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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Intro feiert bzw. beleidigt Deine Lieblingsstars

BuViSoCo 2013

Hallo Menschen aus Mannheim und dem Internet. Der aktuelle Bundesvision Songcontest (BuViSoCo 2013) ermöglicht es wieder, vielen Pfeifen und einigen wenigen Perlen um unsere fahrige Gunst zu buhlen. Pop ab! Linus Volkmann legte sich fest: Wer war König, wer war Patient? Dass er wie immer Unrecht behielt, versteht sich dabei von selbst.
Geschrieben am

GEIL +++ GEIL +++ GEIL +++

 

MC Fitti »Fitti mit’m Bart« (Berlin)

Der große alte Mann des HipHop. Wie alt ist MC Fitti noch mal, 70, 80? Eigentlich müsste er das hier gewinnen. Das ist heutig, das ist HipHop, das hat Witz und eine Million Follower und deine Mutter bei Instagram und Facebook abgeholt. Aber wie man schon bei den Orsons vor einem Jahr sah: Das BuViSoCo-Publikum ist nicht wirklich Schulhof sondern so der gediegene Twen-Penner, der zu Tim Bendzko seufzt. Schlechte Karten für MC Fitti? [Da ich eigentlich an keiner anderen Stelle Recht behalten sollte, weise ich darauf hin: Hier schon. Platzierung letztlich: 3]

 

 

The Toten Crackhuren im Kofferraum »Ich brauch‘ keine Wohnung« (Sachsen)

Früher (ernsthaft!) in Mülltüten auf der Bühne,
heute mit Glitzer-Bustiers und Alice-Cooper-Make-Up. Vornehm! Und vor allem putzig und gefährlich. Das ist dabei noch nicht mal ihr bester Song, aber für Pro7 reicht’s allemal. Diese Biester, das sind Berliner Jugendliche von den ließe man sich gern mal überfallen und Jacke und Handy abziehen. Alles soll ihnen gehören. [Platz 9]

 

 

 

Adolar »Halleluja« (Sachsen-Anhalt)

Sänger Tom überlegte am Ende des Interviews mit Intro http://www.intro.de/kuenstler/interviews/23072864/mit-adolar-beim-buvisoco-du-kannst-ja-ueberhaupt-nicht-singen-was ob es nicht vielleicht reizvoll wäre, statt dem Halbplayback durch Singen zu entsprechen, einfach tonlos dazustehen und sich einzupinkeln. Darauf wurde verzichtet, aber wäre auch schade um dieses Stück gewesen. Emocore, Wahn, Pop, Bock! Kann mir keiner erzählen, dass ihn das nicht kickt. Pro Asyl! [Gab wohl in den Grenzcamps, Bauwagendörfern und anderen guten Orten nicht genug Netz. Platz 14] 

 

 

 

HALBGEIL +++ HALBGEIL +++ HALBGEIL

 

Guaia Guaia »Terrorist« (Mecklenburg-Vorpommern)

Äh, wie haben es diese beiden Anarchos noch mal auf ein Majorlabel geschafft? Na, wird schon alles seine Richtigkeit haben. Ebenso wie das harmlose aber doch nicht reizlose Zertrümmern der kompletten Bühnendeko. Cheech & Chong, Bruce & Bongo, Stan & Olli. Hat was. [Letzter. Im Nachhinein wirkte die Darstellung des Duos, wie sehr man über der Sache also der Sendung steht, doch etwas arrogant. Konsequent gab es dafür: Platz 16]

 

Keule »Ja genau!« (Brandenburg)

Geisterbahn: So total lustige Musik, über die man aber einfach nicht lachen kann. Und Keule, der Name klingt ja schon wie Icke oder knorke. Dabei hat Berlin die zwei Vögel nicht mal genommen. Allerdings irgendwie - auch mit diesem öden moralischen Subtext - schon okay. Hasse ich zumindest nicht so wie das, was jetzt kommt... [Der Vollbart im Brautkleid, war das jetzt Genderbender oder Peter Alexander in »Charlys Tante«? Wohl eher Letzteres. Knorkator für Indies. Schlug sich überaschend gut. Einer der Gewinner der Show. Platz 4]

 

 

 

 

