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Track-By-Track: »Random Access Memories«

Daft Punk

Am 17. Mai erscheint das vierte reguläre Daft-Punk-Album. Acht Jahre nach »Human After All« und fünf Jahre nach der Soundtrack-Arbeit »Tron: Legacy«. Wir haben die 13 Stücke beim Erstkontakt in einem Berliner Studio dem Schnelltest unterzogen.
Geschrieben am
01 »Give Life Back To Music« – Am Anfang steht die Gänsehaut. Das Album läuft noch keine dreißig Sekunden, und schon kribbelt alles. Daft Punk sind Meister der Inszenierung, wissen sich gleich glühend in Szene zu setzen, nicht zuletzt dank des Gitarrenspiels von Nile Rodgers auf diesem Opener. »Tune on the music. The music here tonight is the music of your life.« Ein deeper, furioser Auftakt.

02 »The Game Of Love«
– Das Liebesspiel beginnt: Das Stück ruft – warum auch immer – Erinnerungen an »Caribian Queen«, den Klassiker von Billy Ocean, wach. Die Zeiten des gefühlvollen Umwerbens der Angebeteten sind hier jedoch trotz Easy-Listening-Atmosphäre und Funkrock-Grundthema schon vorbei. »It broke my heart when you decided to walk away«, singt die Vocoderstimme traurig über den Dreampop-Teppich des Stücks. So entmenschlicht fühlt sich Verlust an im Daft-Punk-Universum. Fraglich ist nur, warum die beiden das Stück so früh auf dem Album platziert haben, eigentlich ein ideales sechstes oder siebtes Stück.

03 »Giorgio By Moroder« – Das bereits im Vorfeld heiß diskutierte Stück mit Disco-Produzent Moroder. Der Tiroler holt lang aus, erzählt uns mit Detailliebe seine Lebensgeschichte, von den frühen Anfangstagen, wo er im Auto schlafen musste (»The dream was so big, I didn’t see any chance. All I really wanted to do is music«) und sich erst langsam in die Magie des Musikmachens hineinfühlte, bis zu jenem Punkt, wo er das Geheimnis verstanden hatte und plötzlich alles möglich war. So hört sich das Stück auch an, mäandert von Moog-Sounds über Red-Hot-Chili-Peppers-Basslauf, Acid-Jazz-Intermezzo und Drumsolo hin zum sinfonischen Inferno. Freier geht es nicht mehr.

04 »Within« – Man braucht keine zehn Sekunden, um dies als das Stück mit Chilly Gonzales zu erkennen. Gonzales’ Klavier bietet die Erdung für den sehnsuchtsvollen Gesang über eine (noch) Namenlose, und so stolpert der Protagonist immer tiefer in die Nacht – mit einem Ende ohne Gedächtnis: »I’m lost, I can’t remember my name.« Da der Gesang aber sehr effektbeladen ist, versteht man ihn (wie bei einigen Stücken des Albums) kaum – so gewinnt die Textzeile »So many things that I don’t understand« leider eine ungewollte zweite Ebene. Hätte man sich ebenfalls später in der Songabfolge vorstellen können.

05 »Instant Crush« – Einer dieser Songs, bei denen das Midtempo plötzlich wie Uptempo wirkt. Wiederum sehr romantisch gefärbt, wie überhaupt der Großteil des Albums, fliegen die Erinnerungsfetzen nur so durch den Raum, geführt von einem Pink-Floyd’esken Gitarrenriff. Die Wahl von Julian Casablancas für das Stück macht spätestens beim Refrain Sinn, den er mit seiner Stimme in euphorische Höhen trägt.

06 »Lose Yourself To Dance« – Sehr repetitiver, trockener und überladener Song, bei dem sich Pharrell Williams’ Stimme zunächst nach einem dezenteren Sound um sich herum zu sehnen scheint. Wie so oft, wenn Wiederholungsschleifen im Spiel sind, ist aber schon eine Minute später alles super – und bleibt es für ewig. Nicht zuletzt, da Nile Rodgers wieder die Gitarre spielt. Ein Roboterchor feuert uns klatschend zum Work-out an: »Come on, come on, come on«.

