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Bierhalteakrobatik und Festivalstimmung

Boy live in Köln

Boy beschwören bei ihrem Auftritt im Rahmen des Kölner c/o pop Festivals den kompletten Sommerabendkitsch mit Jungsein, Freundeliebe und Bierheben.
Geschrieben am
26.08.2016, Köln, Live Music Hall

»Unvorhersehbare Umstände«: Das Veranstalteräquivalent zum bei Promitrennungen so beliebten Schlagzeilenpassus »Unüberbrückbare Differenzen« trennt bei der c/o pop uns mellowangespitzte Fans von der Band The Shins. Die sollten am Freitag nämlich gemeinsam mit Boy auftreten und wie geil wäre das wohl geworden? Wurde aber nichts, wegen der Unvorhersehbarkeit. Man konnte dann neben munkeln, grimmig gucken oder weinen, seine Tickets umtauschen. Aber warum einen mit Garantie wunderschön werdenden Abend schon von vornherein boy(!)kottieren? Klar, man muss die teilweise gefällige Werbesongmusik der beiden Musikerinnen aus Zürich und Hamburg nicht lieben, man hat aber auch kein Recht, die Teacup-Schweine unter den Indie-Bands zu hassen.

Wer einmal bei einem Konzert von Boy war, weiß nämlich, was sie können. Und das ist nicht weniger, als alle Anwesenden glücklich zu machen. Der volle Sommerabendkitsch mit Jungsein, Freundeliebe, Bierheben. Genau das konnte man erwarten und bekommt man an diesem Freitag auch. Und noch mehr: Als Vorband treten die Niederländer Town Of Saints auf, die sich um 19 Uhr zunutze machen können, dass der Schweiß des Publikums noch frisch und die Beine noch tauglich sind. Die Band, die sich kurz als »Indierock with a violin« zusammenfassen lässt, war mal zu zweit, steht aber heute als fünfkopfige Band vor uns und hat wie wir noch eine Menge Energie. Man glaubt sofort, dass der Biographiepunkt »haben mal als Straßenband angefangen« keine Marketingfloskel ist. Darüber könnte man sich vermutlich mit der Band auch noch im Innenhof nach ihrem Auftritt bei einem Bierchen unterhalten, hechelten und fecherten sie nicht lieber nach Luft. Vermutlich springen sie während des Boy-Konzerts Backstage in einen Swimmingpool. Es sei ihnen herzlich gegönnt.

Die Live Music Hall ist trotz 30 Grad draußen und geöffneten Biergärten überall ganz gut gefüllt, für die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit angemessen gibt es aber genug Lücken, die sich tanzend und mit Bierhalteakrobatik füllen lassen. Dennoch suchen viele das weite Draußen, immer wieder wird sich dort an Luftzügen und einer neuen Bestellung Flüssigkeit gelabt. Boy sind eher so Rahmenhandlung. Immerhin ergibt das die richtige Festivalstimmung. Die hartnäckigsten sind die auffällig vielen Frauen in den ersten Reihen, der Rest scheint flexibler. Nur zum »Da ist er ja endlich!«-Song »Little Numbers« stürzten auch dem Kollaps nahe Menschen nochmal rein und macht »Woho woho!«. Aber auch Boy wirken trotz rundem, glücklich machendem Konzert ein bisschen kurz angebunden, reden nicht allzu viel, spielen nicht länger als nötig, und fragen, wo man denn heute Abend noch hingehen könne. Die Antwort lautet »überall«.