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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Tag 3: Die Saga geht weiter

CMJ 2007

No sleep til Brooklyn: Thomas Venker und Felix Scharlau schlagen sich im Rahmen des New Yorker CMJ weiter die Nächte um die Ohren.
Geschrieben am
16. - 22.10.07, USA, New York City, verschiedene Locations.

Wir erinnern uns. INTRO ist vor Ort in Indie-Wunderland New York City beim jährlichen CMJ Festival. Der dritte Tag begann am frühen Nachmittag mal wieder bei den Kollegen vom Fader Magazin. Als erstes durften die Franko-Kanadier We Are Wolves ran. Entgegen ihres diesjährigen Auftritts beim SXSW verloren sich ihre guten Songs diesmal nicht im Noiseinferno. Endlich konnte man nachvollziehen, warum sich die kanadische Presse kaum einbekommt: Wie The Hives mit Standschlagzeug klang das, druckvoll und mit direkter Ansprache. Im kommenden Mai werden sie wohl auf Europatour kommen, da sie zum Great Escape Festival nach Brighton eingeladen sind...

Danach enterten Cut Off Your Hands die Bühne, eine Band, von der in den letzten Tagen schon viel zu hören war. Nachvollziehbar, nachdem man die Neuseeländer gesehen hat. Der Frontmann listet nicht nur Iggy Pop als großen Einfluss, er ist auch in seiner Bühnenpräsenz von ihm stark beeinflusst. Überhaupt gute Showband mit sehr pop-punkigem Songwriting. Dem Kollegen vom NME gefiel das gleich so gut, dass sie Online- und Printredakteur nacheinander zum Interview schickten, aber dann konnten auch wir sie abgreifen - mehr im Dezember-INTRO. Das Album erscheint im nächsten Frühjahr via 672 Recordings.

Imperial Teen, ein Nebenprojekt von Hey Willpower!, verpassten wir dann leider wegen eben jenen Gesprächs mit Cut Off, aber es wurde uns nur Gutes berichtet. Die UK-Charts-Sensation Biffy Clyro konnten wir dann aber wieder mitnehmen. Wenn sie sich doch nur nicht schon vor dem Auftritt die T-Shirts ausgezogen hätten. Mensch, Jungs, das macht man doch nicht! Ansonsten war das aber gut energisch rausgeprügelter Rock-Rock. Wer auf verschwitze Männer mit langen Haaren steht...

Es folgte eine unglaublich schlechte Tex-Mex-Coverband namens Betty Black, über die jede weitere Zeile zuviel es guten ist, und durchschnittlicher Indierock in drei anderen Clubs auf dem Weg nach Hause. Keine Namen, unnötig das zu speichern. Ganz offensichtlich gibt es gegen 19 Uhr ein Qualitätsloch bei den Nachmittagsshowcases, da sich eh alle nach Hause begeben, um noch mal Energie für die abendlichen Shows zu tanken. So auch wir.

Dann ging es aber auch schon in den Highline Ballroom. Bei der Ankunft schwärmten alle vom unglaublichen Auftrit von Yo Majesty! (siehe Nachlese vom Øya Festival im August), die gerade erst von Domino unter Vertrag genommen wurden. Gratulation nach London, da habt ihr ein gutes Näschen gehabt.

Diese Begeisterung konnten ...Trail Of Dead erstmal nicht halten. Saftloser Altherrenrock prägte die ersten Zweidrittel der Show, erst gegen Ende lieferten sie die Riffs, mit denen sie sich einst in die Herzen der Indiecrowd gespielt haben.
Ganz anders Enon. Die Touch-&-Go-Band bleibt sich nun schon seit vier Alben treu in ihrem eigenwilligen Indieentwurf. Der macht es nicht jedem leicht, da sich die Catchyness der Songs nur sehr langsam ihren Weg bahnt, wenn man aber mal drin ist im Muster aus zwei Leitstimmen (John Schmersal und Toko Yasuda) und kratzigen Gitarren, dann wird es besser und besser und besser... und schon ist man ein Fan. Ja.

Den Abschluss im Ballroom besorgten die unvergleichlichen Islands, die Nachfolgeband der The Unicorns. Instrumentalmusik wie sie poppig-pompöser nicht sein könnte. Man nehme die Flaming Lips, raube Wayne die Stimme und füge dafür noch ein paar obskure Instrumente hinzu. An die Lips erinnerte auch die mit viel Liebe ausstaffierte Bühne mit Geisterverpackung für die Boxen und Videoprojektionen.

Damit stellten sie den idealen Link zur anstehenden Partynacht dar. Die beste Feier der Nacht fand im Studio B in Brooklyn statt, wo uns letztes Jahr schon Digitalism und Justice den Marschplan für 2007 diktierten. Nun, in derartige Jubeleuphorie vermögen einen New Young Pony Club nicht zu liften, aber kurzweilig ist ihr abstruses Gebräu aus 80es-Pop und Eurodance, derzeit bekanntermaßen New Rave gelabelt, auf jeden Fall. Im direkten Vergleich mit englischen Zeitgenossen wie Simian Mobile Disco oder Klaxons ziehen sie allerdings den kürzeren – zuletzt ja auch beim Mercury Prize, der nicht an sie sondern die Klaxons ging. Im Anschluss warfen passenderweise dann Simian Mobile Disco ihre schmissige Disco an – leider mussten die meisten wohl früh raus, denn der Club leerte sich mit dem Ende des Pony-Auftritts rapide. Schade. Aber schlafen ist ja auch nicht schlecht...