FIES +++ FIES +++ FIES

 

Charly Bravo »Dreckige Namen« (Bayern)

Erster Gedanke: »Hey, die FDP ist doch rausgeflogen aus dem Bundestag!« Tja, aber der neoliberale Gott schließt keine Tür, ohne nicht irgendwo auch ein Fenster zu öffnen. Und durch das sind diese komischen Bayern-Popper aus gutem Hause reingeklettert. »Gib mir lieber dreckige Namen«? Kein Problem, könnt ihr haben: Schleicht’s euch, ihr BWLer-Fressen! Ihr seid der Beweis, warum Punk in diesem Bundesland nie machbar war – dafür aber die CSU. [Platz 14]

 

De fofftig Penns »Löppt« (Bremen)

Oh je. Muss Popkultur denn auch hier schon wieder nur über Mitleid funktionieren. Da Klaus Heufer-Umlaut in neo.paradise, die ADHS-Plattdeutsch-Rapper aus Gastgeberhöflichkeit sogar »innovativ« nannte, möchte ich folgendes klarstellen: Dialekt klingt in Popmusik immer scheiße, das ist alles immer bloß eine mehr oder weniger schlimme Abstufung von BAP. Habt ihr gehört, BAP? Das finden eure Großeltern toll, das gefällt dem Deutschlehrer. Aber es ist auf keinen Fall: Erträglich. [Mit Verlaub, das wusste ich. Also, dass dieser Kram als irgendwie charmant empfunden wird. Vermutlich weil es so einen »coolen« Zuweg zu dem sonst so verbrämten Thema Heimat und Identität ermöglicht. Aber hier leben, nein Danke! Platz 7]

 

Sing um dein Leben »Unter meiner Haut« (Hessen)

Pseudo-emotionales »The Voice«-Restesingen. Pop als Lehrberuf - und das Prinzip Castingshow fungiert mittlerweile als Behauptung für authentische Musikerwerdung. Radiotaugliches Geknödel für alle, dene Musik insgeheim scheißegal ist. [Platz 11] 

 

Pohlmann »Atmen« (Nordrhein-Westfalen)

Im Staff des Casper-MGMTs, also bei Beat The Rich, sitzt der einzig wahre Pohlmann. Der sollte von seinem Namensvetter hier im Wettbewerb echt Schmerzensgeld bekommen für corporate Zeilen wie »Manchmal, wenn mir klar wird, dass mein Leben enden wird / nehme ich mir die Zeit als Geschenk entgegen«! Dagegen ist Schlager von Rex Gildo ja noch Aufbegehren und Revolution pur.

 

Als Entschädigung: Der Link zum echten Pohlmann sein Instagram-Account: http://instagram.com/pohlmannstyle  [Pohlmann meldet 3 neue Follower auf instagram - da geht doch noch mehr! Platz 12]

 

Mega! Mega! »Strobo« (Rheinland-Pfalz)

Die Band als marktgerechtes Produkt in Röhrenhosen, frisch von der Mannheimer Popakademie. »Jungs, Hand auf‘s American-Apparel-Oberteil, wofür soll eure zutiefst leere Musik Werbung machen? Lieber Mobilfunk oder doch der neue BMW? Schnell! Die Deals warten nicht, richtig gefragt seid ihr doch eh nicht!« Das letzte Mal sah ich die Band übrigens vor der Rentnerkulisse im ARD-Frühstücksfernsehen. Auch nicht gerade das Berghain, aber als echter Streber und Disco-Prakti muss man auch da antanzen. [Platz 10]

 

Bosse »So oder so« (Niedersachsen)

Der Peter Maffay der Generation Schwitzkasten. Mir fehlt - trotz neuen Dance-Skills - auch nach diesem Abend die Phantasie, was für mich bei diesem Typen drin sein könnte. Musik wie das Finale von »Lost« – zutiefst bedeutungsschwanger und prätensiös, aber am Ende bleibt nichts als die Null und das Gefühl, dass man hingehalten, betrogen und gefickt wurde. [Dessen Popularität hatte ich schon auch auf dem Zettel, aber dass es so dicke kommt... Von den bereits getätigten, wütenden Klicks der Bosse-Fans hier, die sich empören über meine Zeilen, kann ich schon in Urlaub fahren. Etwas irritiert es mich aber, dass Casper via Twitter eine Votingempfehlung für den Alten abgab und auch Jennifer von Jennifer Rostock Glückwünsche an ihn aussprach. Sollte ich dieser angestochen tanzenden chubby Hummel Unrecht getan haben? Nein. Dennoch: Gratulation. Platz 1]

