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Raven auf der Rennbahn

Das war das Circle of Love 2010

Tanzende Menschen und ballernde Beats im Rennbahnpark Neuss. Die Stimmung auf dem Circle of Love war ausgelassen. Dennoch stand das Techno-Event im Schatten der Ereignisse in Duisburg.
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Tanzende Menschen und ballernde Beats im Rennbahnpark Neuss. Die Stimmung auf dem Circle of Love war ausgelassen. Dennoch stand das Techno-Event im Schatten der Ereignisse in Duisburg. Mit peniblen Sicherheitsvorkehrungen versuchte der Veranstalter keinen Zweifel an der Organisation des Festivals aufkommen zu lassen.



Passend zur Location – einer kürzlich renovierten Pferderennbahn – waren die Gesetzeshüter zu Ross erschienen. Der sogenannte Rennbahnpark war der diesjährige Austragungsort für das eintägige Techno-Event Circle of Love. Vorteil: Die Location bot angenehm viel Platz für die insgesamt drei Outdoor-Bühnen, auf denen Künstler wie Lexy & K-Paul, Simian Mobile Disco, WhoMadeWho und ein sehr überarbeitet wirkender Paul Kalkbrenner vorspielten.


In der gewölbeartigen „alten Wetthalle“ kam dank Lichtspielchen und Discokugel eine schöne Club-Atmosphäre auf. Passend dazu wurden Club-lastigere DJs, wie Ben Klock und Marcel Dettmann, aus dem Hause Berghain, gebucht.

Trotz Regenschauer war die Stimmung ausgelassen: Zwischen Teenies mit „I Heart Paul Kalkbrenner“ Shirts, bunten Rave-Gestalten und der feierwütigen Electro-Jugend, konnte man sogar den ein oder anderen Nicht-Rheinländer ausmachen, der sich scheinbar von dem namenhaften Line-Up angezogen fühlte.
Die Polizei registrierte knapp 4000 Besucher, in etwa die Hälfte der vom Veranstalter postulierten Zahl.

Im Vorfeld wurde das Circle of Love immer wieder als Miniatur-Loveparade dargestellt. Die Sicherheits-Prüfungen durch die Stadt Neuss waren so gründlich, dass das Festival erst 2 Tage vor Beginn zugelassen wurde.

Techno-Großveranstaltungen und Festivals scheinen seit den tragischen Vorfällen in Duisburg noch immer Loveparade-belastet zu sein. Das öffentliche Interesse am Thema »Sicherheit auf Open-Air Events« ist größer denn je. Somit sind die Veranstalter mehr oder weniger dazu gezwungen die Sicherheit als übergeordnetes Thema nach außen hin abzubilden.

Auf dem Circle of Love waren Polizei und Sicherheitskräfte fast überpräsent und die zahlreichen Notausgänge waren unübersehbar groß gekennzeichnet - beinahe plakativ. Dafür waren die Bar-Zelte grausam unterbesetzt. Es kam teils zu sehr langen Wartezeiten. Dadurch stieg die Anspannung unter den Besuchern und vor allem unter dem überfordert wirkendem Personal.

Sicherlich will keiner, dass sich die Vorfälle der Loveparade wiederholen. Aber bei einem Festival, bei dem das Gelände offensichtlich genug Platz für das Party-Volk bietet, dienen übertriebene Sicherheitsmaßnahmen eigentlich nur dem Gefühl der Sicherheit.

Es ist die angemessene und vielleicht schon längst überfällige Reaktion der Veranstalter auf eine Tragödie, dessen Nachwirkungen uns noch lange begleiten werden, sei es zu dem Preis, dass man um ein Bier auf einem Festival zu bekommen in Zukunft viel Zeit mitbringen muss.