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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Letting Go

Bonnie Prince Billy

Zunächst einmal für die, die es noch nicht wussten: Bonnie Prince Billy, auch bekannt unter diversen Bandnamen, die den Begriff “Palace” enthalten, oder seinem Realnamen Will Oldham, ist ein einzigartig großer Künstler und in Kategorien wie Dramatik, Lakonik, Ausdrucksstärke und Song unerreicht. Es
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Zunächst einmal für die, die es noch nicht wussten: Bonnie Prince Billy, auch bekannt unter diversen Bandnamen, die den Begriff “Palace” enthalten, oder seinem Realnamen Will Oldham, ist ein einzigartig großer Künstler und in Kategorien wie Dramatik, Lakonik, Ausdrucksstärke und Song unerreicht. Es gibt keinen Künstler im Singer/Songwriter-, Folk- oder Indie-Genre, der seine Songs wahlweise so irrwitzig gebrochen aufblasen oder ihnen bis auf Skin’n’Bones alles Unnötige nehmen kann, wenn er will – immer erreicht er größtmögliche Effekte. Niemand kann Backingbands oder DuettpartnerInnen zu ähnlichen Höchstleistungen pushen. Seine Aura ist, gemessen an der ähnlicher Songwriter, überlebensgroß, schon nach nur wenigen Jahren Karriere wurde er überall auf der Welt geradezu mythisch verklärt. Er gab jahrelang kaum Interviews, verblieb mit seinen Veröffentlichungen auf kleinen Labels, die ihm bei seiner Abschottung halfen. So weit das. Denn nun bringt dieser Oldham auf Domino sein nächstes Werk “The Letting Go” heraus, seit langer Zeit sind mal wieder Interviews in Aussicht gestellt worden, und die Kauzigkeit, einstmals ein bedeutendes Stilmittel der Palace-Platten, ist verschwunden. Wenigstens musikalisch. Was bleibt, ist nicht weniger als eine Platte mit elf Songs von unerhörter Schönheit. Wieder. Oldham hat nach seinen letzten Arbeiten mit Matt Sweeney und David Pajo für die neue Produktion einen Stab von Musikern zusammengezogen, groß und verantwortlich wie nie. Er hat Duette für sich zusammen mit Dawn McCarthy arrangiert, er hat Streichersätze in Auftrag gegeben, hat all das in seine Songs integriert und klingt doch immer noch so ursprünglich nach sich selbst. Er hat Volksmusiken studiert, jedenfalls lassen manche Songs das erahnen, und er hat seinen Sinn für kleine wie fragmentarisch wirkende Soundideen nicht verloren, sondern perfektioniert. Er singt weicher und leichter denn je zuvor. “The Letting Go” wirkt so, als hätte Oldham der Sinn nach einer Art “Hauptwerk” gestanden, als wäre er es durchdacht angegangen und als wäre es ihm gelungen. Konjunktiv aus: Es ist ihm gelungen. Sein Hauptwerk. Bis jetzt.