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Popsongs und Aggressionen

Cloud Nothings im Gespräch

Indie Rock mit schroffer Kante und melancholisch ummantelten Melodien. Cloud Nothings vereinen Widersprüche und zeigen sich auf ihrem neuen Album atmosphärisch wie immer, aber noch eine Spur zugänglicher. Bastian Küllenberg sprach mit Frontmann Dylan Baldi über Gesangsmelodien und Twitter.
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Vier Alben seit 2010 deuten an, dass es sich bei Cloud Nothings schon lange nicht mehr um Newcomer handelt. Spätestens seit ihrem letzten Longplayer »Here And Nowhere Else« gelten die jungen Herren aus Cleveland als »band to watch«. Ein Status, dem sie auf »Life Without Sound« mehr als gerecht werden. »I think we’re a band to listen to more than a band to watch. Uns anzusehen macht keinen Spaß. Wir sind sehr hässlich!«, kommentiert Sänger und Frontmann Dylan Baldi spöttisch. »Hoffentlich können die Leute nach vier Alben endlich aufhören uns nur zu beobachten, und anfangen uns anzuhören.«

Diese Musik verbindet Gegensätze. Eine Kombination aus Melancholie und Melodie, eine grundsätzlich düstere Atmosphäre, aber durchschnitten von hellen, schroffen Blitzen der Wut und Hoffnung, bestimmt auch das neue Album. »Ich glaube die Atmosphäre und der Klang unserer Alben machen einen großen Teil des Reizes aus, zumindest tun sie das für mich«, erklärt der Songwriter. »Ich mag Musik, die sehr atmosphärisch und unmelodisch ist, genieße aber gleichzeitig auch richtig eingängige Pop-Songs und aggressiven Punk. Allerdings gibt es einfach nicht viel Musik, die all diese Aspekte zu einem einzigen Klang vereint, weshalb ich mit meiner eigenen Band aufgebrochen bin, um genau das zu tun.«

»I want a life, that’s all I need lately«, ist eine der Zeilen, die direkt hängen bleibt und zusammen mit der scheinbaren Leichtigkeit des Vortrags die gesamte Stimmung des Albums gut umreisst. »Modern Act«, den dazugehörigen Song, schrieb Dylan Baldi in einem Zustand bitterster Niedergeschlagenheit. »Ich lebte allein in einer Stadt, in der ich niemanden kannte und war nicht in der Lage, mich mit irgendjemand zu treffen. Das war ziemlich traurig. Ich glaube ein Leben existiert nur, wenn du es mit jemandem teilen kannst. So wie in diesem Buch, ›Into The Wild‹.«
Chris Brown, der bereits seit ein paar Jahren als Kandidat bereitstand, ist mittlerweile fest als zweiter Gitarrist eingestiegen. Den größten Unterschied zum Vorgängeralbum »Here And Nowhere Else« mag man allerdings beim Gesang feststellen. Dieser klingt 2017 deutlich zentraler und vordergründiger, als zuvor. »Das war eine Art Unfall«, gibt Baldi zu. »Es ist einfach die Art, in der John Goodmanson (u.a. Sleater-Kinney, Bikini Kill) das Album gemischt hat. Die Gesangsmelodien waren in unseren Liedern schon immer stark, wurden aber vielleicht von lauten Gitarren oder Schlagzeug-Parts überschattet. Dieses Album fokussiert sich mehr auf die Stimme, als auf das Lead-Instrument. Das wird beim nächsten Mal vermutlich anders.«

Auch bei Twitter ist es Baldi, der seiner Band eine fleißig kommentierende Stimme gibt. Neben Ankündigungen neuer Shows, berichtet er dort von seiner Liebe zu den »Gilmore Girls« oder ergeht sich in ironischer Albernheit: »When I’m alone I like to chew on White Stripes CDs.« Wie diese denn schmecken, möchte man wissen. »Nach Pfefferminz!«
Was gefällt dir so an Twitter? 
Ich benutze Twitter eigentlich nur, da meine Freundin sauer wird, wenn ich es nicht tue. Sie mag Twitter sehr, ich nicht. Ich benutze es nur für dumme Witze. 

Nach der Wahl hast du getwittert, du könntest dir »dieses Land mit einem Präsidenten Trump nicht vorstellen«. Jetzt wird es ernst und Trump wurde vereidigt. Wie wirkt sich das auf dein tägliches Leben aus? 
Oh it sucks. Er ist ein Idiot! Die nächsten vier Jahre werden für viele Menschen ganz erbärmlich werden. Ich weiß nicht, ob sich mein Alltag dadurch drastisch verändern wird, ich werde einfach weiter das tun, was ich kann, wo ich es kann. So wie immer. 

Außerdem hast du kommentiert, die Leute sollten versuchen daran zu arbeiten, dass sich die Dinge zum Positiven ändern. Was sind eure Wege, um an diesem Wandel mitzuarbeiten? 
Es ist wichtig, Sachen in deiner Umwelt zu verbessern, wann immer es geht. Ich kann nicht direkt sagen, was wir speziell als Band tun, aber wir bemühen uns in unserer Heimatstadt Cleveland nützliche Mitglieder der Gemeinde zu sein, und ich versuche mich für Menschen einzusetzen, die meiner Meinung nach ungerecht behandelt werden.

Cloud Nothings

Life Without Sound

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Wichita Recordings Ltd., under exclusive license from Cloud Nothings.