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Vielleicht ist es ein cleverer Marketing-Plan, vielleicht auch nur eine gute Idee. Ganz egal ... Aber wer im Booklet von Clients Debüt-CD nach den Namen der Künstler schaut, sucht vergeblich. Nicht einmal die Pseudonyme der beiden Engländerinnen, die Client A und Client B genannt werden wollen, sind
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Vielleicht ist es ein cleverer Marketing-Plan, vielleicht auch nur eine gute Idee. Ganz egal ... Aber wer im Booklet von Clients Debüt-CD nach den Namen der Künstler schaut, sucht vergeblich. Nicht einmal die Pseudonyme der beiden Engländerinnen, die Client A und Client B genannt werden wollen, sind irgendwo zu finden. Keine Namen, keine Gesichter auf den Fotos der eigenen Website – sex doesn’t sell this album. Presse und Publikum sollen sich mit den Songs, nicht den Musikerinnen und deren Vergangenheit beschäftigen. Ein ehrenhafter Wunsch, der natürlich weiträumig ignoriert wird. Client A, Kate Holmes, war einst eine Hälfte von Technique, während Client B, Sarah Blackwood, früher bei Dubstar die Vocal-Position innehatte. Soll noch einer sagen, Geschichte wiederhole sich nicht. Denn wieder tritt Holmes mit einer blonden Sängerin an, um 80er-inspirierten Elektropop zu machen. Bliebe noch Client F, der im Hintergrund die Fäden zieht: Depeche Modes Andrew Fletcher. Der nutzte die durch Gores und Gahans Soloprojekte entstandene Auszeit dazu, um die erste Band für sein Label Toast Hawaii unter Vertrag zu nehmen, was dem Duo einen netten Publicity-Bonus verschafft. Trotz all dem Celeb-Drumherum darf das Album natürlich nicht vergessen werden: angesagte Retro-Sounds, minimalistische Songstrukturen im Stil einer Anne Clark, frische Beats und eine Prise New Romantics – wir reden irgendwo über Electroclash. Auf dem Gebiet ist man trotz “dunkler” Texte, die sich um Sex, Prostitution und natürlich Liebe drehen, oder Blackwoods catchy nordenglischem Akzent nicht Marktführer, wie im Titelsong verkündet, aber wer in dem Geschäft kein übertriebenes Selbstbewusstsein hat, kommt nie zu einem Plattenvertrag. Insgesamt wird hier elektronischer Pop nicht komplett neu erfunden - aber man begegnet einer Platte, die die Welt gut gebrauchen kann.