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Das Schöne Leben

Britta

Die Songs von Britta waren irgendwie schon immer ein Stück praktische Lebenshilfe. Eine Art schlagkräftige Einsatztruppe für den Überlebenskampf in der Lifestyle-Industrie. Es ist typischer Britta-Humor, eine Platte wie "Das Schöne Leben" mit einem Song wie "Depressiver Tag" zu beginnen: "Depre
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Die Songs von Britta waren irgendwie schon immer ein Stück praktische Lebenshilfe. Eine Art schlagkräftige Einsatztruppe für den Überlebenskampf in der Lifestyle-Industrie. Es ist typischer Britta-Humor, eine Platte wie "Das Schöne Leben" mit einem Song wie "Depressiver Tag" zu beginnen: "Depressiver Tag, ich sag Hallo! / Zeig mir dein schäbiges Gesicht / Depressiver Tag, du machst mich froh / Komm und enttäusch mich nicht." Am Ende dieses für seinen vermeintlich traurigen Text sehr gut gelaunten Hits steht dann jedoch die Botschaft, niemals aufzugeben. Und das ist auch sonst das Programm. Denn Schicksalsschläge gab es für Britta seit dem letzten Album "Lichtjahre Voraus" genug. Durch die Pleite des Efa-Vertriebs verlor die Band die gesamten Einnahmen der CD. Viel tragischer noch war der überraschende Tod der Schlagzeugerin und Namensgeberin Britta Neander nach einer Herzoperation. Dass die Band trotzdem weitermachte, zeugt vom ungebrochenen Willen, sich gerade jetzt nicht unterkriegen zu lassen. Dafür klingt "Das Schöne Leben" überraschend positiv. Früher war Brittas melancholischer Indie-Pop der ideale Begleiter für die "traurigsten Menschen von ganz Berlin", auf dem Nachhauseweg von der Flittchen-Bar, dem wöchentlichen Britta-Hangout in der Maria am Ostbahnhof. Jetzt wird aufgeräumt mit alten Leiden. Das kann ungewohnt optimistisch und prima gelaunt klingen wie in "Seltsam Seltsam", einem der größten Hits der Platte. Es kann aber auch bedeuten, seinem Ärger über die Verhältnisse richtig Luft zu machen. "Wer geht putzen, und wer wird Millionär?" stellt Christiane die klassenkämpferische Frage in "Wer Wird Millionär?" oder zieht in "Menschenfeind" über "junge Spießer" und "Pradafrauen" her. Es geht aber auch versöhnlich, etwa in "Dieses Mal", einem neuen Stück über das ewige Thema "Glaube, Liebe, Hoffnung". Oder in "Büro Büro", einer Abrechnung mit Arbeitswahn und Ich-AGs in den Zeiten von Harz IV. Und dann ist da noch "Heimi Heimato", ein wunderbarer Rausschmeißer, ein Anti-Schunkelhit, der den Kater am nächsten Morgen schon mal vorwegnimmt, wenn Christiane sich mit schwankender Stimme dem endgültigen Erschöpfungszustand nach durchzechter Nacht nähert ("Kann nemmer, kann nemmer, kann nemmer ..."). Am Ende wird aber alles gut. Das scheint jedenfalls der blühende Kirschbaum auf dem Plattencover zu sagen. Mit einer so tollen Platte am Start sollte dieses Jahr jedenfalls Britta gehören.