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Luftschlösser aus Los Angeles

Cameron Avery im Gespräch

Man kennt ihn vor allem als Bassisten von Tame Impala, aber Cameron Avery zeigt auf seinem Solo-Debüt »Ripe Dreams, Pipe Dreams«, dass er noch ganz andere musikalische Seiten vorzuweisen hat. Statt eines trippigen Feuerwerks von Synthies und Effektpedalen liefert er Streicher, Elvis-Vocals und große Emotionen.
Geschrieben am

Interview:
Kira Schneider

Zum ersten Mal prangt Cameron Averys Name in diesem Frühjahr in großen Lettern auf einem Albumcover. Gerahmt in helles Creme und Malve, eine Hand, die eine kleinere hält – »Ripe Dreams, Pipe Dreams« sieht ganz anders aus als die grellen, verrückten Artworks von Pond und die psychedelischen Grafiken aus dem Reich von Tame Impala, den zwei Bands, mit denen Avery als Drummer und Bassist bekannt geworden ist. Der 28 Jahre alte Australier bricht auf seinem Solo-Debüt mit seiner Garagenrock-Historie und lässt oszillierende Synthesizer-Panoramen und wüste, fransige Riffs hinter sich, um sich ganz einem zarten Gespann aus Streichern, sachten Gitarren und Drums zu widmen, über dem sein samtiger Bariton verweilt wie ein Relikt des Glanzes von Old Hollywood, Sinatra und Presley.

Ein gezielter Schritt in diese völlig andere Richtung war »Ripe Dreams, Pipe Dreams« jedoch nicht. »Das ist eben die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, deswegen habe ich damit geliebäugelt,« erzählt Avery. »Auf dieser Platte ist absolut nichts erzwungen.« Das kann man in der Tat so stehen lassen: »Do You Know Me By Heart«, »Big Town Girl«, die Single »C’est Toi« – sie alle erblühen ganz selbstverständlich und elegant in Cameron Averys musikalischer Vita wie die guten, alten Rosen inmitten von Venusfliegenfallen, Affen-Orchideen und Passionsblumen.
Was die Lyrik anbelangt, so gleicht das Album einem wandernden Blick über den Lifestyle, der Averys Leben vereinnahmte, als dieser mit Tame Impala die Leiter des internationalen Ruhmes erklomm und nach und nach in die Rockstar-Rolle driftete: durchzechte Nächte, flüchtige Bekanntschaften und sonstige Ausschweifungen, während es mit der wahren Liebe irgendwie nicht so klappte - das Urthema also, und Cameron scheint es ganz schön erfasst zu haben. »Baby, it’s you, so tell me that I’ll do«, bringt er der unbekannten Person dar und die Sehnsucht fließt in fast jedem Song förmlich aus den Lautsprechern. Es besteht nicht der Hauch einer Chance, dass dieses Album nicht einige Dutzend gebrochene Herzen und frustrierte Singles dazu inspirieren wird, sich in einer kühlen Nacht die Augen auszuheulen und eine Flasche Whiskey zu leeren. Cameron kann das aber verstehen. »Ich würde ihnen sagen, dass alles wieder gut wird. Wenn du weiter trinkst, nickst du einfach eh irgendwann weg.« Romantik und Pragmatik schließen sich nicht notwendigerweise aus, wie man sieht.

Das Kopfkino läuft zu »Ripe Dreams, Pipe Dreams« nicht von ungefähr so gut. »Ich mag viele dieser alten, französischen Filme der frühen 60er, Jean Luc Godard und seine Zeitgenossen sind schon eine Liga für sich«, sagt Avery, »Ich war aber auch schon immer ein riesiger James-Bond-Fan, ich schätze das hört man da auch raus.« Auch Los Angeles, wo das Album größtenteils entstanden ist, hat Spuren hinterlassen. »Plötzlich allein in der Stadt zu sein hat mich dazu gebracht, mehr in mein Inneres zu blicken, ich glaube daher rührt auch die sehr persönliche Natur der Songs. Und die musikalische Infrastruktur, die Hollywood dort hinterlassen hat, hat die akustische Beschaffenheit des Albums massiv geprägt. Diese üppigen, authentischen Sounds auf den alten Tonbühnen aufzunehmen, war definitiv inspirierend«, kommentiert Avery.

»Ripe Dreams, Pipe Dreams« ist der offenherzige Soundtrack zu einem konkreten Lebensabschnitt von Cameron Avery. Ob er eine Lektion daraus mitgenommen hat? Definitiv, sagt der Songwriter. »Ich bin ein bisschen erwachsener geworden und habe seither einiges über mich selbst gelernt.« Das umfasst vielleicht auch eine Art Balance zwischen den fantastischen Wunschträumen und denen, die man sich erfüllen kann. Darüber sinniert Cam Avery so: »Ich wollte kein Ideal für irgendjemanden schaffen, ich schätze ich wollte mich bloß einmal verlieben. Ich habe gehört, das soll ganz schön sein.«

Cameron Avery

Ripe Dreams, Pipe Dreams (Deluxe Edition)

Release: 13.02.2017

℗ 2017 Anti

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