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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Off Blue

Brother JT

Es werden wohl diese jugendlich-unschuldigen Augen in Verbindung mit den freundlichen Bäckchen gewesen sein, die John Terlesky zu seinem Spitznamen verholfen haben. Doch mehr als solch Äußerlichkeiten sind es seine wundervollen Lieder, die auf eine fürsorgliche Ader schließen lassen. Diese Seite zei
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Es werden wohl diese jugendlich-unschuldigen Augen in Verbindung mit den freundlichen Bäckchen gewesen sein, die John Terlesky zu seinem Spitznamen verholfen haben. Doch mehr als solch Äußerlichkeiten sind es seine wundervollen Lieder, die auf eine fürsorgliche Ader schließen lassen. Diese Seite zeigte sich sogar bei den Mudhoney-haft lauten Original Sins aus Pennsylvania, denen Terlesky von 1986 bis 98 als Sänger angehörte. Nach deren Auflösung spielte er als Brother JT3 mehrere Alben in kleiner Besetzung ein und begab sich auf verschlungene Psych-Pop-Fährten, durchaus verwandt mit den zeitgleichen Veröffentlichungen von Jim O’Rourke und Archer Prewitt. „Off Blue“ ist nun der Bruder ganz pur. Im heimischen Wohnzimmer nahm er im Februar 2004 alle Gesangs-, Gitarren- und Schlagzeugspuren auf und schuf zwölf Meisterwerke, die in ihrer Geschlossenheit Elliott Smiths „Either/Or“ sehr nahe kommen. Auch hier ist keiner der Songs – so schlicht arrangiert er auch sein mag – anders als in diesen Interpretationen denkbar. Sie erzählen vom Gefühl, sich und die eigene gleichaltrige Umwelt immer noch bei denselben Erziehungsdefiziten zu ertappen („We’re just like kids in a phase, so bored spoiled and cranky / A little young fort he grave, but too old for a spanking“), von der späten Versöhnung mit der eigenen Herkunft („Got my father’s eyes / So they say / Took a long time / To see things his way“, oder sie beschreiben eingespielte Paarrituale („It’s not that I don’t like the way you look at me / But it won’t be long before you throw the book at me“). Brother JTs dringlicher Gesangsvortrag ähnelt interessanterweise oft an den Briten Luke Haines (The Auteurs), und die Melodien lassen in ihrer schlichten Schönheit ebenfalls nur an die Besten denken: „Becoming“ klingt wie Kinks anno 67, und „Easier To Smile“ macht einem wieder bewusst, wie wichtig Gene Clark für die Byrds gewesen ist. So, nun keine weiteren Hervorhebungen mehr, denn das gesamte Album kann einem bald so unverzichtbar werden wie der Balladenschatz eines Tim Hardin.