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Brancos Single Corner

Nun hat sich unser deutscher Fußballmeister einmal mehr vorzeitig aus der Champions League verabschiedet, und das sicher nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß die fliegenden Holländer der Kickerriege einfach den besseren Musikgeschmack haben. 'Dreckig in den Ohren' muß es klingen, wie schon Youri
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Autor: intro.de

Nun hat sich unser deutscher Fußballmeister einmal mehr vorzeitig aus der Champions League verabschiedet, und das sicher nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß die fliegenden Holländer der Kickerriege einfach den besseren Musikgeschmack haben. 'Dreckig in den Ohren' muß es klingen, wie schon Youri Mulder in 'ranissimo' am 17.03.1996 im Zusammenhang mit den SMASHING PUMPKINS verkündete und demzufolge Herrn Wontorra und ca 38 Millionen Bundesbürger in arge Verlegenheit brachte. Man erinnere sich nur daran, daß selbst die Rebellen unter den teutonischen Strategen wie z. B. Paul Breitner in Sammelbänden für Duplo- und Hanuta-Abziehbilder KRIS KRISTOFERSON als ihren bevorzugten Musiker ausgaben. Wie kann man unter diesen Umständen erwarten, daß eine auch höchsten europäischen Ansprüchen genügende Kickergeneration nachwachsen soll? Dreckig muß es sein, und da haben wir beispielsweise die Benefiz-Single für den Widerstand im Wendland von bröckelN, selbstredend mit 'Castor' betitelt und Punk + Ska vermischend (c/o Andreas, Georg-Böhm-Str. 2, 21337 Lüneburg; Fax: 04131/57715). Im Titelstück mündet ein sloppy bass-groove mit Megaphon-Durchsagen der Polizei, immer knapp neben dem Rhythmus, in eine hektische Feedback-Orgie mit sinistren Zukunftsvisionen. Der Erlös dieser Single geht nach Abzug der Unkosten selbstverständlich an die Bürgerinitiative Lüchow. Ebenso sinister die Visionen von DEEP, einer Augsburger Formation, 'Follow' meint vielleicht die Irrwege der Kicker vom Betzenberg, bei denen die Lichter demnächst wohl auszugehen drohen. Industrialeske Noise-Eskapaden mit schweren Gitarrenfeedbacks darüber - sehr dreckig. In ganz anderen klanglichen Bereichen bewegen sich MICHELLE CHARLESTON. Auf ihrer 4-Track-7', der weder Titel noch Bandphoto und sonstige übliche Accessoires beigefügt sind, geht es denn auch ein wenig um die aus Reduktion (ein Stück besteht 'lediglich' aus strukturlosen Klangexperimenten - sehr schön ... und dreckig) resultierende ruhige, aber intensive Grundstimmung mit instrumentaler Durchführung oder so, wie moderne Musikkritiker immer zu schreiben pflegen (MICHELLE CHARLESTON/einbpm, Farbstr. 15, 74321 Bietigheim-Bissingen). Man sieht also, daß Kapellen wie NOTWIST oder TORTOISE durchaus ihre Spuren auf den Feldern dieser Erde hinterlassen haben. Gleich im selben Studio wie die TORTOISE-Langspielplatten aufgenommen wurde die 'Falsetto Keeps Time'-7' von PROMISE RING, die allerdings aus Milwaukee kommen und sich bei 'A Picture Postcard' zunächst ein bißchen wie THE SEA & CAKE anhören, um dann in einen herausbrechenden Refrain einzufallen, kurz und bündig auf der B-Seite 'Scenes From Parisian Life', mit deutlich entspannter Ausdrucksform. Der freundliche jemand, der mir diese 7' schickte, vergaß ob lauter Begeisterung eine Bezugsadresse abzugeben, doch man darf die Band offensichtlich anrufen: 001-414-264-5016 (Davey). Das nenne ich wahre Bodenhaftung, die man bei einem 'Haufen eitler Stars' (O-Ton Andreas Herzog, 16.03.1996) sicher vergeblich suchen wird. Wenn es wenigstens Superstars wären ... Bekannte Allüren müssen einer Band, die sich THE SIMPLE ONES nennt, von Haus aus fremd sein. Das Zeug zu wahren Superstars hätten die Jungs aus Memphis allemal, die Single des Monats bei Branco möge ihnen auf ihrem weiteren Weg helfen (über Noise-O-Lution, Forsterstr. 4-5, 10999 Berlin, Fax: 030/6189382). Bei dieser Band handelt es sich um Kumpels von den GRIFTERS, deren Frühwerke man bei dieser Gelegenheit immer wieder gerne empfiehlt. Simpel, aber sehr clever arrangierte Parts, zurückgenommener Vers und wieder einmal herausbrechender, alles überwältigender Refrain mit Baßakkorden, so groovy kann Rockmusik, da hier in durchgehendem half-time gehalten, sein, ein bißchen garagig, schön und für meine Ohren mit perfektem Grad an ... Dreck. Fürwahr, er hat schon recht, der Herr Mulder. Herzlichst, Ihr