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Aus Liebe zum Film

Das war die Berlinale 2015

Politik, Bio-Pics und Indie-Hits: Unsere Highlights der 65. Berlinale.
Geschrieben am
Die Berlinale hatte gerade begonnen, da hatte sie mit Jafar Panahi und »Taxi« schon ihren ersten Favoriten. Diese Rolle hat der iranische Filmemacher in einem, von den Altmeistern Andreas Dresen, Terrence Malick und Werner Herzog abgesehen, starken Wettbewerb nicht mehr abgegeben. Der Film ist ein kleines Meisterwerk: intelligent, lustig, spannend und politisch. Ein Portrait der iranischen Gesellschaft und ein Film über die Liebe zum Filmemachen. Dafür hat er jetzt den goldenen Bären erhalten – aus politischen, aber vor allem aus künstlerischen Gründen. 

Die Kombination dieser beiden Kriterien trifft auch auf die anderen Preisträger zu. Es mag Zufall sein, dass jeder der drei lateinamerikanischen Wettbewerbsbeiträge mit einem silbernen Bären ausgezeichnet wurde, andererseits saß mit Claudia Llosa eine der wichtigsten Filmemacherinnen des Kontinents in der Jury. Aber abgesehen davon sind alle drei Filme herausragende Beispiele für eine lebendige Filmszene, die sich auch in den anderen Sektionen des Festivals als abwechslungsreich und vielschichtig präsentiert hat. Dabei haben es die Filmemacher schwer, sich ihren Heimatländern durchzusetzen, denn die Zahl der Kinos ist gering, und in der Regel werden Hollywood-Blockbuster den einheimischen Produktionen vorgezogen. Die Auszeichnungen sind ein wichtiges Zeichen dafür, dass das lateinamerikanische Kino international wahrgenommen wird, damit sich das vielleicht schon bald auch in den Herkunftsländern ändert.

Abseits des Wettbewerbs waren in diesem Jahr Künstlerbiographien angesagt. Anton Corbijn verfilmt in »Life« das legendäre Fotoshooting zwischen James Dean und Star-Fotograf Dennis Stock. Wobei er weder dem einen noch dem anderen besonders nahe kommt. Bill Pollack setzt mit »Love & Mercy« in einer Art reduzierter »I'm not there«-Variante mit Paul Dano und John Cusack dem Beach Boys-Star Brian Wilson ein Denkmal. Und Brett Morgen hat für »Cobain: Montage of Heck« zusammen mit Frances Bean Cobain, das Familienarchiv ihrer Eltern, Kurt Cobain und Courtney Love, geplündert, so dass man sich zwischendurch fragt, ob es nicht einen Grund dafür gab, dass diese Aufnahmen bisher privat geblieben sind.

Die interessanteste Biographie ist »B-Movie: Lust & Sound in Westberlin« von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange. Die steckten schon mitten in dem Film, als plötzlich der britische Musikproduzent Mark Reeder in Uniform und mit einer Kiste alter Filmaufnahmen um die Ecke kam. Ein Glücksfall, denn durch seine Geschichte bekommt dieser Film über die Berliner Musikszene der achtziger Jahre eine besondere persönliche Note, nicht nur für diejenigen, die damals dabei waren. 

Alex Ross Perry war hierzulande bisher nur einer kleinen Gruppe von Insidern bekannt, die längst erkannt haben, dass das hipste Filmfestival in Europa in Locarno stattfindet. Dort erhielt der US-amerikanische Filmemacher im vergangenen Jahr den  Spezialpreis der Jury für seinen Film »Listen Up Philip«. Die beiden Hauptrollen spielen übrigens Jason Schwarzmann und Elisabeth Moss. Für seinen neuen Film hat sich Alex Ross Perry erneut mit der »Mad Men«-Schauspielerin zusammengetan. In »Queen Of Earth«, einem Film über die Freundschaft zwischen zwei Frauen in der Tradition von Ingmar Bergman und Roman Polanski, hat Alex Ross Perrs seine Eindrücke nach dem Erfolg von »Listen Up Philip« verarbeitet. Wie soll das erst mal werden, wenn er im Wettbewerb läuft? 

Ein anderer Indie-Tipp ist der Chilenische Regisseur Sebastián Silva. »Nasty Baby« wurde auf der Berlinale mit dem queeren Filmpreis Teddy-Award ausgezeichnet. In dem Film mit TV On The Radio-Sänger Tunde Adebimpe und Saturday Night Life-Star Kristen Wiig geht es aber nur auf den ersten Blick um ein schwules Paar, das mit seiner Freundin ein Kind bekommen möchte. Denn unter der Oberfläche ist der Film ein Thriller, der den Zuschauer einerseits ein bisschen ratlos zurücklässt, andererseits die Vorfreude auf die nächsten Projekte des 35-Jährigen weckt.