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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Shoppen mit Demba

Boundzound

Welche Musik hört Demba aka Boundzound abseits der Bühne, wo kauft er seine Klamotten ein, wo hängt er ab? Ein Streifzug durch Berlin.
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Demba aka Boundzound ist etwas irritiert: "Du musst mir die ganze Sache noch einmal erklären", meint er und legt die Stirn in Falten. Wir treffen uns in Berlin-Kreuzberg, seinem selbsterklärten Kiez. Er soll mir seine Lieblingsläden zeigen, sich zur Abwechslung einmal als Konsument statt Produzent vorstellen. Welche Musik hört Demba abseits der Bühne, wo kauft er seine Klamotten ein, wo hängt er ab?

"Eigentlich wohne ich in Neukölln, aber ich verbringe meine ganze Zeit hier. Zumindest wenn ich draußen bin." Hier, das ist die Oranienstraße. Diese Gegend riecht überhaupt nicht nach Boundzounds Dancehall- und Reggae-Vibes. In der Oranienstraße regiert der Punk. Hier ist das SO36, einer der berühmtesten Punkclubs in Berlin. Im Kollektiv-Café Tante Horst kann man am Wochenende beim rein vegetarischen Frühstücksbüffet selbst entscheiden, wie viel man bezahlen will - ein jeder spendet nach seinen finanziellen Mitteln. Und am Anfang der Straße, direkt am Görlitzer Bahnhof, schallt aus dem Coretex-Plattenladen ununterbrochen rotziger Hardcore direkt auf die Straße.

All das scheint Demba nicht zu stören. Ganz im Gegenteil - genau in dieser Gegend fühlt er sich wohl. Gechillt und mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht schlendert er die Straße entlang, stolpert unterwegs in ein paar Kumpels und erklärt, dass er eigentlich so gut wie nie einkaufen geht. "Meine ganzen Klamotten bekomme ich über Sponsoring-Deals mit Seeed", sagt er nüchtern. "Oder ich designe sie selbst". Er zieht den Reißverschluss seiner schwarzen Plüschjacke herunter und enthüllt ein beiges T-Shirt einem aufgestickten Kangaruh darauf. Klamottenläden sind nicht sein Ding. In diesen scanned er jeweils nur kurz den Raum, schaut sich ein, zwei Stücke an, nur um dann gleich wieder in Richtung Ausgang zu marschieren. Lieber stattet er dem ansässigen Musikladen einen kurzen Besuch ab, um dort Gitarren auszuprobieren und sich nach neuen Kopfhörern umzusehen. Oder er setzt sich im Coretex die Kopfhörer gleich auf und hört sich die neue No-Means-No-Platte an. Die gefällt und wird gekauft. Denn früher, so Boundzound, hat er nur solche Musik gehört. Daher also die Verbindung zum Kreuzberger Kiez, zu Punk. Und plötzlich findet man, dass er doch ganz gut ins Straßenbild passt.