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The Worst is Over

C/o Pop-Intim 2006

27.08.06, Köln, Kneipen-Bermuda-Dreieck. (Mit Bildergalerie) Das Intim teilt sich zu Ehren der c/o-Pop auf gleich drei Clubs an einem Abend auf. Alle im Kölner-Konzert-Kneipen Dreieck in der Luxemburger Straße. Allerhand Bands, drei Locations, ein Ticket. Das verspricht schon im Vorfeld einiges an B
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27.08.06, Köln, Kneipen-Bermuda-Dreieck. (Mit Bildergalerie) Das Intim teilt sich zu Ehren der c/o-Pop auf gleich drei Clubs an einem Abend auf. Alle im Kölner-Konzert-Kneipen Dreieck in der Luxemburger Straße. Allerhand Bands, drei Locations, ein Ticket. Das verspricht schon im Vorfeld einiges an Bewegung. Leider sind es nicht ganz sechs Bands, denn das neue Warp-Signing Grizzly Bear hat abgesagt. Angeblich weil ihnen das Stereo Wonderland zu klein ist. Schade, oder vielleicht auch Gott sei Dank - so kann man sich entspannter den übrigen bunt gemixten und hochkarätigen Programmpunkten des Abends widmen. Cursive eröffnen ihn im Prime Club.

Mit neuem Album "Happy Hollow" im Gepäck starten Cursive pünktlich gegen 22.00 Uhr und nehmen uns mit auf eine Reise in die Welt der Gefühle. Angefangen mit dem Opener der Platte wird es dem Zuhörer leicht gemacht, in die neuen Stücke, die auch von den anwesenden Bläsern unterstrichen werden, einzutauchen. Sehr schön zu hören bei "Dorothy at Forty", die uns auch im weiteren Verlauf des Konzertes mit ihren Träumen von Tornados begleitet. Das Wechselspiel zwischen sanft, manchmal fast wimmernd und brachial-drückend sowie der zweistimmige Gesang von Kasher und Ted Stevens wird durch den klaren Sound wundervoll zur Geltung gebracht. Nach viel zu schnell vergangenen 80 Minuten werden wir mit "The Worst is Over" von der "Gentleman Caller" entlassen und können nur hoffen, diese atemberaubende Band sehr bald wieder sehen zu dürfen.

Im Blue Shell spielen die Kölner Local-Heros Werle & Stankowski. Ruhige Singer/Songwriter-Tunes mit elektronischem Fundament, die bis auf den Bürgersteig vor dem Blue Shell für überschwängliche Reaktionen sorgen. Leider wird der Begeisterung aufgrund des strikten Zeitplans abrupt ein Ende bereitet. Aber schon im Herbst sind die charmanten Leisetreter im Vorprogramm von Blackmail unterwegs.

Apropos Zeitplan - zur gleichen Zeit spielen Janka aus Hamburg im Stereo Wonderland. Norddeutscher Gitarren-Pop, sympathisch-kumpelig, mit Wertlegung auf die eigene Bierversorgung auf der Bühne und einem durchgehend grinsenden Drummer - herrlich annehmbar für den Sonntagabend. Songs zum Verinnnerlichen - ohne schlechtes Gewissen und Vorbehalte. Doch still stehen kann man heute woanders. Also raus auf die Straße, über die Gleise gehüpft, schnell vorbei an Eskapaden-Verfechtern von Gem. Doch halt, was machen die denn da? Gem bestätigen was sie auch schon im Vorprogramm der Libertines (R.I.P.) bewiesen haben. Der Trupp um Sänger Maurits Wetserik kommt mit Sicherheit spielerisch auch mit größeren Bühnen zurecht, nur scheint sich der Enthusiasmus im Blue Shell auf wenige Quadratmeter zu kanalisieren. Songs wie "Good To Know You" oder "All I Want Is You" vom aktuellen Album "Escapades" zeigen, das man nicht so behaart wie die Kings Of Leon sein muss, um bluesigen R'n'R mit Pop-Appeal überzeugend rüber zu bringen. Und Haarlängen sind übrigens auch beim nächsten Act des Abends Thema.

Mit den Chicks On Speed wird an diesem Abend "rocken" noch einmal vollkommen anders definiert. Mit Spachteln als Percussion-Instrument ausgerüstet und (wie immer) in Aufsehen erregenden Eigenkreationen gekleidet, sind die Chicks sind für den großen finalen c/o-Pop Wurf gerüstet. Soviel steht von Beginn an fest. Im Hintergrund flirren grelle Collagen über den Beamer, Haare fliegen und werden Freiwilligen aus dem Publikum geschnitten. In den tiefen Frequenzen wummert es dazu aus den Boxen, dass man die eigene Frisur auch getrost vergessen kann. Gekonnt trashig und mit dem gewohnten Dilettantismus als Konzept schlagen die ehemaligen Münchner Kunststudentinnen noch einmal einen gehörigen Haken hinsichtlich des restlichen Billings. Der "99 Cent"-Hit "We Don't Play Guitars" macht noch mal explizit, was der gesamte Abend gezeigt hat: "rocken" kann man auf verschiedenste Art und Weise.