×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war's in Köln: Das Hit-Problem

Darwin Deez Live

Beim Konzert im Kölner Gloria begeistert Darwin Deez vor allem mit Tanzeinlagen. Und einem Hit.
Geschrieben am

20.02.2013, Köln, Gloria

Es ist das altbekannte Problem mit den Hits. Sie verhelfen zu schnellem Ruhm, vollen Hallen, hohen Verkaufszahlen und Vorschusslorbeeren. So weit, so gut. Dann kommt das ach so schwierige zweite Album, welches das beschwingte Feeling vom Erstling – geschweige denn die Hits – nicht mehr rüber bringen kann und schon wird’s problematisch. Darwin Deez' Indie-Dancefloor-Filler »Radar Detector« konnte man 2010 und eigentlich auch in den zwei Jahren danach nicht aus dem Weg gehen. Zu omnipräsent war der Song mit seinem repetitiven Refrain und dem catchy Riff. Omnipräsent scheint er auch an diesem Abend zu sein. Man bekommt den Eindruck das fast komplett gefüllte Kölner Gloria wartet von Beginn an nur auf diesen einen Song.

Bevor die New Yorker Band die Bühne betritt, versuchen erst die australischen San Cisco das auffällig frauenlastige Publikum auf das kommende Konzert einzugrooven - was ihnen auch gelingt. Mit ihren Stakkatoriffs, männlich-weiblichem Wechselgesang und kurzen wie eingängigen Songs können sie überzeugen, auch wenn sie geschätzte 5-7 Jahre (Stichwort: Arctic Monkeys) zu spät dran sind, was dem Unterhaltungswert aber kaum schadet.

Dem Unterhaltungswert ein wenig abträglich scheint dann der Beginn des Konzerts zu sein. Bei den meisten Songs des neuen Albums »Songs For Imaginative People« will keine richtige Stimmung, geschweige denn Tanzvergnügen aufzukommen. Das liegt zum Teil jedoch auch an dem an Qualität nicht unbedingt überbordendem neuen Songmaterial. Apropos Tanzvergnügen: Darwin Deez ist mittlerweile dafür bekannt, choreografierte Tanzeinlagen in Songpausen einzustricken. Diesen Spaß lässt er sich natürlich auch im Gloria nicht nehmen und erntet – auch wenn der Gitarrist die vorprogrammierte Musik per Fehltritt unterbricht – großzügigen Applaus.

Bei den Singles »Constellations“ und »Up in The Clouds« vom Debüt kommt das erste Mal so etwas wie tatsächliche Stimmung auf. Die Beine werden langsam angehoben, mit dem Hintern gewackelt, die Stimmbänder angetestet und ein kleiner Kreis versucht sich im etwas deplatziert wirkenden Pogo-Tanz. Das überträgt sich dann auch auf die Band, die auf der Bühne sichtlich Spaß hat. Bei »Moonlit« muss der mit bürgerlichen Namen Darwin Smith heißende Sänger mit wippenden Kringellöckchen ein Lachen unterdrücken.

Nach knapp 45 Minuten werden die ersten Töne von angesprochenem Song angestimmt und in der Halle frenetisch bejubelt. Nach drei Minuten ist der ganze Spaß dann aber wieder vorbei, das Konzert jedoch dauert noch 20. Im folgenden überlagern die Gespräche des Publikums nahezu das Spiel der Band. Diese verlässt nach zwei Zugaben und insgesamt 70 Minuten Spielzeit die Bühne, natürlich nicht ohne sich standesgemäß beim Publikum (»You're amazing!«) und Gloria (»We love this place!«) zu bedanken. Am Ausgang blickt man in kollektiv erfreute Mienen. Band und Publikum scheinen sich sympathischerweise an dem altbekannten Hit-Problem nicht zu stören.