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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Take The Warheads Bowling

Camper Van Beethoven

06.02. - Köln, Kantine. Als Camper Van Beethoven 1990 abtraten, schien alles gesagt. Nach etlichen Platten irgendwo zwischen Satire und Subversion, Punk und Folklore sollte Schluss sein. Die Akteure gingen auseinander, um sich - ganz klassisch - größtenteils sehr uninspirierten Projekten zu widmen.
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06.02. - Köln, Kantine. Als Camper Van Beethoven 1990 abtraten, schien alles gesagt. Nach etlichen Platten irgendwo zwischen Satire und Subversion, Punk und Folklore sollte Schluss sein. Die Akteure gingen auseinander, um sich - ganz klassisch - größtenteils sehr uninspirierten Projekten zu widmen. Und jetzt, 2003, nachdem ungefähr fünf Jahre lang Gerüchte um eine Reunion der Band durchs Netz schwirrten, tritt das dennoch Unglaubliche in Form einer angekündigten Tournee ein: ebenjene Reunion. Erste deutsche Station ihrer Fleischwerdung: Köln. Hier pfiffen David Lowery und der Rest wie vermutet auf die ihnen eigentlich zustehende Prätention und fingen einfach an. Spielten ein Set, das alle wichtigen Songs der Band und ihre besten Coverversionen (Status Quos "Pictures Of Matchstickman", The Clashs "White Riot" usw.) beinhaltete und über zweieinhalb Stunden ging. Dabei wurden drei Dinge deutlich. Erstens, dass es ein schönes Gefühl ist, mal wieder einer der Jüngsten bei einem Konzert zu sein. Zweitens, dass CVB, die zusammen mit ihren Fans alt geworden sind, auch heute noch mit großem Erfolg genau das überspielen können.

Und drittens, dass das Establishment, das CVB einst auch in den schönsten Liebesliedern noch durch die Blume anprangerten, heute nur anders heißt und andere Feindbilder besitzt als in den 80ern. Okay, Reaktion und USA ist ein alter Hut. Aber Lowerys Umgang mit den eigenen Texten, die sich ursprünglich ja noch gegen Reagan richteten, belegt leider eindrucksvoll, wie wenig sich in der Zeit der Abwesenheit von CVB wirklich geändert hat: Wo es in den 80ern hieß, "I never called myself a hero for killing an unknown communist", singt er jetzt einfach "islamist". Dennoch: CVB waren bekanntlich nie der bieder drohende Zeigefinger des US-Underground. Sie galten als die Post-Hippie-Satiristen aus Santa Cruz, und dazu passt es ganz gut, eine 15-minütige Coverversion von Fleetwood Macs "Tusk" zu spielen. Witzig, aber eher anstrengend. Ach ja, nur für die Statistik: Ihr Hit "Take The Skinheads Bowling" war natürlich auch dabei. PS: Zum Zweck der digitalen Verfremdung standen auf der Bühne übrigens auch zwei Laptops. Zumindest die Technik ist weiter seit 1990. PPS: Das denkt übrigens die Community auf intro.de. Und man darf es so stehen lassen: "Wie viele Reunion-Konzerte fallen euch ein, bei denen die betreffende Band BESSER war als 'damals' vor dem Split? Mir seit gestern genau eins." (greatdynamo)