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So war's in Köln: Neustart im Zeitraffer

Darkside live

Nicolas Jaar und Dave Harrington glänzen derzeit mit eigenwilligen wie effektiven Live-Interpretationen ihres Albums »Psychic« - und lassen das Publikum dabei fast schon beiläufig an einem Prozess teilhaben, der dem gemeinen Konzertbesucher in der Regel verwehrt bleibt.
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»Es ist etwas, das wir den Rest unseres Lebens machen werden«, gab Nicolas Jaar gleich zu Beginn des Gespräches mit Intro-Autor Henje Richter im vergangenen September zu Protokoll. Dass Darkside weitaus mehr als ein willkommener Zeitvertreib während der ausgedehnten Tourphasen seines Soloprojektes sein sollte, dürfte somit schon vor der Veröffentlichungen des gemeinsamen Debütalbums mit Jaars einstigen Tour-Gitarristen Dave Harrington klar gewesen sein. Eine Feststellung, die mit Hinblick auf das Studioalbum des Duos nicht mehr als das abstrakte Prioritäten-Management zweier überproduktiver Künstler sein mag, an jenem Freitag-Abend in Köln aber in seiner ganzen Tragweite aufgeht.

So wird der Besucher im ausverkauften Gloria Zeuge eines laufenden Prozesses, der sich für gewöhnlich hinter den verschlossenen Proberaum- und Studio-Türen abspielt: Das Projekt verselbstständigt sich und wächst über die einzelnen Künstler-Individuen hinaus. Doch zunächst bietet sich an diesem Abend eine recht unspektakuläre Szenerie, die lediglich mit einer an das Artwork des Albums erinnernden Projektion dezente visuelle Akzente setzt. Jaar und Harrington verlieren sich dagegen über weite Strecken im Halbdunkel der Bühne und lassen viel mehr die beeindruckend wirksam uminterpretierten Stücke ihres Albums für sich sprechen.

 

Während es Jaar am Laptop immer wieder gelingt, mit treibenden Four-To-The-Floor-Signalen fast schon ravige Momente im Publikum loszutreten, gelingt Harrington an der Gitarre das Kunststück, trotz zeitweiliger Ausflüge gen Blues nie den schmalen Grad zu plumpen Rockismen zu übertreten. Im Gegenteil: Kommt Präsenz der Gitarre in den Studioaufnahmen schon bemerkenswert diskret daher, so wähnt man in der Live-Situation eigentlich zu keiner Zeit mehr einen musikalischen Fremdkörper im Klangbild. So scheint Nicolas Jaar als der Shootingstar des elektronischen Muskjahres 2011 eigentlich gar nicht mehr der »Unique Selling Point« sein, wie man so (un)schön sagt. Der Headliner heißt jetzt Darkside und das ist auch völlig okay so, wie auch Jaar beim Gespräch im vergangenen September einräumte: »Wir fangen gemeinsam als Musiker noch mal ganz von vorne an.« Das soll also ein Neustart sein? Allenfalls im Zeitraffer.