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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Love Henry

Clusone Trio

Die Krux dieser Art in weitläufigen Behältnissen spontan gestalteter, schwerpunktmäßig nicht auf Reproduktion angelegter Musik ist, daß sie, auf Tonträger gesperrt, mehr als jede andere gegenüber dem Live-Erlebnis erheblichen Verlust erleidet. Ist man aber in der Lage, diesen Umstand als Freund der
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Autor: intro.de

Die Krux dieser Art in weitläufigen Behältnissen spontan gestalteter, schwerpunktmäßig nicht auf Reproduktion angelegter Musik ist, daß sie, auf Tonträger gesperrt, mehr als jede andere gegenüber dem Live-Erlebnis erheblichen Verlust erleidet. Ist man aber in der Lage, diesen Umstand als Freund der vor allem frei spielenden Kräfte einen guten Mann sein zu lassen, tut man mit dieser CD einen guten Griff in die vollen. Live aufgenommen auf dem Frankfurter Jazz-Festival im vergangenen Sommer, ist 'Love Henry' in der Tat voller Leben selbst. Musik ist, worum es geht; die überbordende Virtuosität des Amsterdamer Trios, dessen Mitglieder weiß welcher Gott auch immer nicht irgendwer sind, ist eine uneigennützige, und im vollen Bewußtsein darüber musizieren und funktionieren CLUSONE. ERNST REIJSEGER etwa bedient sein Cello auf eine Art, die jeglichen Gedanken an die zur Klangerzeugung notwendige Existenz des Cellisten wie tot vom Baum fallen läßt; am Schlagzeug der ewig rastlose FreeJazz-Altmeister HAN BENNINK, der, wie man hört, auch schon mal live auf der Tribüne ein im Stadion ablaufendes Fußball-Länderspiel trommelnd kommentierte und hier rotiert wie das Rad einer Windmühle bei bis zu sechs Windstärken oder aber beredt stillhält, während Saxophonist/Klarinettist MICHAEL MOORE, eben noch hupend und piepend wie die bizarre Vorstellung eines äpfelpflückenden JAMES CHANCE, Flächen deckt und beharkt oder Schönheiten singt, daß es einem das ungetrübte Wasser in die Augen treiben möcht'. Erhaben, mutig, fröhlich (ja!), frei vor allem, werden auch die kreuzradial umfangreichsten dimensionalen Auslotungen beherzt durchmessen, in deren Mitte sich auch immer (immer!) Reste songähnlicher Charakteristika ausmachen lassen, if you will! Neben eigenem Material gibt es DYLAN-Inspiriertes, IRVING BERLIN, JOHNNY MERCER und KURT WEILL; Intensität ist ein Muß und reichlich vorhanden, in welchen Dynamiken auch immer, während prätentiöse Ernsthaftigkeit lustvoll unchristlichem Humor zum Verzehr überlassen wird ('White Christmas'!) - der seinen für mich deutlichsten Niederschlag in diesem Zusammenhang allerdings schon in der Ansage am Anfang der Platte findet. Freigeistig wie kleinkarierter, frühbundesrepublikanischer Fernseh-Muff, und hier nichts weniger als passend, hinwiederum! Takse Mükke! (Dänisch!)