×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»The New High«

Brent Cash

Musik aus einer vergangenen Zeit und einem versunkenen Land: 1960er/1970er-Retro-Sunshine-Pop aus einem Kalifornien der Prä-Trump-Ära. Wenn die beiden Vorgänger-Alben schon perfekt waren, was ist dann das hier? Eine Offenbarung.
Geschrieben am
Der aus Georgia stammende Brent Cash war zwar nie in Kalifornien, und das Brill Building steht schon lange in der Beginner-Heimat Eimsbush. Und genau dort lanciert das Label Marina schon seit einer Ewigkeit Musik von Acts wie Ashby oder den Pearlfishers – immer auf der Suche nach dem ewigen Popsong. Brent Cash hat dabei die Rolle des Sheldon Lee Cooper unter den Songwritern inne: Er macht prinzipiell alles allein und ist dabei schlicht brillant. Auf dem vorliegenden Album heißt das: Musik, Texte, Arrangements, Gesang und bis auf die Streicher alle Instrumente – und das sind nicht wenige. Da sitzt jede Note, jeder Hall einer Gitarrenseite oder Anschlag eines Glockenspiels. Und natürlich ist hier mehr mehr! Cash ist ein waschechter Nerd. Denn er macht seine Musik, weil er es liebt und weil er es kann. Von einer Tante mit einem Erbe bedacht, konnte er sich seinen Instrumentenpark leisten; ein Brotjob finanziert ihm das tägliche Auskommen. Musik ist eben doch wie Astrophysik, zumindest diese: sophisticated, faszinierend und reiner Selbstzweck. Hier trinken die Beach Boys und The Free Design zusammen Gin Tonic, während Burt Bacharach mit den Carpenters die nächste Welle nimmt und America mit den Beatles Frisbee spielen: »They don’t do music like this anymore.« Stimmt, weil kein Mensch sie braucht. Aber gerade das macht sie so toll! Sie ist reiner Hedonismus, ein einziger Widerstand gegen Funktionalität und Hintergrunddudelei. Sie ist Verschwendung und Sonne satt und dabei streng, hermetisch und melancholisch. Sie ist ein Statement gegen jede Verwertungslogik. Wer sie »nostalgisch« nennt, hat nicht begriffen, dass sie die Vision einer besseren Welt versprüht, so wie die Gischt an der Küste von Santa Barbara. Wie eine Offenbarung eben.

Brent Cash

The New High

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Marina Records