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Eurosonic 2008

Checkt das, neue Bands

Jedem Kontinent sein Newcomer-Festival. Was Nordamerika sein CMJ oder South By Southwest ist, trägt in Europa den Namen Eurosonic
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Jedem Kontinent sein Newcomer-Festival. Was Nordamerika sein CMJ oder South By Southwest ist, trägt in Europa den Namen Eurosonic: 250 zumeist neue Bands stellen sich alljährlich im Januar einem kritischen Publikum aus A&Rs, Bookern, Journalisten und Fans. Dafür wird im ziemlich beschaulichen Groningen jeder noch so kleine Platz zur Bühne umfunktioniert: Theater, kleine Kneipen oder die örtliche Musikschule.


Mittlerweile ist ein gelungener Gig beim Eurosonic die beste Visitenkarte für Bands, um sich auf den lukrativen Slots der großen Sommerfestivals zu platzieren. Auch dieses Jahr stellten sich unzählige Bands der Kritik - Christian Steinbrink und Daniel Koch lichten für Intro das Feld.

Clara Luzia

Gesehen: Grand Theatre Up, 11.01.
Das Wichtigste: Clara Luzia ist der Vorname von Clara Luzia Maria Humpel, es ist aber auch der Name der Band, der sie vorsteht. Die Wiener operieren mit dem eigenen Label Asinella Records, haben ihr zweites Album Ende letzten Jahres über die Kölner Plattenfirma Unterm Durchschnitt, aber auch in Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Auf dieser Platte sind einige der besten Folksongs, die 2007 in Europa entstanden. Wundervoll arrangiert und getextet, betörend schön besungen.
Liebstes Album 2007: Captain Planet "Wasser kommt Wasser geht" (Unterm Durchschnitt)
Band / KünstlerIn für 2008: Gisbert zu Knyphausen
Akt. Album: "The Long Memory" (Asinella)

Ihr habt jetzt hier gespielt und wohl nicht wahnsinnig viel Zeit gehabt, euch andere Bands anzuschauen. Wen hättest du gern gesehen?
Clara Luzia Maria Humpel: Get Well Soon. Überall liest man von diesem Wunderkind. Ich hätte ihn mir gern angeschaut, um zu wissen, ob das wirklich ein Wunderkind ist. Außerdem Killed By 9V Batteries. Die schaue ich mir immer gern an.

Letztes Jahr habt ihr eure erste Deutschland-Tour gespielt. Wie war's?
Super. Wir haben nicht die geringste Ahnung, woher all die Besucher uns eigentlich kannten. Nur die Gagen sind in Deutschland deutlich schlechter als in Österreich.

Man kann den Eindruck bekommen, dass Clara Luzia stark nach DIY-Prinzipien agieren. Wie wichtig ist diese Ethik wirklich für euch?
Na ja, der Eindruck entsteht wohl, weil ich ein ziemlicher Kontroll-Freak bin. Generell mag ich es, eigene Netzwerke zu haben, nicht immer so abhängig von anderen zu sein. Bei großen Plattenfirmen geht es nun mal darum, möglichst viele Einheiten zu verkaufen, und das ist nicht meine oberste Priorität. Deswegen war es sehr schnell klar, dass wir unser eigenes Label machen.

Ihr wurdet vom österreichischen Musikfonds gefördert. Wie sieht diese Förderung aus, und wie ist sie zu bewerten?

Natürlich ist das eine Hilfe, man kann aber schon über die Abwicklung streiten. Sie wollen gut produzierte Platten in den Läden stehen haben, fördern das auch, es gibt aber keine Mittel für Promotion, was sehr wichtig wäre. Außerdem gibt es absurderweise keine Zusammenarbeit mit den Radios. So kommt es, dass viele tolle Platten in den Läden stehen, aber niemand davon weiß.

Wie sehr ist Clara Luzia denn ein Soloprojekt?
Eigentlich ist es gar kein Soloprojekt. Ich schreibe zwar die Songs, die Arrangements macht aber größtenteils Alexander Nefzger. Er übersetzt eigentlich immer das, was ich meine, aber nicht ausdrücken kann. Und mit der Zeit haben auch die anderen Bandmitglieder immer mehr eigene Ideen eingebracht.

