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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Adventures In Foam

Cujo

Bevor Amon Tobin mit Hilfe von Ninja Tune in den USA zu Superstar-Ehren kam, veröffentlichte der brasilianische Breakbeat-Liebhaber unter dem Pseudonym Cujo bei der kleinen Londoner Firma Ninebar sein Debütalbum, das schon zeigte, wohin der Weg des Meisters einmal führen sollte. Es ist ebenfalls die
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Bevor Amon Tobin mit Hilfe von Ninja Tune in den USA zu Superstar-Ehren kam, veröffentlichte der brasilianische Breakbeat-Liebhaber unter dem Pseudonym Cujo bei der kleinen Londoner Firma Ninebar sein Debütalbum, das schon zeigte, wohin der Weg des Meisters einmal führen sollte. Es ist ebenfalls die Firma Ninja Tune, die dieses 1996 veröffentlichte Werk jetzt wieder zugänglich gemacht hat. Amon Tobin mochte schon damals Jazz und verarbeitet ihn in seine elektronische Musik, ohne dass man ihn jemals mit irgendwelchen Nujazz-Belanglosigkeiten in einen Topf werfen würde. Jazz war nämlich in grauer Vorzeit nicht etwa ausschließlich als altmodisches, aber irgendwie lustig klingendes Midi-Material für digitale Tanzmassenware gedacht. Nein, all diese merkwürdigen unelektronischen Musikinstrumente vermochten eine völlig eigenständige Musikform zu erzeugen, in der es um Gefühle, Kraft und Improvisationen zwischen mehreren Musikern ging. Und davon hat Amon Tobin eine Menge eingefangen in seinen “Adventures In Foam”. Seine Vorlieben gelten aber weniger Stehparty-kompatiblen Bar-Jazz-Langweiligkeiten als vielmehr Bop und Free Jazz. Breakbeats spielen natürlich eine große Rolle, HipHop, Dub und Ambient sind weitere Eckpfeiler. Die Platte funktioniert auch nach sechs Jahren noch einwandfrei. Chris Bowdens Musik hingegen klingt ein wenig ungewöhnlich für Ninja Tune, ist es doch eine pure Jazzplatte. Der Mann hat aber immer einen Blick auf zeitgemäße Elektronik, schließlich spielt er seit langem in der Herbaliser-Liveband und als Studiomusiker für Labels wie Talkin’ Loud und Mo’ Wax. Beim zweiten Track des Albums denkt man unwillkürlich an die jazzigen und souligen Parts des 4Hero-Wunderwerkes “2 Pages”. Kein Wunder, auch da hatte Bowdens die Finger im Spiel. Das Schlagzeug spielt Breakbeats, und die Streicherarrangements sind ungewöhnlich vertrackt. Soul- und Funk-Elemente wechseln mit angenehm eckigen Harmonien und 13/4 Beats, dass es eine Pracht hat. Zudem kann sich Bowden als Saxofonist angenehm im Hintergrund halten, um in den richtigen Momenten ordentlich Gas zu geben. Eine wunderschöne, spannende Platte irgendwo zwischen Space Jazz, Cinematic Orchestra und 4Hero.