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Das letzte Wort

The Jezabels

Die Musik der Jezabels aus Sydney klingt episch. Theatralische Gesten und die Überwindung des Diesseits stellen den Stoff dar, aus dem die Träume der Band sind. Mario Lasar deutet das Album »Prisoner«.
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The Jezabels kommen aus Sydney, einer Stadt, von der man musikalisch betrachtet außerhalb Australiens in den letzten Jahren eher wenig gehört hat. Robert Forster von den Go-Betweens nannte Sydney einst eine »Rock’n’Roll-Stadt«, aber das war Ende der 80er. Was halten The Jezabels von ihrer Stadt und ihrem Land? »Ich denke, wir sind eher isoliert, jedenfalls fühlt es sich so an. Unsere Musik lässt sich nicht aus unserer Herkunft ableiten, sondern ist eher ein Kompromiss aus den verschiedenen Geschmäckern der Bandmitglieder.«

Das Debütalbum von The Jezabels ruft mit seinem stürmischen Emotionalisierungs-Pop musikalische Ausdrucksweisen auf, die man von 80er-Jahre-Bands wie Simple Minds oder Waterboys kennt. Im Mittelpunkt steht ein bombastischer Sound, dem es gleichwohl um die Vermittlung von Intimität geht. Dabei gefallen sich The Jezabels darin, per Konvention verhängte Grenzen zulässiger Stilmittel zu überschreiten. So kommen im Song »Endless Summer« unverhohlen flächige Keyboards zum Tragen. Ähnlich gewagt scheinen Sängerin Hayley Marys Tremolo-Stimme sowie ihre Neigung zu lang gezogenen Endsilben. Der Effekt, der sich daraus ergibt, ist auf jeden Fall »intensiv«, wie es Hayley im Interview auf den Punkt bringt.

Ein weiterer zentraler Aspekt der Musik ist die Dominanz von Hall und Echo. Man könnte sagen, dass den Songs auf diese Weise eine geisterhafte jenseitige Qualität zukommt. Hayley scherzt, dass Hall bandintern schon als fünftes Bandmitglied gehandelt werde: »Vielleicht handelt es sich dabei um einen Geist, der mit uns reist und diese jenseitige Atmosphäre schafft, von der du sprichst.«. Einen anderen Geist rufen sie mit dem Stück »Rosebud« – benannt nach dem letzten Wort auf dem Sterbebett des Protagonisten aus Orson Welles’ »Citizen Kane«. Hayley Mary zufolge gibt es diesbezüglich einen vagen Zusammenhang, der durchaus beabsichtigt sei: »Ich mochte das Wort, weil es ein Symbol für Unschuld ist. Von größerer Bedeutung für mich ist aber das Mysterium, das mit Kanes letztem Wort verbunden ist, vor allem der Ruhm, der mit dem Mysterium einhergeht.«