen Musikern von Datashock, die schon auf »Pyramiden von Gießen« (2011) und »Keine Oase in Sicht« (2014) aus hypnotischen Psych-Drone-Jams betörend schöne Melodien extrahierten.

Für »Kräuter der Provinz« trafen sich die acht sedierten Solisten nicht im Bunker, sondern in der Oetinger Villa in Darmstadt und spielten in wenigen Tagen ausufernde Trips vom Kaliber eines 16-minütigen »Im Zuchtstall der Existenzhengste« ein. Das Gras, das den Jungs und Mädels dabei zur Verfügung stand, muss verdammt gut gewesen sein. Anders lassen sich auch die fieberhafte Dunkelheit von »Schönster Gurkenschwan« und die schamanenhaften Streicherkulissen in »Halb-halb, wie ein guter Kloß« kaum erklären. Psychedelic-Rock tanzt hier mit Tribal Ambient und Plunderphonics ebenso ungezwungen berauscht wie geistesgegenwärtig. Obwohl »Keine Oase in Sicht« dahingehend schon keinerlei Wert auf Konventionen legte und, von freundschaftlicher Gruppendynamik beseelt, ein Gefühl der Ablösung vertonte, ist »Kräuter der Provinz« noch weitaus entrückender geraten. Das ist Musik zum Davonfliegen, Spirituelles für Landstreicher und Eskapisten, für die Gusto Gräsers dieser Welt.

Datashock

Kräuter der Provinz

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Bureau B

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