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Homework

Daft Punk

Daft Punk dürften mit Titeln wie »Da Funk« auf dem Tanzboden einschlagen wie eine herabfallende Spiegelkugel.
Geschrieben am

Autor: intro.de

Licht aus, Spot an! Spätestens seit dem Spiegel-Artikel sind Daft Punk in aller Munde beziehungsweise auf allen Titeln, und im Kölner Zeitgeist-Hauptquartier an der Aachener Straße arbeitet man bereits am Masterplan für Disco 2000: Teil 1, »1996, Das Jahr In Dem Wir Kontakt Aufnahmen«, ist bereits Geschichte.  

Nachdem Motorbass letztes Jahr den Weg ebneten, sollen Thomas Bangalter und Guy-Manuel De Homem-Christo a.k.a. Daft Punk mit ihrem Debüt-Album den großen Durchbruch erzielen. Und wieder ist Disco – diesmal geläutert und fast puristisch in House-Schuhen – ein kontinentaleuropäisches Phänomen. Zentrum: Paris, längst zum München des auslaufenden Jahrhunderts erkoren. Tatsächlich dürfte das Duo mit Titeln wie »Da Funk« auf dem Tanzboden einschlagen wie eine herabfallende Spiegelkugel und damit den Glamour aus den Schwulenclubs heraus zurück in die Großraumdiskotheken bringen. Fazit: wir schreiben den ersten Monat des Jahres 1997, und hippe Tanzschuppen dürfen wieder »Big Apple« heißen.

Snooze zeigt sich ebenfalls der Danse-Scene um Dimitri, La Funk Mob, St. Germain, DJ Cam und Motorbass zugehörig, scheint sich allerdings erst noch freischwimmen zu müssen, dümpelt er auf »The Man In The Shadow« doch noch etwas unentschlossen zwischen Triphoppigem, Jazz-Samples, Breakbeats, HipHop-Grooves und einem unnötigerweise selbst übergestülpten Soundtrack-Kapuzenmäntelchen herum, wobei vor allem der ein wenig verkrampfte Versuch, sich auf Teufel komm raus in diesem »Filmmusik für den Kopf«-Klischee zu bewegen, auf Dauer ein wenig anstrengt. Auch in Deutschland wird die mittlerweile selbst von den Plattenfirmen ausgegebene Parole »Disco ist tot, es lebe Disco!« erhört, nachdem das Kölner Whirlpool-Kollektiv um die DJs und SPEX-Autoren Hans Nieswandt und Eric D. Clark letztes Jahr mit dem Album »Dense Music« und der Single »Cold Song« Maßstäbe setzen konnte. Keiner der Tracks auf der vom Frankfurter »Bamboo Shot«-Label herausgegebenen Compilation vermittelt allerdings den Spaß und die Konsequenz aktueller französischer Produktionen, beziehungsweise ereicht annähernd die räumliche Dichte eines Whirlpool Prod.-Songs, statt dessen verharrt man in herkömmlichen Housestrukturen, die hier und da Glitzer-Hysterie verpaßt bekamen.  

Löbliche Ausnahmen sind DJ Linus' funkiger 4-2-The-Floor-Cubstampfer »Bar-B-Q«, der aus dieser Sammlung von Beliebigkeiten herausticht wie eine Dragqueen in der Bhagwan-Disco, und DJ Matts mit einer göttlichen Bassline unterlegtes »I Got Live«. Alles in allem dürfte diese Zusammenstellung wohl niemanden so aufregen, daß er sich veranlaßt sieht, irgendwelche »Disco ins Klo«-Happenings zu veranstalten.

Daft Punk

Homework

Release: 16.01.1997

℗ 1997 Daft Life under exclusive license to Parlophone Records Ltd./Parlophone Music, a division of Parlophone Music France