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So war's in Berlin: Außen Top Hits, innen Geschmack

Chvrches Live

Das britische Electro-Pop-Triumvirat stellt im Postbahnhof sein lang ersehntes Debütalbum vor und zeigt dabei, dass jeglicher Hype um die Formation berechtigt ist.
Geschrieben am

26.10.2013, Berlin, Postbahnhof

 

Nicht selten geschieht es, dass Bands an hohen Erwartungen zerbrechen. Ganz gegensätzlich dazu verhält es sich bei Chvrches. Deren Ende September veröffentlichtes Debütalbum »The Bones Of What You Believe« wirkt nämlich beinahe wie eine Greatest-Hits-Zusammenstellung, für die sich andere Acts mindestens ein Ohr abschneiden würden. Kein Wunder also, dass das heutige Konzert der Schotten schon seit Wochen ausverkauft ist.

Obwohl Chvrches die Erwartungen ihrer Fans mit ihrem melodietrunkenen und vielseitigen ersten Longplayer zu erfüllen wussten, klingt ihr zeitgemäßer Synthie-Pop im Postbahnhof noch umwerfender als auf Platte. Das liegt zum einen daran, dass Chvrches aufgrund ihrer Indie-Vergangenheit so viele Instrumente wie möglich live spielen. Zum anderen hat sich an diesem Tag ein äußerst enthusiastisches Publikum eingefunden, das die Glasgower zu einer schlichtweg atemberaubenden Show befeuert. Folgerichtig entwickeln Stücke wie das unwiderstehlich groovende »Lungs«, die monumentale Pop-Perfektion »Lies« oder der explosive Album-Bonus-Track »Strong Hand« eine Intensität, die einem fast den Boden unter den Füßen wegzieht. Dass sich Chvrches außerdem ungemein sympathisch und humorvoll präsentieren, rundet den Auftritt zusätzlich ab. So kramt die sich zuletzt im englischen Guardian bewundernswert gegen Internet-Sexismus zur Wehr setzende Sängerin Lauren Mayberry erfolgreich in ihrem Schuldeutsch, um mit den Worten »Ich spreche ein bisschen Deutsch. Aber es ist nicht so gut. Es tut mir Leid« manches Herz zu gewinnen. Aber auch Keyboarder Martin Doherty vermag mit seiner packenden Performance zum hymnischen »Under The Tide« nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

 

Trotzdem bleibt es dem emotional aufwühlenden »The Mother We Share« vorbehalten, den regulären Konzertteil zu beschließen, bevor das schmissige Whitney-Houston-Cover »It's Not Right But It's Okay« einen Abend krönt, von dessen außergewöhnlicher Magie man sich noch lange erzählen wird.