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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Pro Weihnacht

Compilations, Wieder- und Live-Veröffentlichungen

Weihnachten: Die beste Gelegenheit im Jahr, um seine Outtakes, Livealben und Singles-Compilations auf den Markt zu werfen. Und mittlerweile machen da auch alle mit. Wir schauen auf die lohnenden und weniger lohnenden Sonderveröffentlichungen, die das diesjährige Weihnachtsgeschäft bereithält, und finden das richtige Geschenk für Mama, Papa und vielleicht auch die kleine Schwester.
Geschrieben am
Es liegt voll im Trend, sein 25-jähriges Jubiläum zu feiern. Das sehen nicht nur kleine Zeitschriftenverlage so, sondern auch Popstars wie R.E.M. und ihre Plattenfirmen. Da bietet es sich an, dass mit »Out Of Time« eines der wichtigsten Alben der Proto-Indie-Band aus Athens just im März dieses Alter erreichte. Gefeiert wird das ein paar Monate später mit einer »25th Anniversary Edition« (Concord) auf Doppel-CD. Allerdings sind die Outtakes und Demos auf CD 2 (neben dem neu gemasterten Originalalbum) rückblickend aus gutem Grund in den Panzerschränken geblieben – allein schon deshalb, weil bei gleich mehreren Tracks Michael Stipes Gesang fehlt. Auch das Bonusmaterial – ein Stipe-Poster und ein Booklet mit O-Tönen der Bandmitglieder – weiß nur mäßig zu begeistern.

R.E.M.

Out of Time (25th Anniversary Edition)

Release: 18.11.2016

℗ 2016 R.E.M./Athens L.L.C., Under exclusive license to Concord Music Group, Inc.

Anders sieht es bei Midlakes Deluxe Reissue ihres Überalbums »The Trials Of Van Occupanther« (Bella Union) zum zehnjährigen Jubiläum aus. Zum einen, weil einem angesichts der Klasse dieses Albums nach wie vor die Spucke wegbleibt, zum anderen, weil das goldene Vinyl zusammen mit den Extras wie einem Poster, Lyric-Sheets, unveröffentlichten Fotos und einem »reimaginierten« Cover-Artwork wirklich ein Goldstück ist. Da kommt der zusätzlichen 7“ mit zwei unveröffentlichten Tracks nur noch die Rolle des Zückerchens zu.

Midlake

The Trials of Van Occupanther

Release: 29.08.2014

℗ 2008 Bella Union

Natürlich kommt kein Weihnachtsfest mehr ohne Oasis-Wiederveröffentlichung aus. Dieses Mal traf es ihr eher vernachlässigenswertes Album »Be Here Now« (Big Brother) aus dem Jahr 1997. Und natürlich denkt die Gallagher-Band auch im Fall dieses Reissues groß: Neben dem neu gemasterten Alben gibt es ganze 28 Bonus-Tracks auf zwei CDs. Zum einen die zwangsläufigen B-Seiten, raren und unveröffentlichten Tracks, zum anderen viele der Songs in Demo-Versionen. Die »Super Deluxe Box« des ganzen ist dann auch so umfangreich, dass die bloße Aufzählung den gegebenen Rahmen sprengen würde. Und natürlich wird der Spaß in kürzester Zeit ausverkauft sein. Schließlich kriechen die Fans der Briten immer wieder verlässlich aus ihren Löchern.

Oasis

Be Here Now (Remastered) [Deluxe Version]

Release: 14.10.2016

℗ 2016 Big Brother Recordings Ltd

Eine Flut von Sonderveröffentlichungen erscheint natürlich auch von David Bowie – das war ja sogar vor seinem Tod schon so. Zum einen ist da »Lazarus« (Columbia). Dabei handelt es sich um den Soundtrack zu dem gleichnamigen Musical, eine der letzten Arbeiten von Bowie, das Wochen vor seinem Tod in New York Premiere feierte. Mittlerweile ist es auch in London zu sehen. Für die interpretierten 19 Songs sollte man schon eine Leidenschaft fürs Musical mitbringen, im Vergleich zu den Originalaufnahmen liefern sie sonst kaum einen Mehrwert. Spannender ist da schon die Bonus-CD, die drei der letzten Aufnahmen Bowies enthält. Daneben gibt es mit »Legacy« (Parlophone) quasi das »Vermächtnis« Bowies als Best-Of-Doppel-CD, die angesichts der vorangegangenen Bowie-Compilations bei aller Liebe nun wirklich niemand mehr gebraucht hätte.