Das Interview führte Christian SteinbrinkIda Maria
Gesehen: Huis de Beurs, 10.01.
Das Wichtigste: Die gebürtige Norwegerin lebt mit ihrem Freund in einem Haus in der Nähe von Stockholm und betreibt von dort das Label Nesna Records - benannt nach dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Trotz oder gerade weil sie in Bergen und Uppsala Musik studiert hat, ist ihr Sound alles andere als verkopft: hittiger Punkpop mit freizügigen Texten und einer Stimme, die klingt, als hätte sie erst gestern Björk unter den Tisch gesoffen.
Liebste Band 2007: Wilco
Band / KünstlerIn für 2008: Hanne Hukkelberg
Akt. Album: "I Like You So Much Better When You're Naked" (erscheint Mitte 2008 via Red Ink / SonyBMG)
Wir sind fast ein wenig spät für den Newcomer-Check. Scheint ja momentan viel zu passieren in deiner Karriere, du hast einen Major-Deal mit SonyBMG, Radio One spielt deine Singles. Wie fühlt man sich dabei?
Ida Maria: Ich denke, es läuft gerade gut - in Schweden und Norwegen sowieso, in England auch. Für mich geht's aber weiter darum, sich den Spaß zu bewahren. Darauf achte ich - und deshalb fühlt sich das alles sehr toll an. Ich war bis gestern im Weihnachtsurlaub, und jetzt sitze ich hier und denke: "Das ist mein Job? Wow!" Das alles hier ist gerade viel entspannter als der Urlaub. Da wurde ich jeden Tag mit Braten gemästet - DAS war harte Arbeit.

Das Eurosonic ist ja fürchterlich nett, aber auch fürchterlich seltsam, weil man vor all diesen Business-Nasen spielen muss, oder?
Ich liebe es, vor Business-Leuten zu spielen! Das beste Publikum, das es gibt! Du weißt ganz genau, was du kriegst: Typen mit verschränkten Armen und diesem Blick, der sagt: "Ich kenne das next big thing - und DU bist's nicht!" Aber tief im Inneren wollen sie, dass ihnen einmal der Stock aus dem Arsch fällt und sie so richtig abgehen können. Das ist die große Herausforderung für mich: Sie genau an diesen Punkt zu bringen. Klappt natürlich nicht immer. Und dann wird's richtig langweilig.

Deine Musik klingt ziemlich eingängig - um nicht zu sagen: simpel. Catchy halt. Ist das eine bewusste Reaktion auf den studierten Zugang zu Musik, den du erfahren hast?
Yeah. Nö. Ich weiß nicht. Meine Songs sind einfach, ehrlich und deshalb geradeheraus geschrieben - ohne komplizierte Akkordfolgen. So klingen sie wohl auch. Keine Ahnung, ob ich das bewusst mache. Kommt mir nicht so vor. Sorry, geht nicht konkreter. Ich bin ein wenig durch. Das Gras hier ist besser, als ich dachte ...

Deine Band steht ja in dieser Besetzung schon länger. Ihr habt auch gemeinsam das Album eingespielt. Wird Ida Maria langsam zum Bandprojekt?
Wir arbeiten gemeinsam am Sound, aber die Songs sind schon meine. Ich glaube, ich bin da eine sehr toughe Diktatorin. Bin ich doch, oder?
Band: Yes, Ma'am!
Richtige Antwort. Jetzt dürft ihr sicher ein Bier mehr trinken.
Genau. Das habt ihr euch verdient. Und die "Spanking Session" nach der Show lass ich gnädigerweise auch mal ausfallen.

