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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Prefection

Cass Mc Combs

CD-Compilations mit »Lieblingsstücken«, wie sie neuerdings von Schauspieler X, Schriftsteller Y oder Fußballer Z veröffentlicht werden, halte ich schon für ein bisschen fragwürdig. Was können die, was K-Tel nicht konnte? Und, noch wichtiger: Was können die, was du nicht auch mal konntest? Es war
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CD-Compilations mit »Lieblingsstücken«, wie sie neuerdings von Schauspieler X, Schriftsteller Y oder Fußballer Z veröffentlicht werden, halte ich schon für ein bisschen fragwürdig. Was können die, was K-Tel nicht konnte? Und, noch wichtiger: Was können die, was du nicht auch mal konntest? Es war wohl Max Goldt, der in einer Kolumne, die ich wieder mal nicht selbst gelesen habe, erstmals auf das Verschwinden des traditionsreichen Volks-Kunsthandwerks »selbst gemachter Kassetten-Sampler« aufmerksam machte. Brillant beobachtet. Mach nur den Selbsttest: Wann hast du das letzte Mal eine Mix-Kassette-mit-eigenhändig-gestaltetem-Cover für einen dir wichtigen Menschen erstellt? Wann jedoch hast du einer solchen Person die neue CD der Band soundso gebrannt und auch noch das komplette Artwork dazu ausgedruckt? Aha! Nicht frei und grenzenlos kreativ machen die neu gewonnenen digitalen Mittel und Möglichkeiten, sondern offensichtlich kriminell. Was das nun mit Cass Mc Combs zu tun hat? Möglicherweise hat der Mann das eben angerissene Problem transzendiert! Der sucht nämlich nicht mehr stundenlang in seiner Obskuritätenkiste nach Liedern, um die dann aneinander zu reihen – der schreibt sich die Tracks seiner Lieblings-Hit-Zusammenstellung einfach selbst. Sein Album ›Prefection‹ klingt nämlich wie eine Compilation mit bisher unbekannten Outtakes von Bands wie z. B. The Smiths, My Bloody Valentine oder auch dem jungen Lou Reed, ca. 1967. Komponiert und eingespielt allerdings alles von Herrn Mc Combs persönlich, was deshalb noch mal betont sei, weil sich die einzelnen Stücke tatsächlich so unterschiedlich anhören, als stamme dieses von Morrissey/Marr, jenes aber von z. B. Echo & The Bunnymen. Besonders die unterschiedlichen Gesangsstile verblüffen! Fazit: Das hier klingt wie das Indie-Mix-Tape, das wir – die wir alles gehört und alles gesehen – gerne noch einmal geschenkt bekommen würden.