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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Forever

Cracker

Vor zwölf Jahren hob David Lowery - mit Gitarrist Johnny Hickmann als einzigem konstanten Begleiter - die Gruppe Cracker aus der Taufe, die sich mit Südstaatenrock und gelegentlichen Grunge-Anleihen deutlich von dem verspielten Independent-Folk seiner Vorgängerband Camper Van Beethoven unterscheiden
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Vor zwölf Jahren hob David Lowery - mit Gitarrist Johnny Hickmann als einzigem konstanten Begleiter - die Gruppe Cracker aus der Taufe, die sich mit Südstaatenrock und gelegentlichen Grunge-Anleihen deutlich von dem verspielten Independent-Folk seiner Vorgängerband Camper Van Beethoven unterscheiden sollte. Auf den ersten drei Alben gelang ihnen die Gratwanderung, mit schlicht gestrickten Up-tempo-Nummern einerseits ins US-Formatradio zu kommen, andererseits durch ein kompensierendes Maß Orgel- und Slideguitar-verzierter Balladen, die Lowery als Dylan-Kenner auswiesen (wobei seine Stimme mehr mit dessen britischem Epigonen Ian Hunter gemein hat), die alte Gefolgschaft nicht zu verprellen. Eine Balance, die auf “Gentleman’s Blues” (1998) verlorenging und mit dem neuen Werk “Forever” nicht wiederhergestellt wird. Die Zusammenarbeit mit Mark Linkous (Sparklehorse), von der es bereits auf der 2000er-Compilation “Garage D’Or” einige vielversprechende Zeugnisse gab, findet hier mit “Brides Of Neptune” ihre Fortsetzung. Diesem entspannten Einklang folgt leider auch gleich die Ernüchterung in Form endlos wiederholter Verheißungen wie “Someday You’re Gonna Shine” oder “Hey, Hey, You Don’t Know What You’re Missing”. Deren Berechenbarkeit und aufgesetzt wirkende Fröhlichkeit lassen einen mitunter zweifeln, ob es sich hierbei um Koketterie handelt (im Sinne von “Jetzt bieten wir noch simplere Slogans, haha!”) oder ob der schätzungsweise vierzigjährige Lowery ganz einfach den Bezug dazu verloren hat, was ihn einmal solch Kleinode wie “One Of These Days” oder “Big Dipper” schreiben ließ. Ähnlich muss es einst den Fans der Kinks (an deren überladene Mittsiebziger-Alben “Forever” bisweilen erinnert) ergangen sein. Die Bereitschaft, sich mit immer weniger zufrieden zu geben, nahm bei ihnen allerdings ganze zwanzig Jahre in Anspruch. Ob die Endachtziger-Nostalgiker ähnlich ausdauernd sein werden? Die völlig unkritische Rezeption, die etwa Paul Wellers letzter Livemitschnitt erfuhr, lässt dies vermuten.