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So war's in Köln: Klassentreffen mit Volley, When People Had Computers, Woman und Die Sonne

»Class of 2013«

In Köln präsentiert sich die lokale Bandszene. Die Domstadt kann mehr als Minimal und Karneval.
Geschrieben am

12.07.2013, Köln, Gebäude 9

 

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Selbst in der Medienstadt Köln, gilt der Prophet im eigenen Lande oftmals wenig, sofern er nicht Minimal auflegt. Dass jedoch auch 2013 die so-called Indie-Szene noch höchst lebendig ist, wissen Kenner und vermuten Neugierige. An diesem Freitag versammeln sich im Gebäude 9 in Deutz vier Vertreter der Spezies Band, Subkategorie: Neugründung. Vorhang auf für die »Class of 2013«.

 

Den Auftakt machen Volley, die sich erst vor wenigen Monaten gegründet haben. Vier Herren, eine junge Dame und ihre Liebe zu Pop-Punk, Indie Rock und Noise. Trotz einiger Soundprobleme spürt man schnell das Potential der zupackenden, kurzweiligen Songs, die durch ihre rohe, fröhliche Attitüde stellenweise an aktuelle Klassenclowns wie Sex Jams oder Fidlar denken lassen. Zum Ende des Auftritts packt die Band dann sogar noch ein wuchtiges Space-Rock-Monster aus, bevor When People Had Computers die Bühne mit ihrem filigranen Math-Pop übernehmen. Das Quartett aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthie setzt Samples und Effekte als zentrale Bestandteile der Songs ein. Die Verbindung aus organischem Spiel und digitalem Zauberwerk klappt gut und sorgt für dezentes Hüftewackeln im Publikum.

Im Anschluss füllt sich der Saal. Woman gehören spätestens seit ihrem Konzert während der c/o Pop vor einigen Wochen zum Stadtgespräch und dürfen sich beim Klassentreffen ein bisschen wie die heimlichen Headliner fühlen. Ihre Show rechtfertigt ab dem ersten Stück jede einzelne Vorschusslorbeere. Vor einer perfekt abgestimmten Lichtkulisse aus farbig schimmernden Nebelschwaden zelebriert das Trio seine virtuose Interpretation der Pop-Geschichte von Santana bis Daft Punk. Krautige Synthies treffen auf Auto-tune-Stimme, Gitarrenwände variieren mit detailliertem Picking, kurz gesagt: alles fließt vor Euphorie.

 

Nach diesem beeindruckenden Auftritt haben es Oliver Minck (Wolke) und sein neues Projekt Die Sonne nicht leicht. Das Publikum hat sich dementsprechend dann auch nahezu komplett ausgetauscht, als die Band mit ihrem sanften, mit Verweisen zu Americana und Folk gespickten Gitarren-Pop beginnt. Die späten Blumfeld treffen auf Erdmöbel und Fink zum Storyteller-Stuhlkreis. Musikalisch hochwertig, leidet die Gesamtstimmung der Show ein wenig am gebremsten Tempo und entlässt die Konzertbesucher mit einem warmen Handschlag in die Nacht. Ein schönes Klassentreffen geht zu Ende.