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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

This Is What I Do

Boy George

Boy George feiert seine Wiedergeburt mit seiner Vorliebe für Reggae, die natürlich auch wieder auf seinen Karrierestart in Form des ersten Culture-Club-Hits »Do You Really Want To Hurt Me« verweist. Der Brite hat ein phasenweise sehr schön pathetisches Album gemacht, das am Ende ein paar Längen hat. Und er kann immer noch singen.
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»King Of Everything«, der erste Song, ist die »Alles muss raus«-Bestandsaufnahme, die sich ältere Mitmenschen eigentlich schon nach dem Heroin-Skandal 1986 und dem sich an das Ende von Culture Club anschließenden ersten Comeback 1987 gewünscht hätten. Zu voll pompös aufgeblasenem Mainstream-Pop, der ein Ideal aus der Zeit gefallener Zeitgemäßheit anzustreben scheint und einen dabei ganz nostalgisch macht, führt der sich gereift gebende Boy George hier einen anrührenden Dialog mit vergangenen Versionen seiner selbst. In »My God« heißt es: »I had to get it wrong to get it right«, was in zynischen Momenten an Talkshow-Auftritte gefallener Stars erinnert, die nach Drogenexzessen Reue zeigen und ihr neues Buch über den Weg aus der Krise bewerben.

Aber natürlich verbietet sich dieser Zynismus im Fall von Boy George, setzt sein neues Album doch schon per Titel dem (vom Künstler selbst zumindest mitverschuldeten) öffentlichen Image als skandalisiertes Opfer den Popmusiker Boy George entgegen, der als Subjekt seines eigenen Handelns in Erscheinung tritt. Eine hier vermittelte Botschaft ist, nicht mehr als entfremdetes Objekt der Außenwahrnehmung herzuhalten, auch wenn man sie zwecks Rückkopplung mit der Gegenwart braucht (»What’s the word on the street?«). Stattdessen liegt der Fokus auf der Erinnerung dessen, was man kann: In »Nice & Slow« singt er: »I got my sparkle back again!« Nach dem Ende, den Verirrungen, kehrt Boy George an den Anfang zurück und wird als Popmusiker reinkarniert (wir erinnern uns an seine Hare-Krishna-Phase in den 90ern). Geholfen hat bei der Wiedergeburt scheinbar eine sehr maßlos ausgelebte Vorliebe für Reggae, die natürlich auch wieder auf seinen Karrierestart in Form des ersten Culture-Club-Hits »Do You Really Want To Hurt Me« verweist. Boy George hat ein phasenweise sehr schön pathetisches Album gemacht, das am Ende ein paar Längen hat. Und er kann immer noch singen.