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Das 22. Haldern-Festival

Das bisschen Matsch

05.-06.08. - Rees-Haldern, Alter Reitplatz Nichts ist schlimmer für ein Open Air Festival als Regen, Regen und nochmals Regen. 2005 bekommt das Halderner den Kosenamen Klein-Glastonbury verliehen. Es wurden zwar keine Zelte geflutet, aber knöcheltiefer Schlamm führte im 50-km-Umkreis zu ausverkau
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05.-06.08. - Rees-Haldern, Alter Reitplatz

Nichts ist schlimmer für ein Open Air Festival als Regen, Regen und nochmals Regen. 2005 bekommt das Halderner den Kosenamen Klein-Glastonbury verliehen. Es wurden zwar keine Zelte geflutet, aber knöcheltiefer Schlamm führte im 50-km-Umkreis zu ausverkauften Gummistiefeln und obskuren Müllsack-Regenschutz-Eigenkreationen. Der Stimmung tat das erstaunlicherweise fast keinen Abbruch.

Relativ früh konnte man neue Bands wie Art Brut entdecken, bevor es dann mit The Robocop Kraus und den Kaiser Chiefs in die Vollen ging. Ihr Sänger hatte beim Posen noch Zeit, ein "Bitteschön!"-"Dankeschön!"-Spielchen mit dem Publikum zu treiben. Franz Ferdinand wirkten später beinahe zu routiniert, entschädigten jedoch mit neuen Songs vom kommenden Album. Besonders die Skandinavier wurden frenetisch gefeiert, allen voran Kaizers Orchestra und Mando Diao, bei denen der Altersdurchschnitt in den ersten Reihen spürbar sank. Die jüngste MTV-Generation ist in Haldern angekommen.

Für ältere Semester gab es auch mal eine Runde The House Of Love, aber eher von der peinlichen Reunion-Sorte mit "Shine On" als auffälligstem Höhepunkt. Auch der letzte Auftritt auf der Hauptbühne von The Polyphonic Spree war nicht unumstritten. Etwas zu viel Musical trifft Muppet-Show, da hätte Whoopi Goldberg zu ihrer Sister Act-Zeit perfekt reingepasst. Noch mehr Happy-Hippie-Feeling versprühten nur The Magic Numbers, die wegen Verspätung von der Hauptbühne ins Spiegelzelt verlegt wurden und parallel mit The Coral um Zuschauer buhlten. So schön dieses uralte Zirkuszelt auch sein mag, es war dem Besucherstrom leider nicht gewachsen. Nur wer es trotz extrem langer Warteschlange noch schaffte, bekam einen Fuß hinein. Dort funkelten des nächtens Emiliana Torrini und British Sea Power, deren Gitarrist aus bisher ungeklärten Gründen Zwiebeln ins Publikum schleuderte. Außerdem gab es zuvor einen Secret Gig der Sportfreunde Stiller. Ein etwas anderes "Heimatlied" stimmten die gut gelaunten Tocotronic an, die neben Nada Surf das zweite Geburtstagskind stellten.

Es bleibt fraglich, ob jemand Matsch vom diesjährigen Haldern im Internet versteigert, doch länger als der Dreck an den Schuhen wird wohl die Erinnerung an ein immer noch familiäres wie außergewöhnliches Festival haften bleiben.

PS: Liebe Veranstalter, Dixies bitte häufiger leeren!