David Bowie

Legacy (The Very Best of David Bowie) [Deluxe]

Release: 11.11.2016

℗ 2016 Parlophone Records Ltd, a Warner Music Group Company

Ebenfalls eine Flut von Deluxe-Wiederveröffentlichungen aus Gründen von (knapp vorbeigeschrammten) 20- oder 30-jährigen Jubiläen gibt es von Faith No More. Sowohl »We Care A Lot« (PIAS) also auch »King For A Day...Fool For A Lifetime« und »Album Of The Year« (beide Slash) kommen in den neuen Editionen eher konventionell daher. Es gibt jeweils Bonus-CDs mit einigen raren Songs, Live-Versionen und B-Seiten und historisch einordnenden Liner-Notes. Braucht man nicht wirklich, was aber natürlich nichts über die Jahrzehnte überdauernde Klasse dieser Alben aussagt

Faith No More

We Care a Lot (Deluxe Band Edition (Remastered))

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Koolarrow Records under exclusive license to [PIAS]

Im Triple veröffentlichen auch TAD ihre frühen Alben aus den Jahren 1989-91 neu. Es gibt »God’s Balls«, »Salt Lick« und »8-Way Santa« (alle Sub Pop) jeweils mit Bonus-Tracks, Poster und traditionsbewusst neu gemastert von Jack Endino, einem der ikonischen Grunge-Produzenten. Berechtigt wird diese Wiederveröffentlichung vor allem dadurch, dass TAD im Gegensatz zu Zeitgenossen wie Pearl Jam, Soundgarden und Co. nie die Anerkennung zukam, die sie in jedem Fall verdient gehabt hätten.

TAD

Salt Lick (Deluxe Edition)

Release: 04.11.2016

℗ 2016 Sub Pop Records

Werfen wir einen Blick auf den heimischen Markt: Dort veröffentlichen Wanda mit »Amore meine Stadt« (Vertigo) schon recht früh in ihrer Karriere ein Live-Album. Wer aber weiß, um was für eine außerordentliche Live-Band es sich bei den Wienern handelt, kann den Mehrwert dieses Releases schnell erkennen. Wanda spielen sich in ihrer Heimatstadt durch ihr Repertoire, und auf der DVD meint man, Blut, Schweiß, nackte Haut und auch ein paar Tränen erkennen zu können.

Wanda

Amore meine Stadt (Live)

Release: 21.10.2016

℗ 2016 WANDAMUSIK OG, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH

Ebenfalls live führt Iggy Pop auf »Post Pop Depression – Live At The Royal Albert Hall« (Eagle Rock) sein letztes Studioalbum auf. Auf Doppel-CD und DVD sind seine aktuelle Rockstar-Besetzung aus Josh Homme (QOTSA), Matt Helders (Arctic Monkeys) und Dean Fertita und interessanterweise eine ganze Reihe der klassischen Iggy-Hits (»The Passenger«, »Lust For Life« etc.) dabei, die die neuen Songs des gemeinsamen Albums dieses Quartetts beinahe zu überlagern scheinen. Ansonsten zeigt die Veröffentlichung wieder, dass Iggy Pop live über jeden Zweifel erhaben ist.

Iggy Pop

Post Pop Depression: Live at the Royal Albert Hall

Release: 28.10.2016

℗ 2016 IGHO, LLC.

Die herausragende Wiederveröffentlichung im Groove-Sektor ist zweifelsfrei die »20th Anniversary Endtrospective Edition« (Island) von DJ Shadows stilprägendem Meisterwerk »Endtroducing«. Selbst diejenigen, die meinen, dass dieses Album weniger gut gealtert ist als vergleichbare LPs von Massive Attack oder Portishead, kommen an der neuen Edition kaum vorbei: Auf sechs LP oder drei CDs versammelt Shadow neben Demos, B-Seiten und alternativen Mixen ganz zwölf brandneue Remixe von Acts wie Hudson Mohawke, Daedelus oder Prince Paul. Und auch das erweiterte Booklet kann sich absolut sehen lassen.

DJ Shadow

Endtroducing (Endtroducing Re-Emagined)

Release: 28.10.2016

℗ 2016 Universal-Island Records Ltd.

Wir enden mit einer schon etwas länger zurückliegenden, aber besonders schönen Veröffentlichung von Jack White: Auf »Acoustic Recordings 1998-2016« (XL) versammelt er 26 weitgehend akustisch eingespielte Songs aus seinem Schaffen von White Stripes über Raconteurs bis hin zu seinem Solowerk, darunter ein paar Raritäten, zum Beispiel das für eine Softdrink-Werbung aufgenommene »Love Is The Truth«. »Hotel Yorba« ist auch drauf, »Seven Nation Army« glücklicherweise nicht. Und letztendlich offenbart diese Doppel-CD oder –LP einen Mehrwert, den Compilations nicht immer bereithalten: Sie zeigt, um was für einen außerordentlichen Songwriter es sich bei White handelt, und wie sorgsam und liebevoll er jede seiner Veröffentlichungen aufbereitet.

Jack White

Jack White Acoustic Recordings 1998 - 2016

Release: 09.09.2016

℗ 2016 XL Recordings