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DVD: Nackter als nackt

Blumfeld

Eine DVD als schön eng beschriebene Postkarte aus dem Sommer dieses Jahres. Dazu ein Blick hinter die Kulissen: Das war Blumfeld. Ein herzlicher Abschied.
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Ganz ehrlich? Als Erstes stürzt man sich natürlich auf den Film der Bonus-DVD 'Abflug' von Ex-S.Y.P.H.-Mitglied Harry Rag. Auch wenn formal der Hauptaspekt dieser Veröffentlichung natürlich auf dem Live-Mitschnitt der diesjährigen Blumfeld-Abschieds-Tour liegt (in diesem konkreten Fall im Postbahnhof Berlin). Geschenkt. Dieses Konzert nun zu besitzen, das hat man hiermit sicher. Für schlechte Zeiten und für seine Adoptivkinder aus exotischen Ländern, denen man damit irgendwann von dieser reflektierten und pulsierenden Band der Jahrtausendwende besser wird erzählen können. Und überhaupt, wer die Goodbye-Tour von Distelmeyer und Freunden tatsächlich verpasst hat, dem kann man letztlich auch nicht mehr helfen.

Mir hat meine Mutter (ich wohne mit Mitte 40 immer noch daheim) zusätzlich alle Farewell-Berichte aus den großen Feuilletons ausgeschnitten. Das waren nicht wenige. Dort wurde so viel zu diesem Abschied gesagt, dass man hier nur noch betonen sollte, wie Alben-übergreifend sich die letzten Dates darstellten, und damit auch die DVDs. Zudem kann man an der 2007er-Version von frühesten Songs wie 'Zeittotschläger' verfolgen, welchen ästhetischen Weg viele Stücke analog zu Jochen Distelmeyer zurückgelegt haben. Jetzt aber endlich: 'Abflug'. 30 Minuten Making-of - allerdings mit cineastischem Anspruch. Wann allein begegnet einem denn so was bei dem Blick hinter die Kulissen einer Popband? Die Kamera sieht zumeist von unten an den Akteuren hoch, der Look variiert sprunghaft, aber nicht hektisch von Vintage zu Schwarz-Weiß zu bunt zu gegenlichtbesoffen.

Die Bilder spielen neben Künstlichkeit aber auch mit Authentizität. Einige Momente sind offensichtlich nur reingeschnitten, weil Gitarrist Thomas Wenzel ein Schweißtropfen vom Hals des Instruments tropft oder weil Distelmeyer wie ein Fußballer beim Spielen zu Boden rotzt. Diese Backstage-Kurzfilmpoesie findet sich zusätzlich noch ergänzt um (gern sehr verknappte) Kommentare von Konzertbesuchern oder Beteiligten; der Einzige, der richtig ausholen darf und ausholt, ist Maler und Buback-Eigner Daniel Richter. Eine DVD als schön eng beschriebene Postkarte aus dem Sommer dieses Jahres. Ein herzlicher Abschied.