×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Apocalipstick«

Cherry Glazerr

Die Tumblr-Kids entdecken das echte Leben: Cherry Glazerr zeigen sich auf »Apocalipstick« weniger traumverloren und romantisch, aber weiterhin frech und faszinierend.
Geschrieben am
Als Clementine Creevy, kurz Clem, vor circa zwei Jahren auf dem Newcomer-Radar auftauchte, war sie noch das schlaksige L.A.-Mädchen mit dem platinblonden Bob und der zarten, hohen Stimme, die sich nahtlos in ihren süchtig machenden Tumblr-Space-Pop aus dem Mädchenzimmer-Think-Tank einfügte: entdeckt und engagiert von – natürlich – Hedi Slimane für eine Show von Yves Saint Laurent. Aber das war einmal: Clems Band Cherry Glazerr ist aus dem Teenie-Traum erwacht, hat sich geräkelt und blickt mit »Apocalipstick« nun auf die reale Welt. Die minimalistischen, niedlichen Highschool-Klangwelten, noch warm und flirrend aus der brütenden Mittagshitze von Los Angeles, weichen auf dem zweiten Album ausgeklügelten Prog-Rock-Fantasien, Bässen und Synthies der 1980er und reichlich verzerrten Gitarren. Durch all das zieht sich Creevys Stimme wie das verbindende Glied zwischen dem Erst- und dem Zweitwerk. Sie singt nicht mehr von Käsetoast, Proms und zehn Dollar, sondern von den Makeln der Zivilisation – von Politik, Sexismus, den Fallstricken der Jugend. Dabei gelingt es Clem und ihren zwei neuen Mitstreitern Tabor Allen und Sasami Ashworth – ja, Cherry Glazerr haben zwischendurch auch noch einen erfolgreichen Besetzungswechsel überstanden –, sich sowohl technisch versiert zu präsentieren, als auch frisch und dem Grundton des Bandprojekts treu zu bleiben. Ganz wie ein Fächer, der sich nun geöffnet hat. Definitiv eine der jungen Bands, die es mit Spannung zu beobachten gilt.

Cherry Glazerr

Apocalipstick

Release: 20.01.2017

℗ 2017 Secretly Canadian