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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Hinterland«

Casper

Diese Review entsteht nicht in den üblichen Popjournalisten-Metropolen (Hamburg, Berlin, Köln), sondern in ebenjenem »Hinterland«, über das Casper jetzt rappt.
Geschrieben am

Dabei hat die Stimme, an der sich nach wie vor die Geister scheiden, schon immer auch über Besäufnisse in Gemeindestraßen und die Sehnsüchte halbwüchsiger Landeier gerappt. Und schon das war neu im hiesigen Rap. Dass da einer nicht nur offen zu seinen provinziellen Wurzeln steht, sondern daraus auch noch große Kunst macht. Zusätzlich zog er auf »XOXO« mit seiner breit gefächerten, aber Rap-geerdeten musikalischen Sozialisation blank und erfüllte damit auch in Deutschland die Prophezeiung von Saul »Shakespeare des HipHop« Williams: Dass Rap sich neu erfinden werde, weil die Leute die Schnauze voll haben vom Bullshit.

Mit »Hinterland« setzt Casper diese Entwicklung fort, auch wenn es ihm in den Fingern gejuckt haben soll, wieder ein eher konventionelles Rap-Album aufzunehmen. Stattdessen hören wir Streicher, Orgeln, Klaviere, Chöre und zwischendurch irgendeinen Tom Smith. Denn Casper führt nicht nur szenefremde Leute an HipHop heran, wie in der Juice treffend zu lesen war, sondern auch die Heads an Indie-Rock und Americana (was auch immer das ist). Nebenbei versucht er sich zwar nicht in jedem Track, aber zum Beispiel in »20 qm« an neuen Rap-Techniken oder reichert Cloud-Rap mal eben mit Gitarren an (»Ariel«). Aber vor allem geht »Hinterland« nicht weniger als »XOXO« (nur leichter) oder auch »Hin zur Sonne« (nur unverkrampfter) unter die Haut. Musik zum Im-Auto-auf-dem-Weg-zur-Arbeit-Hören. Links ab sind’s 17 Kilometer bis nach Extertal. Es läuft »Lux Lisbon«. Und man hört, dass Casper immer noch einer von uns ist. Zumindest, wenn er gerade Liebeskummer hat.

 

 

In drei Worten: Provinz / Prophezeiung / Post-Rap