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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war der Show-Auftakt: Instant-Late-Night

Circus Halligalli

Joko und Klaas sanieren ihr Mutterschiff – und halten dennoch den öden Kurs der »neoParadise«-Tage. Warum eigentlich?
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Was hatte Pro7 nicht an Sendezeit inszeniert, um den Auftakt ihres neu eingekauften Tagteams möglichst öffentlichkeitswirksam und enigmatisch zu inszenieren. »Circus Halligalli«, hieß es da großmäulig und ohne weitere Ausführung von einem Krawatte tragenden Heufer-Umlauf angekündigt und einer vor gespienem Feuer tanzenden Violetta im Burlesque-Look flankiert. Mein Güte, könnte das zur Abwechslung vielleicht doch mal gut gehen, fragte man still in sich hinein. Doch die Ernüchterung sollte relativ schnell folgen, der neue Aufzug: Nichts als prätentiöse Kulisse, ein neues Etikett für die alte Instant-Ware aus dem Late-Night-Tiefkühlfach. Heufer-Umlauf dann plötzlich wieder im gewohnten Fred-Perry-Endorsement-Look, Schrankband und Markus-Lanz-erprobte Gäste aus dem Entertainment-Baukasten inklusive. Gähn.

So kalauerte sich ein erschreckend uninspirierter Helge Schneider durch die ihm beigemessene Sendezeit, während Joko und Klass merklich bemüht rumgackerten, als hätten sie vor der Sendung noch einen in der Redaktionstoilette durchgezogen. Dieser Helge, total verrückt! Cro platzierte man ganz subversiv im Schrank (Ha!) und stellte ihn als den »neuen heißen Scheiß« vor (Haha!) und Sido stellte seine aktuelle Single »Bilder im Kopf« vor. Der erhoffte Kontrollverlust: Fehlanzeige. Challenges wie »Die Ja-Sager«, bei der Joko und Klaas für acht Stunden mitten im Kölner Karneval Fragen nur noch mit »Ja« beantworten durften, wirkten mittlerweile gescripteter als »Berlin - Tag und Nacht«. Oder wie eine jugendfreie Variante von Jackass. So oder so: Zwischen völlig überdrehten Gaga-Formaten wie »The Beatuy And The Nerd« oder »We Love Sölden« braucht es schon etwas mehr, um dem eigenen vermeintlich anarchischen Anspruch gerecht zu werden.

Einzig Olli Schulz konnte dem durchchoreografierten Spektakel mal wieder etwas Unterhaltung abgewinnen, indem er als sein betrunkenes Alter Ego »Schulzkowski« eine Berlinale Party sprengte. Und was wurde eigentlich aus der großspurigen Ankündigung, »Circus Halligalli« würde »neue Maßstäbe für das Zusammenspiel von TV, Online und Social Media setzen«? Die ergänzenden Video-Schnipsel und ein paar müde Tweets waren jedenfalls so fortschrittlich, wie die aus dem Gästebuch lesende Brigitte Büscher bei »Hart aber Fair«. Nicht mehr und nicht weniger.