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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Way I’m Sick

Dakota Suite

Zuerst habe ich mir doch ein bisschen Sorgen gemacht, als Intro-Redakteur Linus Volkmann mir diese beiden CDs zugeschickt hat. Ist der bedauernswerte Martin Johns etwa krank geworden, der sonst auf diese symphonischen Indie-Perlen abonniert ist? Doch dann habe ich mich auch sehr gefreut, eine Musik
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Zuerst habe ich mir doch ein bisschen Sorgen gemacht, als Intro-Redakteur Linus Volkmann mir diese beiden CDs zugeschickt hat. Ist der bedauernswerte Martin Johns etwa krank geworden, der sonst auf diese symphonischen Indie-Perlen abonniert ist? Doch dann habe ich mich auch sehr gefreut, eine Musik besprechen zu dürfen, die einem von der Grundstimmung gleich so vertraut ist. Zuerst Dakota Suite: Eine Kammermusik-Kompilation der intensiv-dunklen Seite, fast Folk. Eine Doppel-CD mit ausschließlich Instrumentalstücken und Mut zum Orchestralen, denn über die Dakota-Suite-übliche Piano- und Cello-Besetzung hinaus wurden die Aufnahmen teilweise von einem 20-köpfigen Streicheraufgebot eingespielt. Die Assoziation zu Krankheit und Schwäche, die im Titel mitschwingt, lässt sich nicht von der Hand weisen: Die Instrumente auf ”The Way I’m Sick” vibrieren wie angegriffene Organe, machen so die veränderte Wahrnehmung eines geschwächten Organismus deutlich. Gleichzeitig verspricht diese sozusagen klassisch ausgerichtete Session Heilung durch Innerlichkeit. Das Album könnte auch ein Hörspiel sein, das den Verlauf einer Krankheit nachzeichnet. Oder, wie es Chris Hooson von Dakota Suite formuliert, ”ein imaginärer Soundtrack für einen Film namens ’The Way I’m Sick’”. Ein geglücktes Experiment. Nett, dass Glitterhouse dann auch noch einige Instrumental-Stücke aus vorherigen Dakota-Suite-Alben auf CD 2 hinzugenommen hat. Es geht ja wirklich nichts über eine langsam wirkende musikalische Valium-Tablette. Auch um die Schmerzen ein bisschen zu lindern. Von der Wirkung ähnlich, im Entstehungsprozess verschieden: Songs:Ohias ”Didn’t It Rain” wurde live ohne Overdubs eingespielt, die gesamte Band spielte in einem Raum. Kaum eine Armlänge entfernt, teilten sich die Bandmitglieder ein einziges Mikrofon. Haben Sie schon mal vor den Boxen gelegen, und versucht, die Texte einer Platte mitzubekommen, weil Sie das Gefühl hatten, es wäre irgendwie in Ermangelung eines Textblatts wichtig, mitzubekommen, was der Sänger zu erzählen hat? Die Welt scheint still zu stehen, wenn Jason Molina sich die Sehnsucht aus der Seele singt. Nachts um halb drei. Songs:Ohia wissen, dass ein guter Song sieben Minuten braucht. Wow, das zieht an vernarbten Wunden. Wohl wieder mal Zeit für große Gefühle. ”Didn’t It Rain” und vor allem ”Blue Chicago Moon” könnte die offizielle Hymne der Army der gebrochenen Herzen werden. Wohltuend heben sich diese Alben in ihrer instrumentalen Feinnervigkeit von anderen, ach so traurigen dicken Männern ab, die derzeit so schwer zu vermeiden sind.