Das Interview führte Daniel KochJakobinarina
Gesehen: Vera, 10.01.
Das Wichtigste: Sechs smarte isländische Jungspunde, gerade mal volljährig, die sich zwar auch am zackigen New Wave vergreifen, aber durch geistreiche bis zynische Text glänzen. In "This Is An Advertisement" singen sie z. B.: "We would even change our name to ›The Coca-Cola Band‹ - just to get our pockets filled!" Genau so macht man's heute. Starthilfe gab Sigur-Rós-Sänger Jónsi, der jahrelang ungefragt ihren Bandnamen droppte - die alte Plaudertasche. Ende letzten Jahres tourte das Sextett mit den Kaiser Chiefs durch Europa.
Liebste Band 2007: Man hat Can, Bowie und Blue-Note-Jazz für sich entdeckt.
Band / KünstlerIn für 2008: Mugison
Akt. Album: "The First Crusade" (12 Tónar / Cargo)
Ihr habt euren Auftritt gestern nach einem Instrumental-Intro gleich mit "This Is An Advertisement" gestartet. Macht ihr das immer so, oder fandet ihr das bloß passend? Ein Auftritt auf dem Eurosonic ist ja fast wie ein Werbeblock oder eine akustische Visitenkarte einer Newcomerband.
Heimir Gestur Valdimarsson (Bass): Nein. Es war dasselbe Set, das wir im November auch im Vorprogramm der Kaiser Chiefs gespielt haben.
Gunnar Ragnarsson (Gesang): Wir wissen natürlich, dass da viele wichtige Leute im Publikum stehen könnten - aber das interessiert auf der Bühne nicht. Wir wollen eine gute Show spielen, und das kann man nicht, wenn man sich um solche Dinge sorgt.

Wie lief denn eigentlich für euch die Kaiser-Chiefs-Tour?

G: Eine tolle Erfahrung. Wir haben sehr gutes Feedback bekommen, von den Kaiser Chiefs und auch vom Publikum. Und ich konnte den Jungs endlich mal Deutschland zeigen. Ich habe ja acht Jahre in Lübeck gewohnt, weil mein Vater da gearbeitet hat.
Ihr seid noch recht jung für dieses Business. Auf der Bühne hat man euch gestern angesehen, dass ihr Spaß hattet. Hält sich der denn auch im Alltagsgeschäft, oder merkt ihr schon manchmal: Bandsein ist scheiß-harte Arbeit?
H: Schon. Einige Tage sind wirklich schlimm. Man ist übermüdet. Verkatert. Geschlaucht. Live-Spielen ist super. Promo geht auch noch. Aber die langen Reisen können einen killen, wenn man nicht aufpasst. Das lernt man sehr schnell.
G: Außerdem weiß man, dass man immer alles geben muss - auch wenn es einem mal persönlich nicht so gut geht, darf man ja die Band nicht hängen lassen. Diese Loyalität ist bei uns sehr ausgeprägt: Vielleicht, weil wir schon zusammen spielen, seit wir vierzehn sind.

Was sind eure Pläne für die kommenden Monate?
G: Da kommt viel Arbeit auf uns zu. Konzerte und Releases in Europa, in Amerika, Japan, Australien.
Sorry, ich kann's mir nicht länger verkneifen, aber wir müssen jetzt mal über Haarschnitte sprechen. Bei euch hat jeder einen anderen: Stachel, Tolle, den klassischen "Prinz Eisenherz". Ist das Konzept?
G (Tolle): Das glaubt nicht wirklich einer, oder?
H (Eisenherz): Nein. Das überlegt sich schon jeder für sich.

Das Interview führte Daniel KochKissy Sell Out
Gesehen: Simplon, 11.01.
Das Wichtigste: Teil der "MySpace-generation of cool nerds" zu sein, wie die BBC auf ihrer Website schreibt, ist nicht unbedingt ein Geschenk. Aber saucool ist der studierte britische Grafikdesigner Kissy tatsächlich, was vielleicht an seiner beeindruckenden Kollektion an 80er-XXL-Merchandiseshirts liegt, ganz bestimmt aber an seinen respektlosen Remixen, die Sonic Youth, die Sugarbabes, deutschen Trash-Techno und Daft Punk gleichermaßen durchnehmen. Seit sein Track "Her" und der Sugababes-Remix "About You Now" die UK-Clubs knackten, wird Großes von ihm erwartet. Leider hatte sich das noch nicht in Groningen rumgesprochen.
Liebste Band 2007: Sugababes mit neuer Sängerin
Band / KünstlerIn für 2008: Late Of The Pier
Akt. Release: "Her" (Single // Lavolta / Import). Kissy wurde kürzlich von Atlantic gesignt, das Album ist in der Mache.
Cool, dass das so spät (01:15 Uhr) noch geklappt hat mit dem Interview ...
Kissy: Ja, sorry. Wir sind viel zu spät. Wir haben eine ziemliche Odyssee hinter uns. Der Ticketautomat im Zug war nicht auf Englisch, und wir haben das falsche Ticket gezogen. Da wir nur englische Kreditkarten und kein Bargeld hatten, hat uns der Schaffner dann in einem Kaff kurz vor Amsterdam rausgeschmissen.

