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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Der Popstar am Arsch. 50 Jahre Madonna u. a.

Das Jahr 08

Skandale und Semi-Tragödien. Entscheiden Sie selbst: Welche Nachricht würden sie im Netz anklicken, wenn sie nur eine Webseite frei hätten...
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Entscheiden Sie selbst: Welche Nachricht würden sie im Netz anklicken, wenn sie nur eine Webseite frei hätten: "Madonna plant eine weitere Single nächsten Monat - mit neuem Produzenten! Exklusiv bei pitchfork.com" oder doch eher "Madonna - Alle intimen Details über Trennung und Ehe. Exklusiv auf gala.de!" Genau.

Diese ungleiche Verteilung des allgemeinen wie eigenen Interesses beschreibt ganz treffend den Zustand der großen Popstars. Trotz 50-Jahr-Feier, Tour und neuer Platte ist mit Madonna ein weiterer Konsens-Act aus dem popmusikalischen Olymp geflogen. Die Musik an sich lockte nicht mehr. Der Gunst-Indikator des Publikums lässt sich viel eher wie folgt darstellen: Kein Skandal? Kein Bock.

Jener Popstarolymp kann mit diesem prominenten Abgang nun final dicht gemacht werden. Wer wäre dort auch noch anzusiedeln? Robbie Williams? Von dem geisterte dieses Jahr ja lediglich ein Foto als Waldschrat durch die Zeitungen, verknüpft mit dem hämischen Hinweis, er sei doch nun endlich weit unten genug angekommen für die Beteiligung an der Loser-Take-That-Reunion. Oder Michael Jackson? Der feierte 2008 ebenfalls den 50, ist allerdings seit langem nur noch als Punchingball der Öffentlichkeit aktiv. Werden seine Ambitionen für ein musikalisches Comeback verlautbart, entsichern schon alle begeistert Knarren und Fäuste. Endlich wieder wen zum Durch-die-Straßen-prügeln. Das arme Gespenst!

Video: Amy Winehouse And Pete Doherty On Drugs



Überhaupt setzte sich auch dieses Jahr der Trend weiter durch, dass man für Superstars nur noch Mitleid haben kann. Zumindest sind nur noch solche Superstars überhaupt welche, die schwerwiegende persönliche Probleme haben. Amy Winehouse, Pete Doherty, Kate Moss, Britney Spears. Den Hit landet längst nicht mehr das Album oder sonst eine künstlerische Äußerung, sondern ausschließlich der Absturz. Obszön, aber wahr. Als einzige Ausnahme mag da nur der weltumspannende Erfolg von vermeintlichen Langweiler-Acts wie Metallica und Coldplay gelten.

In der allgemeinen Begeisterung über jene zeichnete sich die Müdigkeit gegenüber der Skandalkommunikation zum Thema Popstar ab. Durchsetzen wird sie sich aber vermutlich nicht. Jetzt ist's ja auch eh egal. Der Pop-Olymp ist leer. Bei aller diebischen Freude an Dekonstruktion - schon ganz schön schade.