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Schwärzer als schwarz

Bohren und der Club of Gore live

Eine mächtige Lavamasse, die sich kurz vor dem Erkalten unendlich träge talwärts in den Saal schiebt. Nur eine der vielen Assoziationen die unserem Autor Calle Claus beim Hamburger Konzert durch den Kopf schießen.
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Eine mächtige Lavamasse, die sich kurz vor dem Erkalten unendlich träge talwärts in den Saal schiebt. Nur eine der vielen Assoziationen die unserem Autor Calle Claus beim Hamburger Konzert durch den Kopf schießen.


22.10.08, Hamburg, Uebel & Gefährlich.

Bohren are back in town. Schon der gruselige, schlecht beleuchtete Fahrstuhl rauf zur obersten Etage des Millerntor-Bunkers scheint einen in der schummrigen Welt der vier Mülheimer willkommen zu heißen. Der Saal ist gut gefüllt, als die Band gegen 23 Uhr die extrem spärlich ausgeleuchtete Bühne betritt. "Hallo, wir sind Bohren und der Club of Gore. Wir spielen heute 2 Stücke mehr. Allerdings sind die neuen kürzer. Im Endeffekt kommt es also auf's selbe heraus."

Mit dieser pragmatisch-trockenen Ansage eröffnet Saxophonist Christoph Clöser den Abend. Von nun an ist alles Dunkelheit und Klang. Es gibt zunächst vor allem Stücke der neuen "Tonträgerin" (Clöser) "Dolores" zu hören, die so schöne Namen tragen wie "Staub", "Karin", "Unkerich" oder "Still am Tresen". Eine Idee "poppiger" als die fast schon den völligen Stillstand zelebrierenden Stücke der letzten Platte "Geisterfaust" sind Bohren wieder geworden. Poppig für ihre Verhältnisse, versteht sich. Bass, Schlagzeug, Fender Rhodes-Orgel und hier und da ein Tupfer Saxophon fließen wie eine mächtige Lavamasse, die sich kurz vor dem Erkalten unendlich träge talwärts schiebt, in den Saal. Bei so manchem Besucher wird sich nach langem Arbeitstag immer mal wieder der "Bohren-Sekundenschlaf" eingestellt haben, ein sanftes Dahinsinken, die Augenlider flackern, Traumbilder beginnen vor den Augen zu erscheinen - und dann kommt der nächste markerschütternde Bassanschlag, der einen wieder ins Hier und Jetzt reißt.

Video: Bohren und der Club of Gore - "Midnight Black Earth"



Hier und Jetzt auf dem Planet Bohren. Clöser lockert die majestätische Atmosphäre dann und wann durch seine genuschelten Ansagen auf, die mitunter fast Helge Schneidersche Züge tragen. Logisch - Mülheim an der Ruhr. "Als nächstes kommt eins unserer Protestlieder. Es richtet sich gegen Teilnahmslosigkeit," lässt er mit ausdrucksloser Grabesstimme verlauten, oder:

"Das nächste Stück ist nach dem selben Prinzip aufgebaut wie alle unsere Stücke: Keine Möbel, aber 'ne Putzfrau!"

Schöner kann man es wohl nicht auf den Punkt bringen. Im zweiten Teil des Abends gibt es dann noch einige "Greatest Hits" zu hören. "Constant Fear" vom schwarzen "Black Earth"-Album ist so ein Bohren-Klassiker, oder der "Kleine Finger" der "Geisterfaust". "Bleibt fröhlich, und nehmt euch immer mal in den Arm!" gibt Clöser seinem verdämmerten Auditorium schließlich noch mit auf den Heimweg. Dann ist der Spuk vorbei. Licht an. Aua, das blendet. "Das machen nur die Beine von Dolores..." schnarrt es zum Abschied aus den Boxen. Prachtvoll betäubt und irgendwie geläutert macht man sich auf den Heimweg.