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So war’s: Mehr als nur Folk

Damien Jurado live in Köln

Damien Jurado definiert sich als Studiomusiker. Nichtsdestotrotz schafft er es, seinen von vielen Seiten infizierten Folk-Verschnitt auch live großartig zu reproduzieren.
Geschrieben am
28.04.2016, Köln, Stadtgarten

Das Leben als Studiomusiker kann so einfach sein. Man schichtet Soundspur auf Soundspur, bis die klangliche Fülle und Detailliertheit zufriedenstellend klingt. Aber schon die Beatles hatten das Problem, dies dann in der Live-Situation angemessen zu reproduzieren. Während sich die Liverpooler zum Ende ihrer gemeinsamen Zeit der Konzerte ganz entzogen, stellt sich Damien Jurado der Aufgabe – an diesem Abend das erste Mal seit langer Zeit auch in Europa nicht solo, sondern mit voller Band.
 
Diese Aufgabe bewältigt er bravourös. Auch wenn sich der überbordende und in unzähligen kleinen Details manifestierende Studio-Sound natürlich nur schwer haargenau reproduzieren lässt, gelingt es ihm, die wunderbare Kleinteiligkeit seiner Alben zu transportieren. Hierbei wird auch deutlich, warum seine konzeptgetriebene Albumtrilogie bestehend aus »Maraqopa«, »Brothers And Sisters Of The Eternal Son« und »Visions Of Us On The Land« so fasziniert: Damien Jurado spielt mehr als nur Folk. Überall finden sich Einflüsse aus Psychedelic-Rock, Highlife (großartig: »Walrus«), sowie elektronischer und experimenteller Musik wieder, die seine Band The Heavy Light wunderbar souverän in Szene setzt. Nicht ohne Grund stellt er auch den Sound-Techniker als sechstes Bandmitglied vor: der ist schließlich für die vielen eingestreuten Echos, Delays und weiteren Sound-Effekte zuständig.
 
Unaufgeregt wirkt auch Damien Jurado selber, der die ständigen Song-Wünsche aus dem hingebungsvoll lauschenden Publikum im luftig gefüllten Stadtgarten mit einem charismatischen »I’m the worst musician ever. I can’t remember my own songs« wegfegt. Stattdessen spielt er als Zugabe noch ein paar Songs ohne Band (ergreifend: »Kola«), denen zwar die Opulenz fehlt, sie aber mit einer wunderbaren Intimität und Verletzlichkeit ersetzt. Wer beides, solo und Band, so brillant kann, muss im Leben als Live-Musiker eigentlich nichts fürchten.

Damien Jurado

Visions of Us on the Land

Release: 18.03.2016

℗ 2016 Secretly Canadian