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Eine Sommerplatte

Charlotte Hatherley

Charlotte Hatherley wärmt ihre Hände an einer Plastiktasse voller Kaffee. Sie wäre jetzt gerne in Australien am Meer, sagt sie lächelnd. Denn für sie gibt es nichts Schöneres, als im Meer zu schwimmen. Sie liebt die Wellen und Surfbretter - und sie interessiert sich für die Haie vor der australisc
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Charlotte Hatherley wärmt ihre Hände an einer Plastiktasse voller Kaffee. Sie wäre jetzt gerne in Australien am Meer, sagt sie lächelnd. Denn für sie gibt es nichts Schöneres, als im Meer zu schwimmen. Sie liebt die Wellen und Surfbretter – und sie interessiert sich für die Haie vor der australischen Küste. (Wie Letzteres dazu passt, bleibt ihr Geheimnis.)

2004 war ein anstrengendes Jahr für Charlotte Hatherley: Neben dem Alltag als Gitarristin bei Ash, deren Album ›Meltdown‹ erschienen ist, hat sie eine Soloplatte aufgenommen: ›Grey Will Fade‹. Ein Gegenstück zu der zeitnah entstandenen Ash-Platte voll Testosteron-haltiger Gitarrenrocknummern im Geiste von Nirvana und den Smashing Pumpkins. ›Grey Will Fade‹ erinnert an den guten alten Britpop, zu dem sich die in London aufgewachsene Charlotte auch bekennt. Sie wurde mit My Bloody Valentine und Eve sozialisiert. Und hat Kate Bushs ›Hounds Of Love‹ und David Bowies ›Heroes‹ bei der Arbeit an ihrer Soloplatte gehört, weil das ihre eigentliche Musik sei. Dabei hat sie die Ash-Bandkollegen nur einmal wirklich vermisst: als sie in San Francisco ankam und auf dem Weg zu einem Studio war, in dem sie keine Menschenseele kannte. Doch ›Grey Will Fade‹ ist auch ohne den »eklektischen Geschmack« von Songwriter-Mastermind Tim Wheeler eine feine Platte geworden. Das finden inzwischen auch die Jungs aus der Band – womit einer glücklichen Zukunft von Ash nichts im Wege steht.

Es ist nicht so, dass Charlotte zu viel Freizeit hat und sich die Langeweile mit Soloprojekten vertreiben muss – nach einer kleinen Weihnachtspause in Australien im Familienkreis steht eine Japan-Tour mit Ash in ihrem Terminkalender. Doch sie hatte es satt, von ihrer eigenen Platte bloß zu träumen. »Ich bin 25 – wann soll ich so was machen, wenn nicht jetzt?« Von ihrem Freund, dem ›Shaun Of The Dead‹-Filmregisseur Edgar Wright, mit dem sie zusammen in London lebt, wird sie in puncto Kreativität noch motiviert. Es gibt bereits Pläne für die nächste Soloplatte: Eine richtige Band braucht es dann und nicht nur ausgeliehene Musiker für Livegigs (wie etwa den Gitarristen von Graham Coxon, den Bassisten von Idlewild, den Drummer von PJ Harvey oder die Organistin von Goldfrapp) und Studioaufnahmen. Schön wäre es, wenn die Band aus Musikerinnen bestünde: »Als ich kürzlich ein Album von Bikini Kill hörte, auf dem man die Band gemeinsam lachen und Blödsinn machen hört, wünschte ich mir, auch in einer Mädchenband zu spielen.« Aber nicht unbedingt mit der inzwischen zur britischen Fernseh-Gärtnerin avancierten Kim Wilde, nach der ein Stück auf dem Album benannt wurde, weil es Charlotte an den alten Hit ›Kids In America‹ erinnerte – mit Gitarren, die wie Keyboards klingen. In England ist ›Grey Will Fade‹ bereits im Juli 2004 erschienen – ein besserer Zeitpunkt als mitten im grauen Winter. »Es ist eine Sommerplatte«, nickt Charlotte, »perfekt für einen Urlaub in Australien.«