Dann wird das gleich also ein Kaltstart: zur Location, Interview geben, auflegen? Und das bei so einem durchaus wichtigen Auftritt?
Genau. Aber so habe ich es am liebsten. Ich bin immer am besten, wenn ich fünf Minuten vor dem Set auftauche. Ich habe die Philosophie, eh nur meine Platten zu spielen. Egal, was kommt.

Ich habe leider wieder dieses schreckliche Wort "MySpace-Generation" gehört. Und dass du dazugehörst. Was hältst du von diesem Label?
Natürlich ist MySpace eine gute Plattform, um schnell seine Musik zu den Leuten zu bringen. Mit allen Vor- und Nachteilen, die diese Schnelllebigkeit mit sich bringt. Aber ich gestehe mir schon zu, dass nicht MySpace dafür gesorgt hat, dass man mich kennt und mag, sondern dass es an meinen DJ-Qualitäten und Aktivitäten liegt. Ich bin viel unterwegs, um mir in den Clubs einen Namen zu machen - das ist wichtiger als ein paar gestreamte Tracks und die richtigen Freunde im Profil.

Wo würdest du gerne am Ende dieses Jahres stehen?
Ich habe unlängst meinen Major-Deal mit Atlantic unterschrieben und hoffe natürlich, dass Album und Single in diesem Jahr gut ankommen. Außerdem will ich gerne meine Liveband an den Start bringen - und ein paar gute Sets hinlegen. Ganz realistische Ziele also. Außerdem habe ich sehr viel Spaß am Radiomachen gefunden. Ich mache seit kurzem eine monatliche Show - auf Radio One. Das ist schon eine große Ehre.

Ich finde, ihr seid sehr verwöhnt, was die Radioqualität in England angeht. Siehst du das genauso?

Ich kann da nicht für andere Länder sprechen. Aber gerade in Sachen Electro ist das Radio in England und besonders London weit voraus. Aber das heißt natürlich auch, dass für dich als DJ die Latte sehr hoch hängt, weil die Konkurrenz so stark ist. Was wiederum ein guter Ansporn ist.

Das Interview führte Daniel KochLittle Dragon
Gesehen: Het Parlement, 11.01.
Das Wichtigste: Bisher sind Little Dragon vor allem durch ihre Engagements bei José González und Koop in Erscheinung getreten. Ihr eigenes, 2007 auf Peacefrog veröffentlichtes Debütalbum erhielt zwar den Preis der deutschen Schallplattenkritik, ansonsten aber ungerecht wenig Aufmerksamkeit. Im Frühjahr wird die schwedische Band nun erstmals in Deutschland auf Tour gehen und bald auch ihr zweites Album veröffentlichen, das wieder zwischen Folk, Jazz und Elektronik à la Dani Siciliano changiert.
Liebste Band 2007: Death Vessel
Band / KünstlerIn für 2008: Watch out for the Dragon!
Akt. Album: "Little Dragon" (Peacefrog)
Ihr seid direkt aus Neuseeland eingeflogen. Habt ihr schon einen Eindruck vom Eurosonic gewonnen?
Little Dragon: Ein wenig. Vorhin fuhren wir mit mehreren Bands in einem Bus in die Stadt. Der Busfahrer hielt auf einem Platz und meinte: "Hier werdet ihr spielen!" Alle Bands waren verwirrt und mussten sich von dem Fahrer erst die Richtung zu dem Gebäude zeigen lassen, in dem ihr Venue sein sollte.

Beim Eurosonic werdet ihr voraussichtlich vor vielen Leuten spielen, die für euer Fortkommen wichtig sein könnten. Bedeutet das einen besonderen Druck für euch?
Nein, wir sind es gewöhnt, vor Leuten zu spielen, die von unserer Musik verwirrt sind, sie nicht einordnen können. Umgekehrt erkennen wir dann auch nie richtig, ob sie uns mögen oder nicht. Ich glaube, das härtet ab.

