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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Separate Chambers

Contriva

Einem alten Glücksrezept meiner Oma nach soll man mindestens einmal am Tag bewusst in den Himmel schauen. Eine kurze Pause im hektischen Alltag, ein weiter Blick, das erdet einen ungemein. Auf das Cover ihres dritten Albums haben die Berliner Indie-Darlings Contriva ein solches Stück Himmel gesetzt.
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Einem alten Glücksrezept meiner Oma nach soll man mindestens einmal am Tag bewusst in den Himmel schauen. Eine kurze Pause im hektischen Alltag, ein weiter Blick, das erdet einen ungemein. Auf das Cover ihres dritten Albums haben die Berliner Indie-Darlings Contriva ein solches Stück Himmel gesetzt. Hellblau und voller feiner Zirruswolken, und man wäre erstaunt zu erfahren, dass dieses idyllische Bild in einem völlig unglamourösen Industriegebiet zwischen Lichtenberg und Marzahn aufgenommen wurde, wobei der ebenfalls blaue Bretterzaun nur knapp einen dieser typischen Vorstadt-Baumärkte verbirgt. Das charmant Lakonische dieses Bildes zieht sich durch die Musik, die nie aufgeregt klingt, dabei aber wie aus dem Nichts plötzlich zauberhafte Momente entstehen lässt.

Drei Jahre nach „If You Had Stayed ...“ und den unzähligen anderen Projekten (u. a. Mina, Masha Qrellas Soloarbeit und NMFarner, Rike Schubertys Einsatz bei Noel und Max Punktezahls Ausflug zu The Notwist und Jersey) kommt „Separate Chambers“ schon fast überraschend. Die neuen Songs sind jedoch noch ausgereifter, leichter und klarer als auf dem großartigen Vorgänger. Das reicht vom eher verhaltenen Opener „Good To Know“, dessen Puls eine dezent pochende 4/4-Bassdrum angibt, über geradlinige Popnummern mit eingängigem Gesang und verzerrtem Bass („Before“) bis hin zu diesen Contriva-typischen versonnenen Spätsommer-Momenten wie bei „Bluebottle“. „Number Me“ ist dagegen eines der federleichten, schrammeligen Gitarrenstücke, doch am beeindruckendsten klingen „Centipede“ und „Concrete Sleepers“. Ersteres ist ein Track-mäßiges, aus mehreren Lagen von Loops geschichtetes Stück, dem Gast-Violinist Tobias Hett mit seinen hauchdünnen Flageolett-Tönen Raum und Weite verleiht. Das zweite ist ein Kleinod im Walzertakt, das sich langsam von Moll nach Dur verklärt und dabei in seiner Ruhe und Klarheit an „Gospel“, einen meiner absoluten Lieblingssongs von Kante, heranreicht. Es ist eines dieser Stücke, bei denen es fast wehtut, wenn es nach knapp vier Minuten viel zu früh zu Ende ist. Solche kleinen Wunder machen an dieser Stelle jedes weitere Lobeswort überflüssig.