 

 

OFF TOPIC +++ OFF TOPIC +++ OFF TOPIC

 

Max Herre feat. Sophie Hunger »Fremde« (Baden-Württemberg)

Ich war dereinst in der Talksendung von Roche & Böhmermann, aus der Max Herre rausging, weil Charlotte ihm sagte, seine Texte seien früher gut und heute scheiße. Auf seine Rückfrage bekannte sie allerdings, die neuere kenne sie gar nicht. Das war bitter. Dieser Mann hat schon genug gelitten. Ich enthalte mich. (Und liebe Sophie Hunger!) [Fun oder eher Sad Fact: Hätte ich Sophie Hunger hier zum ersten Mal gesehen, ich hätte mich nicht verliebt. Stück weit muss man sagen, dass Max Herre der Verlierer des Abends ist. Da ihn vorab jeder höher in der Gunst gerechnet hatte. Platz 8]

 

 

MIR DOCH EGAL +++ MIR DOCH EGAL +++ MIR DOCH EGAL

 

Luna Simao »Es geht bis zu den Wolken« (Schleswig-Holstein)

Ah, das Me-Too-Produkt zum Nummer-Eins-Hit »Lila Wolken«. Hey, und der war doch schon scheiße... [Die 17-jährige wurde über das paternalisierende, männliche Prinzip der Show so'n bisschen zum Sonnenschein erhoben. Dennoch eher Versenkung als Durchbruch zu erwarten. Platz 6]

 

Johannes Oerding »Nichts geht mehr« (Hamburg)

Hey, Philipp Poisel hat angerufen, er will seinen Gesangsduktus zurück. Alter, wie viele waidwunde, verletzte aber letztlich völlig intakte weiße priviligierte Männer muss man bloß diese Saison wieder ertragen? Hat die neue Generation denn nichts aus dem zweiten Weltkrieg, der deutschen Romantik, Achim Reichel und Klaus Lage gelernt? [Ganz knapp am Sieg vorbei. wtf? Kann mich nur wiederholen, wer zur Hölle ist das? Bekam eine schöne SMS zum Thema von Snegu R.: »Das mit Oerding versteh ich nicht. Was ist denn das für ein Hirni-Konsens? Ach ja, 42% CDU« Marco P. indes wusste zu verlinken, Oerding sei der Lover von Ina Müller. Na, in deren Haushalt möchte man auch nicht wohnen, da wird sicher nur geknödelt. Aber auch hier fairerweise: Gratulation, der eigentliche Gewinner des Abends. Platz 2]

 

DCVDNS »Eigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen«  (Saarland)

Und wer ist der bitte? Aggro-Rap, wie ihn sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wünschen würde. Hinter der Attitüde völlig clean und schmerzfrei. »Apokalypse Now!« mit einem Luftgewehr. [Ich irre mich ja viel und häufig, aber an dieser Stelle ist es schon ärgerlich. Wurde mit Links versorgt, die beweisen sollten, dass der Typ doch witzig und steil sei. Muss zugeben: Ja, stimmt irgendwie. Sorry. Platz 5]

 

 

Hannes Kinder »Déjà-Vu« (Thüringen)

Ah, ich als Musikkritiker merke sofort, was hier Sache ist: Einer der regulären Teilnehmer hat abgesagt und kurzfristig musste jemand aus dem Publikum einspringen, damit die Bühne nicht leerbleibt, nicht wahr? Und der bekam schnell von der Technik via Cubase und Pro-Tools noch einen Song, naja, eine Art Song geschrieben. Mit Lückentextzeilen wie »Das Gefühl hört nicht mehr auf / ich lass ihm freien Lauf«. Ein echter Teilnehmer ist das aber garantiert nicht. [Believe it or not: Den Typen habe ich bereits jetzt schon wieder vergessen. Platz 13]