Ihr habt ja den Preis der deutschen Schallplattenkritik gewonnen, obwohl ihr in Deutschland nicht besonders bekannt seid. Wie kam es dazu, und was bedeutet das für euch?

Das ist für uns eine ziemlich abstrakte Sache. Eigentlich haben wir bloß eine E-Mail von unserem Management bekommen, in der sie uns schrieben, dass wir den Preis gewonnen haben. Wie kannten den Preis nicht und wissen bis jetzt nicht so genau, was wir eigentlich gewonnen haben.

Es ist ein Preis, den zumeist klassische Aufnahmen gewinnen und nur wenige, nicht zwangsläufig große Pop-Acts.
Ah! Das ist cool! Endlich wissen wir es. Wir haben uns das schon die ganze Zeit gefragt. Es ist immer schön, etwas zu gewinnen, wir haben den Preis nur nie gesehen.

Habt ihr denn nicht irgendwas bekommen:
eine Urkunde, einen Scheck oder so?
Nein, wir haben nur unsere E-Mail.

Wie seid ihr denn zu Peacefrog gekommen? Über José González?
Nein, wir hatten eine Single beim britischen Label Off The Wall veröffentlicht, die bekam Pete Hutchison, der Peacefrog-Chef, in die Hand und mochte sie wohl.

Euer zweites Album ist ja schon fast fertig. Was kann man erwarten?

Es wird wohl etwas eingängiger klingen. Die vielen unterschiedlichen Stimmungen auf unserem Debüt fühlen sich für uns mittlerweile fast ein wenig schizophren an.

Das Interview führte Christian SteinbrinkSoko
Gesehen: De Spieghel, 11.01.
Das Wichtigste: In Berlin gab es im Radio kein Entkommen vor Sokos "I'll Kill Her". Niedlich klingender Pop mit Ukulele und gesungenen Mordfantasien. Weitere Themengebiete: feuchte Träume und das Gefühl, schwanger zu sein, wenn man doch bloß einen lauten Furz quersitzen hat. Liebeslieder kann sie aber auch. Die Französin heißt eigentlich Stéphanie Sokolinski, ist in ihrer Heimat eine erfolgreiche Jungschauspielerin und dreht just in diesem Moment mit Gérard Depardieu einen Kinofilm.
Liebste Band 2007: I'm From Barcelona
Band / KünstlerIn für 2008: Gentlemen Driver aus Paris
Als du in Berlin warst, stand ein großer Popstar (Herbert Grönemeyer) im Publikum, Jared Leto war aus unerfindlichen Gründen anwesend, und man konnte dich als Veranstaltungstipp in der Vanity Fair lesen. Wunderst du dich nicht manchmal selbst darüber?
Stéphanie: Ja, ständig. Ich frag mich manchmal, womit ich das eigentlich verdient habe. Warum mögen die mich alle? Auch diese Stars. Ich weiß es nicht. Und dann passieren so Dinge, dass Stella McCartney bei meinem Manager anruft, weil ich mit meiner Ukulele auf ihrem Geburtstag auftreten soll. Das ist doch Irrsinn.

Heute Abend werden viele wichtige Business-Leute im Publikum sein. Denkst du über so was nach?
Ich hatte einen meiner schönsten Auftritte vor vier sitzenden Emi-Leuten. Am Ende habe ich sie dazu gebracht, mit mir zu singen und zu tanzen. Sie waren wie Kinder. Seitdem mache ich mir keine Sorgen mehr darüber.

Man kann bisher nur deine "Not So Kute"-EP bei iTunes bekommen ...
Ja, leider. Ich muss denen mal sagen, dass sie die nicht mehr verkaufen sollen.

Warum das denn?
Sie klingt scheiße.

Stimmt. So glatt. Darauf wollte ich hinaus. Deine einfach mal so geklampften Demos klingen viel besser und passen eher zu den manchmal recht krassen Texten.
Das Problem war: Ich kann ja erst seit ein paar Monaten meine Songs selbst spielen. Ich habe mich damals zu sehr auf Leute verlassen, die meinen, sie wüssten, wie ich klingen soll.

Erträgst du es eigentlich noch, "I'll Kill Her" zu spielen?
Ganz ehrlich: Nein. Aber das kann ich wohl erst lassen, wenn mich die Leute als Künstlerin akzeptiert haben.

