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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Elfenhaft tänzeln

Darkel

Ganz Paris stöhnt unter der Hitze, der Schweiß strömt literweise aufs Trottoir. Sagte ich ganz Paris? Zwanzig Meter Luftlinie entfernt vom Moulin Rouge steigt Jean-Benoît Dunckel (alias Darkel), auch bekannt als die eine Hälfte von Air, aus dem Taxi und wirkt seltsamerweise frisch und trocken. Als h
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Ganz Paris stöhnt unter der Hitze, der Schweiß strömt literweise aufs Trottoir. Sagte ich ganz Paris? Zwanzig Meter Luftlinie entfernt vom Moulin Rouge steigt Jean-Benoît Dunckel (alias Darkel), auch bekannt als die eine Hälfte von Air, aus dem Taxi und wirkt seltsamerweise frisch und trocken. Als hätte er ein grotesk gutes Deo. Wir befinden uns inmitten des nunmehr bourgeoisen Montmartre, einst das Zentrum der Pariser Boheme. Hier zieht nur noch hin, wer es sich leisten kann. Jemand wie Dunckel zum Beispiel. Dabei will er so gar nicht nach ein paar Millionen verkaufter Platten aussehen, mit seiner H&M-Schultertasche und den knuffigen Haustieraugen. In der einen Hand hält er ein Hemd, welches fein säuberlich auf einen Bügel geknöpft wurde, in der anderen einen witzigen Hut. “Für das Fotoshooting”, sagt er leise. Gestern hat er sich im Stade de France die Rolling Stones angeschaut, erzählt er und guckt dabei, als erwarte er einen staunenden Blick. So unter dem Motto: Mann, die Stones! Der Franzose hat wohl ein Faible für die Klassiker.

Gerade erst hat er mit seinem Mitmusiker Nicolas Godin, Jarvis Cocker und Neil Hannon das neue Charlotte-Gainsbourg-Album produziert, welches, wie er bescheiden betont, sehr schön geworden sei. Und das Album ist in der Tat toll. Anfang nächsten Jahres gibt es auch wieder ein Album von Air. Nun ist er aber erst einmal mit seiner Soloplatte “Be My Friend” beschäftigt, auf der er fast alle Instrumente selbst spielt und singt. “Ich war etwas unsicher, weil mein Englisch nicht so gut ist – ich glaube, ich habe einen ziemlich französischen Akzent, da versteht mich ja nicht jeder.” Dabei sind es doch gerade dieser Akzent und das charmante Leisetreten, welche der ätherischen Schritttempohaftigkeit seiner Musik so zuarbeiten. Diese elfenhafte androgyne Stimme, die schon “Cherry Blossom Girl” vergoldet hat. Seine grazile Musik klingt ein bisschen, als wären Ween sediert und in einem Ballett angestellt worden. Ein Vergleich, der ihn schmunzeln lässt: “Manchmal muss ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn die Leute im Club wie in einem Ballett tanzten. Aus einer einzigen Choreografie heraus. Das fände ich sehr schön.” Nicolas und er haben ja mal Musik für ein Ballett geschrieben und dabei mit dem in Frankreich sehr bekannten Choreografen Angelin Preljocaj zusammengearbeitet. Und auch “Be My Friend” ist eine Platte geworden, die einen tänzeln lässt, durchs pure Leben, in Arabesken und Katzensprüngen. Kein Tropfen Schweiß mehr auf dem Körper. Dafür ein Lächeln auf den Lippen, welches Wasser in Wein verwandeln kann.