07 »Touch« – Zunächst steht nur das endlos lange, spacige Intro im Raum. Es knarzt und fiepst um einen herum. Paul Williams, der den Song geschrieben hat und auch singt, weiß eben immer noch, wie man einem dramatischen Disco-Pop-Stück im Geiste der Pet Shop Boys den angemessenen Auftritt bereitet. »Love is the answer«, cheesy der Weg. Berührungen werden erinnert, Opium begehrt. Überhaupt zeichnet der Song das Leben als einen nicht enden wollenden Trip der Begierde, affektiert und glasklar im Klang, ohne schwächelnde Momente und stets supercool. »I remember touch [...] a room within a room, a door behind a door.« In anderen Worten: ein klassisches Daft-Punk-Momentum aus Blumen, Pathos, Hoffnung und Aufbruch. Und schließlich der abrupten Einsicht: »I need something more.«

08 »Get Lucky« – Die Gänsehaut ist zurück. Keine Frage, auch hier ist wieder Nile Rodgers an der Gitarre wesentlich dafür verantwortlich. Die erste Singleauskopplung des Albums benennt mit Pharrell Williams am Gesang das Bild des Phoenix, der aus der Asche emporstieg, erinnert an den langen Weg, den man für die Liebe schon zurückgelegt hat, nicht zuletzt in dieser speziellen, noch glücklosen Nacht.


09 »Beyond« – Kurz soll man denken, das Album befände sich bereits auf seinen letzten Metern, so sinfonisch geben sich die Streicher. Der trockene Gestus des Songs erinnert an die kanadischen Electro-Funker Chromeo. Leider ist das Vocoder-Genuschel des Paul-Williams-Textes nur sehr schwer zu verstehen, was sehr schade ist, denn die wahrgenommenen Fetzen klingen vielversprechend: »Close your eyes ... to the land of love ... sea of love ... live forever ... you and I ... journey to your soul ... places you have never seen ... forgotten land ...« Super Stück.

10 »Motherboard« – Nach einem jazzig-elektronischen Beginn versprechen uns die gestreichelten Melodien kurz das Happy End, bevor sich aufs Brutalste ein albtraumhafter Abgrund aus dunkler Wut öffnet. Das klingt wie aus dem Rumpf eines untergehenden Schiffs übertragen, so tief und böse stampfen die Beats (wie vor Jahren beim Brooklyner Dub-Label Word Sound), so trancy überrascht der Abgang. So klingt die dark side of Daft Punk 2013.

11 »Fragments Of Time« – Die Versöhnung folgt umgehend mit Westcoast-Pop-Feeling: »Living the golden and silver dream«. Der Song erinnert in seiner Euphorie, zu der der Gesang von Todd Edwards viel beiträgt, an die Pariser Daft-Punk-Freunde Phoenix. Passend wird sich wie ein Teenager gefühlt, der seinen Traum lebt.

12 »Doin’ It Right« – »If we are doing it right, everybody will be dancing tonight«, motivieren sich Daft Punk kurz vor Schluss noch mal selbst. Bass drauf, Beat on, und schon ist das Motto gesetzt: »Let it go tonight.« Der Computer-Dance von Hand ist dank Noah Benjamin Lennox auf seinem Höhepunkt angekommen. Alles dreht sich mit dem Panda Bear.

13 »Contact« – Die Stimme erklingt wie aus dem All zu uns. Haben sich Daft Punk bereits nach oben verabschiedet? Sind sie für immer auf dem Weg hinaus aus der Stratosphäre? Die Stimme rattert die Tonleiter hoch und runter, das Schlagzeug spielt sich frei in die Ewigkeit. DJ Falcon hat das letzte Wort.