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So war’s: Screaming Eagle Of Herzschmerz

Charles Bradley live in Berlin

Wie kein anderer im Jahre 2016 verkörpert Charles Bradley den wahren Soul. Hier trifft Otis Reading auf James Brown, ohne auch nur ansatzweise antiquiert zu klingen. In Berlin zeigt er abermals, dass ihm momentan keiner das Wasser reichen kann.
Geschrieben am
09.04.2016, Astra, Berlin

Als Charles Bradley 2011 sein Debütalbum »No Time For Dreaming« veröffentlichte, galt er zwar als ein absoluter Geheimtipp, spielte jedoch vor halbleeren, maximal zu 75% gefüllten Hallen. Mittlerweile ist das anders: »Sold Out!« steht am Eingang des Astra in Berlin in großen Lettern geschrieben. Der »Doctor Of Love«, wie er von seinen Bandkollegen genannt wird, lädt wieder zu einer seiner berühmten Konzerte ein, die immer wieder auch an Messen erinnern.

Charles Bradley ist nicht irgendein weiterer Soulmusiker. Die Lebensgeschichte dieses Mannes ist bewegend und mittlerweile fast berühmt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er nach einem längeren Intro der Band ganz in schwarz gekleidet die Bühne betritt und das Astra sofort in seine Zeremonienhalle verwandelt. Nur selten enthalten Songtexte soviel »Love« und »Baby«, ohne dass sie in schmalzige Gefilde abdriften. Bradley selbst möchte all seine Liebe an alle seine Fans ausschütten. Dazu verteilt er persönlich Rosen und entschuldigt sich, dass er nicht für jeden Anwesenden im Saal eine hat. Man glaubt es Ihm sogar.

Ab und an wird es auch ernster. Auch mit knapp 68 Jahren hat er noch einiges zu verarbeiten: Den Tod seiner Mutter etwa. Oder seine frühere Rebellion gegenüber seiner Familie, die in Obdachlosigkeit mündete. Oder seinen späten Erfolg. All dies spiegelt sich ausgerechnet in einem Cover wieder. Bradley intoniert »Changes« von Black Sabbath in einer Herzschmerz-Version, bei welcher sich selbst gestandene Typen die Tränen aus dem Augenwinkel wischen. Danach denkt man selber darüber nach, seine Mutter öfter anzurufen. Die Liebe hat gewonnen. Dank Charles Bradley.  

Charles Bradley

Changes

Release: 01.04.2016

℗ 2016 Daptone Records