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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Business Of Punishment

Consolidated

Die Herren Sherburne, Pistel und Steir sind erwachsene Amerikaner mit heller Hautfarbe. Seit einem halben Jahrzehnt leben sie als musikalischer 'Zusammenschluß' die Tiefen des schwarzen Grooves mit einem geradezu ignoranten Bewußtsein. Zeichneten sich die drei Vorgängeralben noch durch ein deutlich
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Autor: intro.de

Die Herren Sherburne, Pistel und Steir sind erwachsene Amerikaner mit heller Hautfarbe. Seit einem halben Jahrzehnt leben sie als musikalischer 'Zusammenschluß' die Tiefen des schwarzen Grooves mit einem geradezu ignoranten Bewußtsein. Zeichneten sich die drei Vorgängeralben noch durch ein deutlich kopflastiges Übergewicht aus, in denen die Intention ihres Schaffens geradezu ausschließlich in der ebenso engagierten wie radikalen Message zu liegen schien, ist es auf dem neuen Album gerade die stärkere Verlagerung auf die musikalische Komponente. Den Albumtitel ihres letzten Outputs scheinen sie sich dabei auf die Fahne geschrieben zu haben: 'Play More Music' ist die Devise, und in der Tat, derart treibende Grooves und eingängige Rhymes war man von CONSOLIDATED bisher nicht gewohnt. Auch von der sterilen Industrial-Ausstrahlung lösten sie sich ein Stück weit. 'Business Of Punishment' stellt ein nicht nur engagiertes, sondern vor allem reifes Album mit stilistischer Öffnung in alle Himmelsrichtungen dar. Gleich der Opener zeigt mit eindeutigen Rockschemata neue Wege auf, und auch das darauf folgende Titelstück überrascht mit einer THE THE-ähnlichen Spannung, dunkel verwobenen Stimmungen und ergänzt die vielfältige und recht lebendige Instrumentierung. Erst mit 'Born Of A Woman' schließt sich der kreative Halbkreis und was zunächst als stilistisches Zugeständnis aufgefaßt werden kann, erweist sich letztendlich als wahre Subversität mit dem mehr als beachtlichen Erfolg der Homogenität, die die bisherigen Songs der Amerikaner noch schmerzlich vermissen ließen. Dennoch ist natürlich weiterhin der einzigartige Polit-Propagandisten-Flair ein bestimmendes Element ihres Schaffens. Mit der Kritik der amerikanischen Gesellschaftspolitik beschäftigt sich das Trio aus San Francisco in seinen Songs von jeher. Die Reizthemen sind nach wie vor Rassismus, alltägliche Gewalt, militanter Vegetarismus und die Rechte der Frauen. Nur versucht CONSOLIDATED inzwischen, diese von innen heraus und viel subtiler darzustellen. So verlockend oder gar hypnotisch die Stücke und ihre virtuosen Grooves ('Alles so schön bunt hier') erscheinen, so erschreckend sind die Erlebnisse und gemachten Erfahrungen in der dargebotenen 'Virtual Reality-Show' oder eben dem 'Business Of Punishment', wie sie es nennen. CONSOLIDATED handelt mit einer komödiantischen Leichtigkeit (beste Beispiele sind 'Dog & Pony Show' oder der entlarvende Hit 'Worthy Victim') und scheint sich der Widersprüche stets bewußt zu sein; erschreckend, wie sehr sie über den Hörer Gewalt bekommen. Diese können sie auf ihrer anstehenden Hallen-Tour mit den Iren HOUSE OF PAIN unter Beweis stellen. Auf die obligatorischen Talkshows der Band mit ihrem Publikum wird man nach den Auftritten allerdings wohl verzichten müssen, spielt CONSOLIDATED hier doch nur den unliebsamen 'Support-Act'.