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Bildergalerie: Mit Dropkick Murhpys, Beatsteaks

Das Highfield am Sonntag

Als der letzte Schlamm getrocknet war, wurde am letzten Highfield-Tag noch mal die Verstärker auf Anschlag gestellt. Ruhe gab's wenig.
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Als der letzte Schlamm getrocknet war, wurde am letzten Highfield-Tag noch mal die Verstärker auf Anschlag gestellt. Ruhe gab's wenig, dafür konnte man sich in Sachen Pogo fast den ganzen Tag austoben.

Es gibt diese seltenen Momente, in denen man sich über den Geruch von Dung in der Nase freut. Sekunden der Zufriedenheit, in denen man staunend zuschaut, wie dieser beißende Gestank in kleinen Rauchschleiern vom Boden aufsteigt. Am Sonntagmorgen konnte man genau das beobachten, als die Sonnenstrahlen auch die letzten Schlammkuhlen trockneten, was zwar ein wenig müffte, aber jedem einen grandios-sonnigen dritten Highfield-Tag versprach. Und der stand zumindest auf der Hauptbühne mehr denn je mit Anschlag auf Rockbrett. Oder vielmehr Punkrock. Leider anfangs noch der unoriginelle. Während Jennifer Rostock vor allem johlende Teeniefans auf ihre Seite brachten und die paar "Ausziehen!"-Rufe konsequent ignorierten, wurde es dann mit MXPX und im Anschluss auch The Bones eher ein wenig unoriginell.

Während erstere einfach mal klingen wie seit Pennywise schon tausendmal gehört, bleiben The Bones trotz amüsanter Dicke-Eier-Posen nur eine mittelgute Social-Distortion-Nacheiferband, die aber leider textlich nicht in der Liga eines Herrn Ness unterwegs sind, sondern ziemlich viele Plattitüden in dreieinhalb Minuten packen kann. Less Than Jake waren da mit ihrem Ska-Punk, der sich selbst nicht so ernst nimmt, schon ansehnlicher. Im Coca Cola Soundwave Tent kam es derweil zu skurrilen Begegnungen. Auf der selben Bühne, auf der noch am Morgen ein nach BWL-Student aussehender Jungmensch "Das Kompliment" von den Sportfreunden Stiller coverte, zeigten die ehrwürdigen Gutter Twins Greg Dully (Ex-Afghan Whigs) und Mark Lanegan (Ex-Screaming Trees) mal, was sie mit ihren zerlebten Stimmen und Körpern noch so auf die Bühne wuppen können. Das beeindruckte auch den Beatsteaks-Basser, der während der gesamten Länge des Sets und dem überzogenen Soundcheck im Publikum ausharrte.
Den meisten Zuspruch erfuhren im Zelt dann die Blood Red Shoes, die es nun augenscheinlich geschafft haben, nicht nur die Indie-Fanschaft zu begeistern, sondern auch das Festivaljungvolk mitzureißen. Das Zelt platzte aus allen Nähten, während das Duo aus Brighton perfekt aufeinander eingespielt durch das Debüt bolzte. Zurück auf der Hauptbühne schleimten Madsen fast ein wenig zu sehr, was man ihnen anhand der Publkumsreaktionen, die fast bis zum Ausgang reichten, vielleicht auch nicht verübeln kann. Also machen sie wohl was richtig. Serj Tankian tritt nun bekanntlich ohne System Of A Down, dafür aber mit Zylinder und ähnlichem Bildungsauftrag auf. Die Musik klang dabei wie SOAD mit ein paar Zugeständnissen Richtung Rockkonsens und die amerikakritischen Ansagen lässt er auch in Zeiten nicht bleiben, in denen das keiner mehr hören will. Zumindest nicht auf einem Rockkonzert. Und wo man schon beim Bildungsauftrag ist: Die Dropkick Murphys wählten da einen anderen Ansatz und gaben den Jüngeren im Publikum Nachhilfe in Sachen linker Songclassics. Stiff Little Fingers’ "Alternative Ulster" in voller Lautstärke, und dann noch mal Billy Bragg mit "There’s Power In A Union". Die Crowd brüllte derweil den Schlaftruf "Let’s go, Murphys! Let’s go!" bis die irischstämmige Boston-Crew ihre Pogues-meets-Punk-Performance rausrotzten. Machte Laune, was man an den zahllosen Pogoauswüchsen auf dem Gelände gut ablesen konnte.

"Das beste zum Schluss! Beatsteaks!" – so las man gleich auf mehreren handgeschriebenen Plakaten. Und selbst, wenn man so denkt, dass der Sonntags-Headliner-Slot ein wenig undankbar ist, weil vielleicht doch schon viele abreisen, musste man bei dem Anblick mal ganz unjournalistisch ausrufen: "Alter, Verwalter!“ Die Menge stand gepackt von vorn bis hinten. Selbst dort, wo sonst die Schlange vor dem Coke-Zelt begann, standen die Leute und wollten die Beatsteaks sehen. Das Konzert dann ein Siegeszug – selbst, wenn man die Beatsteaks mal für ein wenig überpräsent hielt, bleiben sie eine fantastische Live-Band, die es irgendwie schafft ebenso routiniert wie euphorisiert über die Bühne zu fegen. Hatte es sich also was mit früher abreisen – nach solch einer Verausgabung haben die meisten Besucher wahrscheinlich noch bis in die Mittagsstunden im Zelt gepennt.