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Intro Intim: Tanzen.

Come on, fill the space

Köln, Gloria, 16.09.05 Ein Intim im Gloria, das ist doch mal ein Novum. Und es gefällt offensichtlich. Beim Betreten des Vorraums werden einem direkt die Vorzüge von Sauerstoff erklärt, da es den im Auditorium anscheinend nicht mehr gibt. Beste Voraussetzungen also für ein Konzerterlebnis. Gerade
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Köln, Gloria, 16.09.05

Ein Intim im Gloria, das ist doch mal ein Novum. Und es gefällt offensichtlich. Beim Betreten des Vorraums werden einem direkt die Vorzüge von Sauerstoff erklärt, da es den im Auditorium anscheinend nicht mehr gibt. Beste Voraussetzungen also für ein Konzerterlebnis. Gerade weil ich Saint Pauli verpasst habe, schreite ich umso zügiger in den Konzertraum.

The Go!-Team trumpfen mit zwei Drum-Sets auf, was gerade den tiefen Frequenzen zum Vorteil gereicht. Die Bassdrum trifft in Höhe der Magengegend, genau da wo sie treffen soll und mit Sängerin Ninja hat man ein wahres Energiebündel an vorderster Front. "Come on, fill the space", fordert sie die ersten Reihen auf, "spread the love". Souverän führt sie durch die Mixtur aus Indie-Gitarren, HipHop, Fanfaren-Samples und Harmonika-Melodien. Als die Schlagzeugerin nur begleitet vom Keyboard, wie beim Unterstufen-Abend in der Schule, allein vor dem Mikro Kinderliedgut interpretiert, schmelzen Herzen. Alles dabei beim Go!-Team. Auch wenn man an einigen Stellen ein wenig Unsicherheiten vermutet und sich hier und da kleine Feedback-Problemchen einschleichen, die Brightoner liefern eine mitreißende Indie-Pop-Dance-Show. Die können was.

Die Stereo MCs verbrauchen im Anschluss die letzen Sauerstoffreserven im Gloria. "Connected" und "Deep Down & Dirty" sind Hits, die weltweit rauf und runter gespielt wurden und mag der downbeatige, trip-hoppige Sound der Londoner auch für manchen überholt daherkommen, live sind Rob B., Nick Hallam und Band eine Bank. Die ausgemergelte Gestalt von Rob B. zeugt vom ausschweifenden Lebenswandel nach mittlerweile fast 20 Jahren im Musikbiz und irgendwie macht gerade das die Faszination aus. Die junkige Präsenz des Rappers, die trockenen Beats, der soulige Gesang der beiden Sängerinnen und die Professionalität, mit der alles verquickt wird, lassen ganz klar die Oberliga erkennen. Den Besuchern scheint das eh klar zu sein und jeder Track wird gehörig abgefeiert.

Gegen zwei Uhr nachts sind dann Hamburgs Elektro-Chefrocker an den Turntables: Egoexpress. Mit dem aktuellen Album "Hot Wire My Heart" haben Jimi Siebels und Mense Reents erneut gezeigt, dass man nicht rumplumpen muss um zu rocken. Das geht auch nonchallant und trotzdem fett. Die prägnante Basslinie vom Bieker-Hit "Weiter" mäandert sich variantenreich durchs Set und kitzelt an der Feierwütigkeit der Anwesenden, die trotz später Stunde und vier mitgerockten Acts noch spürbar vorhanden ist. Mit Egoexpress findet das Intim:Tanzen, als letztes von drei kleinen und feinen Mini-Festivals, einen würdigen Abschluss und als Fazit lässt sich festhalten: ganz viele zufriedene Gesichter.