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OK Universe

Cherry Sunkist

Schon wieder neuer, toller Weirdotronic-Stoff aus dem Lande der Gustavs und Soap & Skins: Cherry Sunkist alias Karin Fisslthaler aus Linz reiht sich mit ihrem Albumdebüt ein in die österreichische Produzentinnenriege schräg-charmanter Elektronik. Dabei setzt auch sie neben überaus vielfältigen Sound
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Schon wieder neuer, toller Weirdotronic-Stoff aus dem Lande der Gustavs und Soap & Skins: Cherry Sunkist alias Karin Fisslthaler aus Linz reiht sich mit ihrem Albumdebüt ein in die österreichische Produzentinnenriege schräg-charmanter Elektronik. Dabei setzt auch sie neben überaus vielfältigen Soundquellen auf ein künstlerisch durchdachtes Gesamtbild und lässt eindeutig politische Untertöne mitschwingen. So verdreht sie im Song "Control" beispielsweise eine berüchtigte Peaches-Zeile und tauscht das sexual healing des Originals durch so bittere wie realistisch beobachtete Konsumreligion aus: "Shop the pain away."

Oder Fisslthaler beschreibt die Liebe als ein riesiges "Cake" und singt von einer Sie, die sich total ummodeln und versehentlich auch zu Tode hungern würde, nur um einen Herrn der Schöpfung den Ihren nennen zu können. Das Universum kommt in der Sichtweise von Cherry Sunkist zum Teil also etwas resignativ rüber. Aber gerade durch schön verquere Sounds, die eindrucksvoll Alltagsverzettelungen illustrieren, entwirft sie die Utopie einer Welt, die irgendwie, irgendwann hoffentlich "OK" sein könnte. Vielleicht hört nach dem Konsum dieses Albums ja der eine oder der andere damit auf, so sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, dass er vergisst, die Welt zu verändern.

"OK Universe": Ist das Universum okay, oder sollte man den Titel deines Albums eher als Kampfansage verstehen?

"OK Universe" ist der Versuch einer positiven Utopie, für deren Erreichen noch viel zu tun ist. Es fällt nicht immer leicht, diese Hoffnung aufrechtzuerhalten. Alltägliches und Persönliches lässt sich nicht von gesellschaftlichen Realitäten trennen. Ich kann nur versuchen, die Welt, die Menschen und mich selbst so zu beschreiben, wie ich es erlebe. Alles andere wäre unehrlich.

Du arbeitest auch als bildende Künstlerin. In welchem Verhältnis steht das zur Musik?
Ich arbeite hauptsächlich mit Video. Einerseits produziere ich Bilder, die ich für meine Live-Performances verwende, andererseits werden Videoarbeiten in Verbindung mit meiner Musik im Kino, auf Festivals und in Ausstellungen gezeigt. Eine Verschränkung und gegenseitige Beeinflussung, ohne eins der Medien zu vernachlässigen, ist mir sehr wichtig. Es gibt aber auch künstlerische Arbeiten von mir, die gar nichts mit meiner Musik zu tun haben.

Empfindest du deine Heimatstadt Linz als idealen Ort für kreative Arbeit? Es gab mit Gustav und Soap & Skin in letzter Zeit ja einige ähnliche und ziemlich erfolgreiche musikalische Entwürfe aus Österreich.

In den Produktionsphasen bin ich meistens für mich allein. Später auf Konzerten und auch im Gespräch mit anderen Musikschaffenden findet meist ein anregender Austausch statt. Ich mag es, wenn Leute auf dem Boden bleiben. Ob das woanders auch so ist, weiß ich nicht. Genauso wenig weiß ich, ob ich es hier als ideal bezeichnen würde. Ich würde sagen, es ist "okay".