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Musik veröffentlichen 2008: Ist die Neue schon draußen?

Das Jahr 08

Das Berliner Label City Slang ging im Krisengerede so weit, das neue Lambchop-Album dem Rolling Stone beizulegen. Ein Gespräch mit dem Labelmacher Christoph Ellinghaus.
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Der größte Hit der Musikindustrie war in diesem Jahr nicht etwa ein Song oder eine neue Band. Vielmehr war es (mal wieder) das Krisengerede. Und allerorts werden neue Vertriebswege diskutiert. Das Berliner Label City Slang ging so weit, das neue Album der Gruppe Lambchop einer Ausgabe des Rolling Stone beizulegen. Ein Gespräch mit dem Labelmacher Christoph Ellinghaus.

Herr Ellinghaus, wie kam es zu der Verschenkaktion des neuen Lambchop-Albums?
Es ging nicht darum, in Sinne Radioheads einen Coup zu landen. Dafür ist das Thema "Musik verschenken" ja auch längst zu langweilig geworden. Es ist jetzt das zehnte Lambchop-Album. Die Medien berichten aber fast nur noch über Newcomer und finden viele Bands nach der dritten Platten bereits todlangweilig. Diese Einstellung hat uns ein Stück weit zu dieser Aktion beflügelt. Es ist eine tolle Platte. Sie wäre sonst untergegangen.

Aber Sie haben diese Aktion ja zusammen mit einem Musikmagazin gemacht, kritisieren aber die Hypebesessenheit der Medien. Ist das nicht widersprüchlich? Hätte man die neue Lambchop nicht besser über die kleinen Plattenläden verschenken könne? Wie viele Leute erreicht man denn noch über solche Läden?
Gute Frage. Das Problem ist doch, das die meisten Indie-Läden sehr versnobt sind. Es regnet Brei, und sie finden den Löffel nicht. Überall liest man über einen Künstler, und der Laden führt den Tonträger einfach nicht: "Ist die schon draußen?" [Ellinghaus ahmt müden Musiknerd nach]

Bertelsmann zieht sich nun aus dem Musikgeschäft zurück, und City Slang verschenkt Platten. Das wird ja gerne hochgejazzt: "Da ist es: das Ende der Musikindustrie!" Was ist denn Ihre Meinung zu dem Krisengeschwätz?
Als Musiklabel kann man eigentlich nur noch schauen: "Wie lange noch?" Ich bin, ehrlich gesagt, auch ständig am Gucken. Eine langfristige Karriere eines Künstlers aufzubauen - also auch auf Dauer damit Geld zu verdienen - das kann man heute fast nicht mehr leisten. Vielleicht sind die Labels der Zukunft einfach nur noch Nachlassverwalter. Man rennt den Leuten ja auch immer nur noch hinterher, weil sie die Platten schon einen Monat vorher im Internet bei Pirate-Bay runtergeladen haben...