Wann kann man mit einem Album rechnen?
Ich will ja keines machen. Aber ich muss wohl. Ich will eigentlich nur live spielen. Bei einem Album müsste ich mir erst mal klar werden, wie es klingen soll. Ich weiß bisher nur, wie ich es nicht will. Ich muss noch die Leute finden, die damit arbeiten können.

Im Song "Love You More" singst du: "I'll never love you more than the drummer of the Flaming Lips." Ist Wayne nicht viel toller?
Wayne ist klasse. Aber der hat ja immer seine Frau im Schlepptau. Und Steve - ach, ich war mal richtig verschossen in ihn ...

Das Interview führte Daniel KochThe Whip
Gesehen: Simplon, 11.01.
Das Wichtigste: Das Quartett aus Manchester ist in der A-Jugend der britischen "Dance Rock New Wave Szene oder wie zum Henker der Scheiß jetzt heißen soll" vorne mit dabei. Mittlerweile veröffentlicht man auf Kitsuné und spielt im Vorprogramm der geschätzten Kollegen Simian Mobile Disco. Der Sound bedient sich bei Kraftwerk ebenso wie bei den Mondays und bringt brutzelnde Keyboards, Live-Drumming und New-Wave-Gitarren mit melancholischem Gesang zusammen - und funktioniert so eben nicht nur auf der Tanzfläche, sondern auch noch auf dem Nachhauseweg.
Liebste Band 2007: Simian Mobile Disco
Band / KünstlerIn für 2008: Does It Offend You, Yeah?
Akt. Album: "Divebomb" (Single // Kitsuné)
Ihr werdet in England gerne in einem Atemzug mit Bands wie den Teenagers und Hadouken! genannt. Auch sehr junge Acts, die aber schon einen Schritt weiter sind und von vielen als next big thing gehandelt werden. Zumindest in England kommt eure Single "Sister Siam" ja auch sehr ehrgeizig aus den Startlöchern. Habt ihr das Gefühl, das könnte bald so richtig losgehen?
Lil' Fee (Drums): Das musst du uns sagen.
Danny Saville (Keyboards): Wenn man sich nur in der englischen Szene bewegt und da in so einen Hype gerät, kann man sicher schon mal den Kopf verlieren und so was denken. Aber wir machen einfach konzentriert weiter. Da ist es auch mal ganz erfrischend, wenn man wie jetzt hier auf dem Eurosonic vor Publikum spielt, das einen noch nicht kennt.

Wir hatten hier auf dem Eurosonic einen Fall, wo eine Electro-Künstlerin ein Konzert abgesagt hat, weil sie sich noch nicht fit genug für einen Live-Auftritt fühlte. Sie hatte halt zwei MySpace-Hits und wurde plötzlich von all diesen Anfragen überrollt. Was sagt ihr zu so einer Entscheidung?
Bruce Carter: Natürlich läuft man bei dem Tempo heutzutage Gefahr, dass man zu früh zu etwas gedrängt wird, das man schlicht noch nicht kann - und dann abkackt. Bei elektronischer Musik ist es ja auch keine Schande, wenn einer einen guten Track hinbekommt, den aber eher als DJ-Single sieht und ihn nicht live performen will. Aber uns könnte so was nicht passieren. Wir machen ja nicht erst seit gestern Musik - was man hoffentlich hört. Auch wenn wir mit elektronischen Mitteln arbeiten, sehen wir uns als Live- und Popband.
L: Jetzt kommt sicher die Frage, ob das der Einfluss unserer Hometown Manchester ist.

Nö, aber das wäre eine gute. Also?
D: Man ist natürlich stolz, dass diese Stadt bei der Verschmelzung von Rock, Pop und Dance so viel beigetragen hat. Aber unser Sound hat sich eher aus unseren Vorlieben entwickelt.
Wie geht's denn für euch nach diesem Auftritt weiter?
B: Die nächsten Wochen werden fuckin' great. Ende Februar gehen wir in England mit Simian Mobile Disco auf Tour.
L: Und im Frühjahr/Sommer hoffen wir auf unser UK-Albumrelease.

Das Interview führte Daniel Koch