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Britenrabatt ade / Geschäftsreisende im Auftrag des Punk

Das waren die Intims in Berlin & Köln

Intro Intim mit Test Icicles, Bolzplatz Heroes, Muff Potter (16.12. Magnet / Berlin) Foto-Galerie folgt! Ein bisschen Folter, ein bisschen schwanger, ein bisschen Lärm - Intro macht Schluss mit den modernen Verharmlosungen. Und schenkt dafür die volle Kelle Emotion - nur diese ist gerade gut
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Intro Intim mit Test Icicles, Bolzplatz Heroes, Muff Potter (16.12. Magnet / Berlin)

Foto-Galerie folgt!

Ein bisschen Folter, ein bisschen schwanger, ein bisschen Lärm – Intro macht Schluss mit den modernen Verharmlosungen. Und schenkt dafür die volle Kelle Emotion – nur diese ist gerade gut genug für die eigene intime Konzertreihe. Vorweihnachtlich angemessen illuster bestückt mit den Test Icicles, den aktuellen Hoffnungsträgern von der Insel in Sachen Krach. Da bleibt nur, sich aufzumachen, dem ersten Schnee trotzend, um dabei zu sein. Weiß man doch nie, wie schnell the next big thing wieder durchgeraucht ist. Also: eine Chance für Hektik und Lärm – für Sam, Dev und Rory. Die Anfangzwanziger hüpfen pünktlich auf die Bühne, reißen die Verstärker auf und entfesseln von Null auf Betriebstemperatur mit dem Opener „Your biggest Mistake“ ein brachial-energetisches Durcheinander. Das mit stilistischer Vielfalt überzeugende Studiowerk „For Screening Purposes only“ in Ehren, doch schnell wird klar, dass on stage eine andere Parole gilt. Hinweg mit dem clubtauglichen Genrehopping nebst Britpop- und Dancefloorschlenkern, alles gestrafft, eingeschmolzen und mit Noiseklanggerüsten, Grindcore, Geschrei, Wollmützen und Aggrogitarren in entsprechender Lautstärke kompromisslos zu Grabe getragen. Richtig was auf die Kappe, Britenrabatt ade - eine infernalische Schneise fräst sich way to Großhirn. Hyperaktivität auf der Bühne, hektische Suche im Publikum nach irgendwas zum Abdichten der Gehörgänge: Nicht alles bei diesem Treiben ist von höchster Qualität. Die Test Icicles bekennen sich zum humanistischen Kern des Großen und Ganzen: „All you Need is Blood“. Nach einem letzten instrumentalen Aufbäumen von zerstörerischer Kraft und Chaos ist der Gig jäh vorbei. Später spielen noch Muff Potter auf. Das ist aber eine andere Geschichte. I want my money back? Nö, aber mal wieder ordentlich hören zu können, das wäre fein.
Benjamin Cries

Intro Intim mit Test Icicles, Bolzplatz Heroes, Muff Potter (17.12. Gebäude 9 / Köln)

Den Anfang machten auch hier die Bolzplatz Heroes. Sie brachten eine gute Portion Noise ins Spiel, Flo, der Sänger, bewegte sich trotz Bandscheibenvorfall agil auf der Bühne und überstrapazierte mal wieder seine Stimmbänder. Die Allstar-Besetzung, die sich aus Sportfreunden-Stiller-, The-Notwist- und Cosmic-Casino-Mitgliedern zusammensetzt, spielten einen Posthardcoresound mit druckvollem Schlagzeug und Elektronika, die den Bass durch analoges Grollen ersetzte. Sie klangen erfrischend gar nicht nach den anderen beteiligten Bands und so manch eine(r) dürfte spätestens nach diesem Auftritt gespannt auf ihr erstes Album sein, welches passend zu Beginn des Fußballweltmeisterschaftsjahr in den Läden stehen wird.
Sie gaben ab an die Test Icicles, die ja bereits jetzt als das „next big thing“ gehandelt werden. Schon ihr Styling verriet, dass hier keine Kompromisse gemacht werden. In 80er Hi-Top-Sneakers und Röhrenjeans enterten sie die Bühne und erhöhten den Noiseanteil noch mal deutlich, ließen die Gitarren jaulen und immer wieder Metal-Referenzen in ihren lärmenden Discopunk einfließen. Die Besucher konnten nicht mehr stillhalten und versorgten sich schnell noch mit Ohrenstöpseln, während sie vor die Bühne drängten. Eine großartige Bühnenshow der selbst-betitelten „Geschäftsreisenden“, die wohl im Auftrag des richtigen Stylings unterwegs sind, um ihre Vorstellung von malträtierten Gitarren zu verbreiten. Sie zeigten was passiert, wenn man The Rapture und Liars aufeinander loslässt und Black Sabbath unangemeldet vorbeischauen. Jugendlicher Übermut, der das Publikum begeisterte.
Die Steigerung kam in Form von Muff Potter, die nach dem energetischen und unangepassten Noise der Test Icicles mit solidem Punkrock ihre Fans begeisterten. Muff Potter haben sich ihre große Fanbasis ja in unzähligen Auftritten bereits erspielt, die Songs vom neuen Album überzeugten, getreu dem Titel "Heute wird gewonnen, bitte", auch noch den Rest der Halle. Ihr melodischer Emo/Punkrock hat mittlerweile eine nahezu beängstigende Perfektion erreicht, ohne dass dabei die Intensität und Rauheit ihrer ersten Songs fehlen würde. Muff Potter, die sich nebenbei noch als Bukowski-Fans bekannten, zeigten mal wieder, dass Punkrock durchaus Herz haben kann. Den Besuchern des Gebäude 9 wurden an diesem Abend verschiedene Versionen von Punk geboten, experimentell, jugendlich überschwänglich und melodisch, für alle war etwas dabei…
Karsten Nölle